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Erinnerung an den Stadtbaurat von Berlin, Martin Wagner

06.11.2016

Martin Wagner (5. 11. 1885 – 28. 5. 1957) wurde in Königsberg geboren. Er studierte 1905 – 1910 in Berlin und Dresden Architektur und Städtebau mit Abschluß als Diplomingenieur. Zunächst erhielt er eine Anstellung in der Hochbauabteilung der Gemeinde Berlin- Weißensee, dann in Hamburg. Anschließend wurde er Leiter des städtischen Bauamts in Rüstringen, heute ein Teil von Wilhelmshaven. Ab 1914 war er beim Verband Groß-Berlin als Atelierleiter tätig. Wagner promovierte 1915 mit dem Thema „Das sanitäre Grün der Städte“.

Nach dem 1. Weltkrieg, den er noch kurze Zeit 1918 mitmachte, wurde er Stadtbaurat von Schöneberg. Hier plante er 1918 – 1920 die Siedlung Lindenhof. Er wurde Mitbegründer und bis 1925 Leiter des gewerkschaftsnahen Verbands sozialer Baubetriebe, die dem Ideal der Gartenstadt anhingen und die Gemeinnützigkeit besonders hoch bewerteten. 1924 übernahm Wagner die Leitung der gewerkschaftlichen REWOG, später DEWOG (Deutsche Wohnungsgesellschaft mbh), die über Filialorganisationen die gesamte gemeinnützige Bauwirtschaft im Deutschen Reich koordinierte. 1926 wählte man ihn zum Stadtbaurat von Berlin. In dieser Zeit bis zu seiner Entlassung 1933 entstanden durch ihn oder unter seiner Mitwirkung die Hufeisensiedlung (zusammen mit Bruno Taut), die Siedlung Eichkamp, die Waldsiedlung Onkel-Toms-Hütte, das Strandbad Wannsee und das Bad am Müggelsee. 1933 trat er aus Protest gegen den Ausschluß von Käthe Kollwitz und Heinrich Mann aus der Akademie der Künste aus. Nach den Wahlen im März 1933 wurde er aus seinem Amt entlassen und musste sein Haus in der Siedlung Eichkamp verkaufen. Hans Poelzig half ihm dabei, in der Türkei eine neue Wirkungsstätte zu finden, wo er 1936 eintraf und eine Tätigkeit als Leiter des gesamten Städtebaus in der Türkei antrat. Walter Gropius verschaffte ihm einen Lehrstuhl an der Harvard-University und 1944 wurde Wagner in den USA eingebürgert und zum Mitglied der „American Academy of Arts and Sciences“ gewählt. 1952 machte er eine Rundreise durch etliche deutsche Großstädte, kritisierte später die Planung des Hansaviertels als „Potemkin Berlin“, als nicht den aktuellen sozialen Bedürfnissen entsprechend und als zu teuer. Er kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück,.

 
 
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