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Erinnerung an den sozialdemokratischen Politiker Hugo Haase aus Allenstein

29.09.2016

Hugo Haase (29. 9. 1863 – 18. 10. 1919) wurde als ältestes von zehn Kindern eines jüdischen Schuhmachers in Allenstein geboren. Nach Übersiedlung nach Wormditt kam der Vater als Flachshändler zu Wohlstand. Hugo Haase studierte Jura in Königsberg, dazu später Philosophie und Nationalökonomie, und trat 1887 der SPD bei. Als er ein Jahr später seine Anwaltskanzlei in Königsberg eröffnete, war er der einzige sozialdemokratische Rechtsanwalt in Ostpreußen. Als solcher verteidigte er viele Arbeiter und Funktionäre, auch Bauern, allein 64 Mal Redakteure regierungskritischer Zeitungen. Spektakulär war die Verteidigung von Otto Braun im Prozeß wegen Hochverrats, Zarenbeleidung und Geheinbündelei sowie der Hochverratsprozeß gegen Karl Liebknecht 1907 vor dem Reichsgericht in Leipzig. Zu Beginn des 20. Jhs. wurde er als Strafverteidiger bekannt und erlangte z. B. für den späteren preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun 1904 einen Freispruch. Auch Karl Liebknecht bewahrte er 1907 vor einer Verurteilung. Hugo Haase war verheiratet mit Thea Lichtenstein aus Ortelsburg.

Aufgrund seiner juristischen Scharfsinns wurde Haase 1894 der erste sozialdemokratische Abgeordnete in der Königsberger Stadtverordnetenversammlung und war von 1897 - 1907 und 1912 – 1916 Mitglied der SPD-Reichstagsfraktion danach von 1917 bis 1919 der Fraktion der USPD. 1911 wählte man ihn neben August Bebel zum Parteivorsitzenden der SPD, nach Bebels Tod 1913 leitete er die Partei zusammen mit Friedrich Ebert.

Der Parteiraison folgend, stimmte der überzeugte Pazifist und Kriegsgegner der Bewilligung der Kriegskredite zu, entwickelte sich aber sehr bald zu einem vehementen Kritiker der deutschen Kriegführung, kam dadurch in Gegensatz zu seiner Partei und legte deshalb am 21. März 1916 den Parteivorsitz nieder. Am 1. April 1917 wurde er in Gotha zum Mitbegründer der USPD, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, erlangte deren Vorsitz und wurde am 10. November 1918 Mitglied im Rat der Volksbeauftragten, der neuen revolutionären Regierung unter Leitung von Friedrich Ebert. Dort vertrat er einen gemäßigten Kurs, trat jedoch am 29. Dezember 1918 aus diesem Rat wieder aus.

Hasse blieb Vorsitzender der USPD und vertrat dort den gemäßigten Flügel. Nach der Niederschlagung der der Münchner Räterepublik verteidigte Haase im Juli 1919 als Rechtsanwalt den Dichter Ernst Toller vor dem Standgericht und erreichte, dass Toller nicht zum Tode verurteilt wurde. Am 8. Oktober 1919 wurde er bei einem politischen Attentat schwer verwundet und erlag seinen Verletzungen am 7. November 1919.

 
 
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