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Erinnerung an den Volkskundler Erhard Riemann, der vor 110 Jahren nahe Könisberg geboren wurde

06.04.2017

Erhard Riemann (3. 4. 1907 – 21. 3. 1984), einer der profiliertesten ostpreußischen Volkskundler, wurde in Kraußen, Kreis Königsberg Land, geboren. Er wuchs in Deutsch Thierau, Kreis Heiligenbeil, auf, wo sein Vater als Lehrer tätig war. Später besuchte er das Kneiphöfische Gymnasium und legte 1926 seine Reifeprüfung ab. Er studierte einige Semester in Freiburg, München und Wien, vertiefte seine Kenntnisse dann aber an der Königsberger Albertina bei Professor Walther Ziesemer, dem führenden Heimatforscher der Provinz. Dieser hatte 1910 den Auftrag erhalten, ein „Preußisches Wörterbuch“ der ost- und westpreußischen Mundarten zu verfassen. Riemann promovierte 1935 mit dem Thema „Ostpreußisches Volkstum um die ermländische Nordostgrenze. Beiträge zur geografischen Volkskunde Ostpreußens“ und wurde Assistent am „Preußischen Wörterbuch“. 1937 wechselte er als Wissenschaftlicher Assistent zum Stadtgeschichtlichen Museum Königsberg, habilitierte sich und erhielt eine Stelle als Dozent für Volkskunde an der Hochschule für Lehrerbildung in Elbing.

Nach Krieg und Gefangenschaft landete er in Kiel und war ab 1947 hier und in Oldenburg im höheren Schuldienst tätig. 1952 erging an ihn der Auftrag, das „Preußische Wörterbuch“ weiter zu führen, den er trotz aller Schwierigkeit im Nachkriegsdeutschland und der in alle Winde verstreuten Ostpreußen mit Engagement und Ausdauer ausführte. Mit der Verlegung der Wörterbuchstelle 1955 nach Kiel erhielt er dort eine Dozentur für Deutsche Volkskunde und Mundartforschung, wurde 1963 a.o. Professor, 1964 Wissenschaftlicher Rat und 1970 ordentlicher Professor. Nachdem er sich 1972 emeritierte, widmete er seine ganze Kraft noch einmal dem Wörterbuch und leitete die Kommission für ostdeutsche Volkskunde. Die Arbeit am Wörterbuch fand erst im September 2005, also lange nach seinem Tod, einen endgültigen Abschluss. Riemann wurde mit der Agnes-Miegel-Plakette des Tatenhausener Kreises ausgezeichnet und erhielt 1976 den Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen für Wissenschaft sowie posthum den Georg-Dehio-Preis. - Letzter Mitarbeiter am Preußischen Wörterbuch war Dr. Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache

 
 
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