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Gastgeber in Ostpreußen

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Colmar Freiherr v. d. Goltz-Pascha

13.08.2020

Colmar v. d. Goltz (12. 8. 1843 – 19. 4. 1916) wurde in Bielkenfelde/Goltzhausen, Krs. Labiau, als Sohn des Rittergutsbesitzers Erhard v. d. Goltz (gest. 1849) und dessen Frau Palmira, geb. Schubart (gest. 1893) geboren. Er gehörte zu den ostpreußischen Originalen und Querdenkern, die höchst intelligent waren und dabei unkonventionell und eigenständig dachten. Berühmt wurde sein Bonmot über die Erlangung eines Ordens: man kann ihn verdienen oder erdienen oder erdienern oder erdinieren. Er war darüber hinaus ein guter Schriftsteller.

Nach dem Verkauf des Familiengutes verlebte Colmar v. d. Goltz eine entbehrungsreiche Jugend und schlug dann die militärische Laufbahn ein. Nach der Teilnahme an den Einigungskriegen zwischen 1864 und 1871 war er als Generalstabsoffizier der 6. Division in Brandenburg a. d. H., in der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes und als Lehrer an der Kriegsakademie tätig. Diese Berufungen musste er jedoch vorübergehend aufgeben, weil sein Buch „Leon Gambetta und seine Armeen“ auf das Missfallen der preußischen Militärs gestoßen war. Ab 1883 leitete er die deutsche Militärmission in Istanbul, trat in türkische Dienste, wurde Pascha und Generalinspekteur der Militärschulen und leitete ab 1886 die Reorganisation und Modernisierung der türkischen Armee ein. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1896 Divisionskommandeur in Frankfurt/Oder, 1898 Generalinspekteur der Festungen, 1902 kommandierender General des 1. Armeekorps in Königsberg, 1906 Generalinspekteur der 6. Armeeinspektion und war als solcher im Kriegsfall als Oberbefehlshaber der deutschen Ostarmee vorgesehen, 1908 Generaloberst und 1911 Feldmarschall. 1905 galt er als einer der möglichen Nachfolger des Grafen Schlieffen als Chef des Großen Generalstabes. Solche Ambitionen lehnte er jedoch ab. Im 1. Weltkrieg war v. d. Goltz – nach einem kurzen Intermezzo als Generalgouverneur von Belgien – ab 1914 Berater des Sultans, Generalissimus und bis zu seinem Tode durch Flecktyphus in Bagdad Oberbefehlshaber der 6. türkischen Armee, mit der er Erfolge über die Briten erzielte. Aus dem von ihm ausgebildeten türkischen Offizierskorps rekrutierten sich die Führer des Aufstands von 1908, was den Sturz der alttürkischen Regierung zur Folge hatte und den Aufbau der modernen Türkei einleitete. Als Zivilist schrieb er Romane, Novellen und Zeitungsartikel, als Militärschriftsteller erschienen von ihm die viel gelesenen und kundigen Analysen „Das Volk in Waffen“, ein Buch über Heerwesen und Kriegsführung jener Zeit (1883), „Von Roßbach bis Jena und Auerstädt“ (1906) und „Von Jena bis Preußisch Eylau“, „Kriegsgeschichte Deutschlands“ (1910 u. 1914).

 
 
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