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Das Triptychon „Golgatha“ von Lovis Corinth

27.11.2017

Im 1. Weltkrieg lag Tapiau von Ende August bis zum 9. September unter heftigem russischem Artilleriefeuer, das schwere Schäden anrichtete. Das Hotel Schwarzer Adler brannte aus und die Munition der eroberten russischen Protzen in seinem Hof explodierte. Die Ordensburg brannte aus, die Kirche wurde beschädigt, das Postgebäude verbrannte, der Wasserturm der Heil- und Pflegeanstalt waren zerschossen. Noch rechtzeitig vorher, am 24. August, waren 700 Insassen der Anstalt zum Fußmarsch nach Königsberg aufgebrochen. Als man jedoch gewahr wurde, dass man den Russen direkt in die Arme lief, kehrte man hektisch um. Dabei suchten viele Geisteskranke das Weite und mussten erst später mühsam wieder eingefangen werden. Der Rest fuhr mit der Bahn von Tapiau ins sicherere Königsberg.

Das seiner Heimatstadt 1910 übereignete Triptychon „Golgatha“, zählte zu Corinths stärksten impressionistischen Werken. Dieses wäre fast schon im 1. Weltkrieg zerstört worden, denn am 28. August 1914 griff die russische Rennenkampffarmee die Stadt an und ein Geschoss setzt die der Kirche benachbarte Brauerei in Brand. Die Feuerglut griff auf die Sakristei über, an deren Längswand das Corinth-Gemälde angebracht war. Der Chef der Heil- und Pflegeanstalt, der Arzt Ernst Pietsch, der zugegen war, ergriff beherzt die Initiative, schnitt das Tripychon mit einem Taschenmesser aus dem Rahmen, rollte es zusammen und verbrachte es in sein Büro. Es wurde später restauriert, nur die Spuren der Gewehrkugeln, die das Bild getroffen hatten, blieben zur Erinnerung erhalten. Im 2. Weltkrieg hatte das Corinth-Werk weniger Glück: seit der erneuten Eroberung durch die Rote Armee ist das Triptychon verschollen.

 
 
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