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Erinnerung an den ostpreußischen Gauleiter Erich Koch

21.06.2015

Erich Koch (19. 6. 1896 – 12. 11. 1986) wurde in Wuppertal-Elberfeld in einer bürgerlichen Familie geboren und erlernte seinen Beruf bei der Deutschen Reichsbahn. Als Mitglied der Brigade Ehrhardt beteiligte er sich daran, polnische Einfälle in Oberschlesien abzuwehren. Die Reichsbahn entließ ihn, nachdem er in Elberfeld eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet hatte und für die Partei mehr Zeit aufwandte als für seinen Arbeitsgeber. Es besaß Tatkraft und sein Redetalent fiel der Parteileitung auf. Die machte ihn 1928 zum Gauleiter der NSDAP in der Provinz Ostpreußen und er erhöhte die Anzahl der Mitglieder innerhalb von 4 Jahren von 200 auf über 27.000. Mit dem Machtantritt der Nazis wurde Koch 1933 zum Oberpräsidenten von Ostpreußen ernannt. Er bemühte sich intensiv darum, die Wirtschaft in Ostpreußen zu beleben, insbesondere den Mittelstand. Mit dem Reichsbischof Ludwig Müller war er befreundet. 1934/35 war Koch in einen politischen Skandal verwickelt. Nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs und der Korruption wurde er abgesetzt. Doch Hitler rehabilitierte ihn und anschließend war Koch mächtiger als zuvor. Neben einem guten Verhältnis zu Hitler war Koch mit Martin Bormann befreundet. Nach dem Polenfeldzug wurde ihm zusätzlich der Bezirk Ziechenau unterstellt, später auch der Bezirk Bialystok. Am 1. September 1941 avancierte er zum Reichskommissar und presste in dieser Funktion die Ukraine wirtschaftlich brutal aus. Er hatte es zu verantworten, daß die Bevölkerung Ostpreußens viel zu spät die Genehmigung zur Flucht erhielt und diese dann unorganisiert und chaotisch unter Verlust sehr vieler Menschenleben und der Aufgabe von Hab und Gut erfolgte. Viele Flüchtlinge wurden von den sowjetischen Truppen überrollt und gerieten in Gefangenschaft und nach Sibirien, wenn sie nicht auf der Stelle den Tod fanden. Mit seiner Weigerung, den Endkampf verloren zu geben und stattdessen mit fanatischer Inbrunst auf eine Wende des Schicksals zu hoffen, hat er unsägliches Leid über die ihm anvertraute Bevölkerung gebracht.

Mit dem Beginn der sowjetischen Offensive im Januar 1945 zog sich Erich Koch aus Königsberg in ein Hotel in Pillau zurück. In Neutief wartete ein Flugzeug für den Notfall auf den Gauleiter, in Hela standen 2 Eisbrecher ständig unter Dampf und von hier flüchtete Koch im April 1945 mit großem Gepäck und ohne mitreisende Flüchtlinge zu dulden. Er versteckte sich unter falschem Namen als Rolf Berger, Major der Luftwaffe und ehemaliger Gutsbesitzer aus Ostpreußen, als Landarbeiter auf einem Gut in der Nähe von Hamburg, von wo aus er gelegentlich seine Frau besuchte, die in Lübeck eine Gaststätte betrieb. Am 25. Mai 1949 wurde er verhaftet, als er sich zum Versammlungsleiter einer Vertriebenenversammlung hatte wählen lassen und erkannt worden war. In Bielefeld wurde er vor Gericht gestellt, aber auf Betreiben der Engländer an Polen ausgeliefert.

Das 1959 gefällte Todesurteil vollstreckte man aber wegen angeblicher Krankheit des Verurteilten nie, sondern wandelte es 1960 in eine lebenslängliche Freiheitsstrafe um. Man verlegte Erich Koch in das Zuchthaus Wartenburg und hier starb er im 91. Lebensjahr am 12. November 1986. Für seine Verbrechen in der Ukraine und in Ostpreußen wurde er nie zur Rechenschaft gezogen



 
 
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