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Der Tod von Oskar Brüsewitz vor 40 Jahren war ein Fanal

22.08.2016

Oskar Brüsewitz (30. 5. 1929 – 22. 8. 1976) wurde in Willkischken östlich von Pogegen geboren. Die 1943 begonnene Kaufmannslehre musste er kriegsbedingt abbrechen, geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde im Herbst 1945 in den kommunistischen Teil Deutschlands entlassen. Hier erlernte er zunächst das Schuhmacherhandwerk. Nach Abschluss der Lehre siedelte er über nach Osnabrück, wo er eine Schuhmacherwerkstatt betrieb. Er heiratete, doch die Ehe verlief nicht glücklich.

Als Reaktion auf die gescheiterte Beziehung ging er zurück in die DDR, arbeitete weiter als Schuhmacher und heiratete erneut, diesmal mit glücklicherem Ausgang. Brüsewitz war anfällig für Krankheiten und verlegte verschiedentlich seinen Wohnsitz, nahm aber intensiv am jeweiligen kirchlichen Gemeindeleben teil. Das ging so weit, dass er von 1964 bis 1969 erfolgreich die Predigerschule in Erfurt besuchte und 1970 als evangelisch-lutherischer Pfarrer im Kreis Zeitz ordiniert wurde. Sein Amt übte er mitunter sehr unkonventionell aus. Dabei scheute er auch keinen Streit mit dem atheistischen SED Regime, was ihm die Anerkennung etlicher DDR-Bürger einbrachte.

Aus Protest gegen die Kirchenpolitik der DDR und gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit dort übergoß er sich vor der Michaeliskirche in Zeit mit Benzin und zündete sich an. Obwohl die staatlichen Ordnungskräfte schnell zur Stelle waren, starb Brüsewitz am 22. August 1976, vor 40 Jahren, an den schweren Verbrennungen, die er erlitten hatte.

Es gelang den DDR-Oberen trotz aller Mühe nicht, den Vorfall klein zu halten Er führte zu einer Solidarisierung und stärkte so die Oppositionsbewegung im sozialistischen Einheitsstaat. Wolf Biermann sprach in der Prenzlauer Nikolaikirche von der „Republikflucht in den Tod“ und Oberkirchenrat Manfred Stolpe hielt im Nachhinein die Tat von Oskar Brüsewitz für einen Vorboten des Systemwechsels.

 
 
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