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Nachruf für Dr. Lieselotte Ritter, geb. Schachner

20.03.2017

Es ist ein großartiges Leben gewesen, das Lieselotte Ritter, geb. Schachner, gelebt hat. Als dritte Tochter von Emil und Berta Schachner 1929 in Groß Ponnau, Kreis Wehlau, Ostpreussen, geboren, 1932 nach Gumbinnen gekommen, da ab 1936 zur Neuen Realschule und dann zum Konfirmandenunterricht in die ev. Altstädter Kirche gegangen, hat sie mit Mutter und Großmutter die Flucht nach Westen ins „Reich“ geschafft und ist 1945 bis Steinkirchen, Kreis Stade, gekommen.

Lieselotte machte eine Ausbildung zur Landwirtschaftlichen Lehrerin, später war sie Hauswirtschaftsleiterin, wurde jedoch 1952 Buchhalterin der Gemeinde Steinkirchen und 1956 Managerin der Kreditbank in Stade. Alles erfolgreich, aber brotlos in den damaligen Jahren.

Wie die meisten damals Jugendlichen nach dem Kriegsende, mehr noch die aus dem deutschen Osten vertriebenen Jugendlichen, fühlte sich auch Lieselotte Schachner als junge agile Frau unterfordert und innerlich unzufrieden und suchte nach Perspektiven für ihr Leben.

Zu der Zeit kam der Vorschlag und Wunsch von William Ritter - er lebte schon seit 1927 in Detroit, USA, jemand aus der ostpreußischen Bekanntschaft nach Amerika zu holen und dann dort für Ausbildung und Leben zu sorgen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Überraschung und Skepsis in der Verwandtschaft, aber auch an die Bewunderung darüber. Damals war Amerika für uns gefühlt unerreichbar und auch fast ohne Wiederkehr, wenn man tatsächlich erstmal dort war. Doch hatte William Ritter nach Kriegsende schon sehr viel von Amerika aus für Verwandte und Bekannte in Deutschland getan, dafür waren ihm alle sehr dankbar. Aber enorm exotisch war der Gedanke dennoch.

Es wird wohl auch Lieselottes salzburgisch- ostpreußische Art dazu beigetragen haben, ihre Entscheidung dann zielstrebig zu fällen. 1960 wanderte Lieselotte Schachner in die USA aus, um sich dort im Bankwesen weiter zu bilden. Das mag der wesentlichste Entschluß in ihrem bisherigen Leben gewesen sein. Sie arbeitete zunächst in einem Reisebüro in Detroit, Michigan, machte Abendkurse am Institut of Banking, am Internationalen Institut und an der Wayne State University in Detroit.

1964 begann sie mit dem Vollstudium in Germanistik an der Oakland University in Rochester, Michigan und an der Michigan State University in East Lansing Michigan. 1967 bis 1977 erhielt sie mehrere Auszeichnungen, machte den Master und 1981 den Doktor. Titel der Doktorarbeit „Das Potential der Frau bei Heinrich von Kleist“.

Sie heiratete 1973 William Ritter, ihren entfernten Verwandten, Lebenspartner, Förderer und Unterstützer der vergangenen Jahren.

Ab 1979 bis zu ihrem Ruhestand 1997 war Lieselotte Ritter Professorin der Fremdsprachenabteilung des Cenral College in Pella, Iowa und verbrachte ein letztes Semester mit einem Lehrauftrag in Wien, Österreich, in einem der Übersee- Studienzentren von Central College in Europa.

Eine ihrer Studentinnen fragte Professor Lilo in einem Interview, was sie in ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland zum Vergnügen gehabt hätte, worauf sie antwortete:

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges waren wir glücklich, wenn uns jemand ein Buch zum Lesen schenkte, wenn wir genug zu essen hatten, vor allem aber, wenn wir nach draußen gehen konnten, ohne fürchten zu müssen,dass man aus Flugzeugen auf uns schiessen könnte. Und nachts konnten wir schlafen.

Dr. Lieselotte Ritter war eine gute Professorin und hat ihr Leben als amerikanische Lehrerin sehr gern gelebt. Viele Ihrer Studenten haben leidenschaftliche Kondolantionen an die Traueradresse gemailt und ihren Tod betrauert.

Lieselotte Ritter hinterläßt eine umfangreiche literarisch- informative Arbeit, die zu vervollständigen ihr allerdings nicht mehr gelang. Die Nichte Katarina Seeherr und ihre Neffen Udo und Jörg Seeherr werden diese Ausarbeitung der Schachtnerschen, Salzburger Abstammunngsgeschichte in Kürze zuende führen.

Nach den vergangenen fast 60 Jahren beweist mir das Leben meiner Cousine und Tante Lieselotte, dass ganz hervorragend ausgehen kann, was anfangs fast unmöglich erscheint.

Nachruf von Peter Ritter, im März 2017.

 
 
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