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Die menschlichen Stammzellen wurden im alten Königsberg entdeckt

17.07.2017

Ernst Neumann (30. 1. 1834 – 6. 3. 1918) wurde in Königsberg als Sohn von Franz Neumann geboren und war ein Enkel von Karl Gustav Hagen. Damit gehörte er dem überragenden Königsberger Gelehrten-Clan Hagen – Neumann an, der eine Reihe renommierter Wissenschaftler angehörten. Der Physiker Franz Neumann (1798 - 1895), geboren in der Nähe von Joachimsthal in Brandenburg, wurde an die Albertina berufen. In Königsberg heiratete er eine Tochter von Karl Gottfried Hagen und wurde damit Familienmitglied des renommiertesten Königsberger Gelehrten-Clans, in den auch der Astronom und Mathematiker Friedrich Wilhelm Bessel (1784 - 1846), Gründer der Sternwarte Königsberg, eingeheiratet hatte. Karl Gottfried Hagen (1749 - 1829) war der Begründer der Pharmazie als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin, gilt als letzter Universalgelehrter der Albertina und zählte zu den regelmäßigen Tischgenossen von Immanuel Kant. Sein Sohn Ernst August Hagen (1797 - 1880) war der erste Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte und Ästhetik in Preußen und Gründer der "Altertumsgesellschaft Prussia" (1844). Sein Neffe Hermann August Hagen (1817 - 1893) wurde 1870 an die Harvard University berufen und wirkte dort als erster Professor für Entomologie (Insektenkunde) an einer amerikanischen Universität.

Der Sohn von Franz Neumann, Ernst Christian Neumann, hatte eine pathologische Grundausbildung bei Rudolf Virchow erfahren und sich anschließend im Fach Pathologische Anatomie in Königsberg habilitiert. 1865 übernahm er die Leitung des Pathologischen Instituts an der Königsberger Universität. Am 10. Oktober 1868 teilte Ernst Neumann auf einer Sitzung des von Hermann v. Helmholtz gegründeten „Vereins für wissenschaftliche Heilkunde“ mit, dass das Knochenmark nicht nur das Organ der Blutbildung ist, sondern dass es in diesem Mark auch die postembryonale Stammzelle gebe, die dazu befähigt ist, sich selbst zu regenerieren. Damit war in groben, aber entscheidenden Zügen der heutige Blutzellstammbaum für die Reihe der roten Blutkörperchen und ab 1878 derjenige für die weißen Blutkörperchen beschrieben.

Diese bahnbrechende Erfindung mündete in einen europaweiten Meinungsstreit. Die Anhänger von Ernst Neumann vertraten die Meinung, dass sich selbst noch beim Erwachsenen aus Knochenmarkgewebe neue Stammzellen bilden können, was als „Unitarischer Standpunkt“ bezeichnet wurde. Dieser wurde u. a. von Rudolf Virchow und Paul Ehrlich vehement abgelehnt. Sie vertraten die Ansicht, dass sich eine in der Embryonalzeit angelegte Stammzelle nach der Geburt in mehrere verschiedene Blutzellreihen entwickelt, was als Duale Theorie bezeichnet wurde. Die Dualisten setzten sich in den nächsten Jahrzehnten durch. Erst nach 100 Jahren konnte die Existenz einer nach der Geburt sich stets sich aus dem Knochenmark neubildenden Stammzelle durch eine Knochenmarkkultur bewiesen werden, was die Richtigkeit der Hypothese von Neumann bestätigte.

Aus: E. Neumann-Redlin von Meding, Das Pathologische Institut in Königsberg, Königsberger Bürgerbrief, Sommer 2017, S. 50 f

 
 
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