Deutsch Polnisch Russisch 
 

Käthe Kollwitz wurde vor 150 Jahren geboren

08.07.2017

Die Bildhauerin, Malerin und Graphikerin Käthe Kollwitz wurde am 8. 7. 1867 in Königsberg als fünftes Kind des Königsberger Juristen und Baumeisters Carl Schmidt und seiner Frau Katharina. geboren. Sie starb am 22. 4. 1945 in Moritzburg/Sachsen. Ihr Großvater war der Theologe, Pädagoge und Prediger Julius Rupp, der, angefeindet und wegen seiner überaus liberalen Gesinnung aus der evangelischen Kirche ausgeschlossen, 1846 eine freikirchliche, evangelisch-katholische Bewegung gründete. Vater Carl Schmidt folgte seinem Schwiegervater als Prediger in dieser Freien Gemeinde nach. Er hatte Jura studiert und das Referendariat abgelegt, doch man verwehrte ihm wegen derselben geistigen Unabhängigkeit die Übernahme in den Staatsdienst.[size= 12px] [/size]

Diese beiden Männer hatten einen erheblichen Einfluss auf Käthe Kollwitz, deren Werk stark von einem sozialen Bezug geprägt ist. Schon in jungen Jahren interessierten sie beispielsweise die Menschen der Arbeitswelt im Hafen. Ersten Kunstunterricht erhielt sie bei dem Maler Gustav Naujok und dem Kupferstecher Rudolf Mauer. Dann wurde sie 1886, nach einer Reise ins Engadin, wo sie die beeindruckende Bekanntschaft von Gerhart Hauptmann machte, vom Vater, der als Maurermeister gut verdiente, auf die Malschule für Künstlerinnen und Kunstfreundinnen in Berlin geschickt. Dort lehrte ihr Mentor Karl Stauffer-Bern. Der Bildhauer, Maler und Graphiker Max Klinger stand Pater für ihren naturalistischen Zeichenstil. Und Ernst Barlach ermutigte sie, sich auch mit plastischen Arbeiten zu befassen. Andererseits bewog Käthe Kollwitz den Künstler, seinem berühmten Engel in der Kirche zu Güstrow ihre Gesichtszüge zu verleihen.

1887 kehrte sie nach Königsberg zuück, wo sie an der Kunstakademie studierte. Von 1888 bis 1890 besuchte sie die Universität in München. 1893 begegnete sie Gerhart Hauptmann erneut, dessen Drama „Die Weber“ in diesem Jahr in Berlin uraufgeführt wurde, was Käthe Kollwitz zu dem Radierzyklus „Ein Weberaufstand“ anregte, an dem sie fünf Jahre lang gearbeitet hatte und den sie auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1898 erstmals präsentierte. Die Arbeit erhielt große Beachtung und verhalf Käthe Kollwitz zum Durchbruch in der Öffentlichkeit. In der Folge lehrte sie bis 1903 an der Berliner Künstlerinnenschule. 1907 erhielt sie den von Max Klinger (1857 – 1920) gestifteten „Villa-Romana-Preis“ für den Radierzyklus „Ein Bauernkrieg“, der ihr einen Aufenthalt in Rom und Florenz ermöglichte. Ihr erstes großes plastisches Werk ist das Bildnisrelief ihres Großvaters Julius Rupp für einen Gedenkstein in Königsberg aus Anlass von dessen 100jährigem Geburtstag 1909. Heute steht die Säule mit Julius Rupp neben dem Königsberger Dom. Diese Plastik ist aber eine Nachbildung von Harald Haake von 1991, die aber auf der ursprünglichen Arbeit von Käthe Kollwitz von 1909 beruht.[size= 12px] [/size]

Seit 1891 war Käthe Schmitdt mit dem in Rudau, Kreis Fischhausen, geborenen Arzt Dr. Karl Kollwitz, verheiratet. Das Ehepaar lebte ab 1897 in Berlin, wo Dr. Kollwitz sich in einem sozialen Brennpunkts, dem Prenzlauer Berg, als Kassenarzt niederließ.

Seit dem Tod ihres Sohnes Peter im 1. Weltkrieg am 23. Oktober 1914 in Flandern war sie eine entschiedene Kriegsgegnerin. Sie arbeitete seit 1915 an dem Mahnmal „Die trauernden Eltern“, das 1932 auf dem Soldatenfriedhof Roggefelde bei Dixmuiden, wo Sohn Peter seine letzte Ruhestätte fand, aufgestellt wurde.

Am 24. Januar 1919 wählte man sie zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste mit dem Titel „Professor“, am 21. Mai 1928 wurde sie als erste Frau in den Senat, dem höchsten Gremium der Akademie, eingeführt, und 1929 ehrte man sie mit dem höchsten deutschen Orden, dem Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaft. Doch 1933 zwangen die Nazis sie, aus der Akademie der Künste wieder auszutreten und entließ sie aus der Meisterklasse für Graphik. Sie kam zwar nicht in die Ausstellung „Entartete Kunst“, doch ab 1936 wurden ihre Arbeiten nirgends mehr gezeigt und damit über sie faktisch ein Ausstellungsverbot verhängt. Immerhin aber entstand in dieser Zeit ihre Plastik „Pietà“. 1993 wurde eine auf 1,60 Meter Höhe vergrößerte Kopie der Pietà als Mittelpunkt der Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft angefertigt und in der Neuen Wache an der Straße Unter den Linden in Berlin aufgestellt. [size= 12px] [/size]

Nach dem Tod ihres Mannes 1940 traf sie als weiterer Schicksalsschlag der Tod ihres ältesten Enkels Peter 1942 in Russland. Vor dem zunehmenden Bombenhagel wich sie 1943 auf Einladung ihrer Bildhauer-Kollegin Margret Böning nach Nordhausen aufs Land aus. Bald darauf wurde ihr Wohnhaus im Prenzlauer Berg zerbombt und viele ihrer Graphiken und Druckplatten wurden zerstört. Am 20. Juli 1944 zog sie auf Einladung des Prinzen Heinrich von Sachsen nach Moritzburg in das Haus der Familie Münster, dem "Rüdenhof", wo sie am 22. April 1945 starb - wenige Tage vor Ende des 2. Weltkriegs. Im November 1945 wurde der Leichnam von Käthe Kollwitz in Meißen eingeäschert und später auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Lichtenberg im Grab der Familie beigesetzt.

Der Rüdenhof war von August dem Starken als Menagerie exotischer Tiere, vor allem von Straußen, errichtet worden. Prinz Ernst Heinrich von Sachsen hatte ihr hier zwei Zimmer zur Verfügung gestellt. 1995 wurde auf Initiative der Kreissparkasse Köln die Rüdenhof-Stiftung gegründet, aus deren Erträgnissen die Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte im Sterbehaus unter der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf Dauer erhalten werden soll. Zum 50. Todestag der Künstlerin konnte im Haus ein Museum eröffnet werden In Moritzburg sind eine Reihe von Grafiken vorhanden, die der Sohn Hans Kollwitz 1959 dem Museum Schloß Moritzburg geschenkt hatte.



 
 
©2005 - 2011 www.ostpreussen.net, powered by dev4u®-CMS