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Der Tierfilmer und Publizist Heinz Sielmann ist jetzt 10 Jahre tot

06.10.2016

Heinz Sielmann (2. 6. 1917 – 6. 10. 2006) wurde in Rheydt als Sohn eines Chemikers geboren, zog aber bald nach der Geburt mit der Familie nach Ostpreußen, der Heimat seines Vaters, der vom Gut Groß Schwiegeneinen in Masuren stammte und ebenfalls sehr naturverbunden war. Sielmann verlebte in Königsberg seine Jugend, besuchte des Hufengymnasium, wo er die Abiturprüfung ablegte. Danach studierte er Biologie an der Albertina.

Nach ersten Versuchen mit einem Fotoapparat drehte Sielmann bereits 1938 in Ostpreußen und dem Memelland seinen ersten Tierfilm "Vögel über Haff und Wiesen" (noch als Stummfilm), der ihm große Anerkennung in der Fachwelt und beim Publikum einbrachte.

Während des Zweiten Weltkrieges vervollständigte er auf Kreta den Naturfilm eines verstorbenen Kollegen. Vorher war er in der Wehrmacht als Ausbilder an der Luftnachrichtenschule Posen tätig. Der Künstler Joseph Beuys war damals sein Adjutant.

Nach den ersten Kinoerfolgen in Westdeutschland mit "Lied der Wildbahn" (1948/49) und "Quick, das Eichhörnchen" gewann Sielmann Anfang der 50er Jahre neue Impulse aus der Zusammenarbeit mit Verhaltensforschern wie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld. Unter der Schirmherrschaft des belgischen Königs Leopold drehte Sielmann 1958 in Belgisch Kongo einen der ersten Filme über Berggorillas: Les Seigneurs de

la forêt. In Anschluss an "Herrscher des Urwalds" filmte er dann in den 1960er Jahren auf dem ganzen Globus, so 1962 den Dokumentarfilm „Galapagos - Landung in Eden“. Attacken eines Elefantenbullen und eines Flusspferds entging der Tierfilmer nur knapp.

Von Anfang der 50er bis in die 90er Jahre gelangen ihm sensationelle Aufnahmen von heimischen und exotischen Tierwelten. Seine Kinofilme wurden weltweit in 25 Sprachen gezeigt. Sielmann war Pionier bei der Sendung von Tierdokumentationen im Fernsehen. Mit der Fernsehserie „Expeditionen ins Tierreich“ mit 152 Sendungen von 1960 – 1991 schrieb er TV-Geschichte. 1981 schloss Sielmann als Herausgeber die Buchreihe "Knaurs Tierleben" ab. Zu seinen zahlreichen Ehrungen gehören u. a. der "Deutsche Filmpreis", die "Goldene Kamera", der "Goldene Bär" und der "Silberne Bär" der Filmfestspiele Berlin sowie der "Bambi", Ostpreußischer Kulturpreis (1988). 1982 arbeitete er neben Bernhard Grizmek als Herausgeber der Zeitschrift "Das Tier".

Sielmanns einziger Sohn Stephan kam 1978 im Alter von 24 Jahren bei einem Unfall während einer Expedition in Kenia ums Leben. Dieses Ereignis trug 1994 zu der Entscheidung des Ehepaars Heinz und Inge Sielmann bei, ihr Lebenswerk im Rahmen einer Stiftung in die Zukunft zu tragen. Seit 2000 erwarb die Stiftung unter anderem das ehemalige Braunkohle-Tagebaugebiet Wanninchen in der Niederlausitz in Brandenburg. Auf inzwischen 3.100 Hektar der wüstenähnlichen Bergbaufolgefläche entwickelt sich seither eine neue Artenvielfalt. Und am Stadtrand von Berlin liegt das bislang größte Stiftungsprojekt, die Döberitzer Heide, die über 100 Jahre lang als Truppenübungsplatz genutzt worden war. Nahe Storkow im Land Brandenburg richtete er die fast 2.000 ha große Naturlandschaft Schauener Seen ein

 
 
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