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Vorstellung = Familie Wenig Cranz 1931-44

25.02.2016 15:02
hohenzollern5Do. 25 Feb. 2016, 15:02 Uhr
Guten Tag, zuerst möchte ich mich Ihnen vorstellen: ich heiße Hannelore Nehme, die Enkelin von Friedrich (Fritz) + Margarete (Grete) Wenig geb. Gerau, sowie Tochter von Elsa (Elschen) Wenig geb. 22.8.31 (Einschulung 20.04.1938-). Mein Großvater Fritz war im Familienbad Schwimmlehrer/ Rettungsschwimmer DLRG und Bademeister, meine Großmutter Tante Grete saß an der Eintrittskasse im Bad. Die meisten Kinder des ähnlichen Jahrgangs 1931 meiner Mutter haben sicherlich bei ihm das Schwimmen gelernt. Es würde mich sehr freuen, von IRGENDJEMANDEM zu hören, dass er sich noch an die 3 oder einen erinnert. Sie haben in der Hohenzollernstr. 5 gewohnt, das ist ganz links vom Hotel Königin-Luise im Dachgeschoß mit den Holzverblendungen an den Fenstern, siehe Bild. Bei Google habe ich das Haus nach mio Jahren Suchen endlich gefunden. Es sieht im Grunde noch genauso heute aus, wie damals, nur ein bisschen rosa Farbe rangepinselt...

Mein Großvater wurde ca. 42-43 eingezogen und hatte erst auf der Nehrung auf einem Turm Ausschau nach feindlichem Flugverkehr gehalten, wohin er später kam, weiß ich nicht, das erfahre ich hoffentlich endlich mal vom DD. Gestorben ist er 24.12.44 im Lazarett in Radenau/Radszenau als Obergefreiter, wo er verstarb und beerdigt wurde (mit Marke !!!). 2003 wurde er nach Insterburg überführt in den neuen Dt. Soldatenfriedhof.

Meine Mutter und Großmutter wurden von den Russen Frühjahr 45 nach Lindenhaus/Schloßberg in die Gefangenschaft bis Ende 48 gesteckt.

Nach vielen Jahren der Ungewissheit ist es mir letzten Herbst endlich gelungen, den Verbleib meines Großvaters ausfindig zu machen. Da ich über ihn nur sehr wenige Angaben hatte, dauerte es so viele Jahre. Dank des VdK's in ich heute als letzte Nachkommin endlich in der Lage, ihm nach 70 Jahre eine Blume auf sein Grab zu legen, damit er weiß, dass er NIE vergessen sein wird !

Für mich ist es deshalb so schmerzhaft, erst heute zu wissen, wo er ist und wie ihm geschah, da man damals meiner Mutter und Oma nur ein Todesdatum mitteilte, sonst nichts. Jetzt stehe ich mit meinem Wissen da und kann beiden nicht mehr sagen, dass sie vier Jahre nur wenige Kilometer voneinander waren, er im Grab, die beiden in Gefangenschaft - und keiner wußte vom anderen ! Oma starb 1993, Mutti Mai 2012. Sie hatte sich so gefreut, dass ich Opas Spuren suchte und hoffte, doch noch von ihm zu erfahren. Leider kam ich zu spät, und das schmerzt mich jeden Tag so unendlich !

Ich würde mich sehr über irgend einen Kontakt freuen, der die 3 noch kannte.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes Leben !
Danke für Ihr Zuhören/lesen
Hannelore Nehme
werneroDo. 25 Feb. 2016, 16:22 Uhr
Hallo Frau Nehme,

Ihr Großvater ruht auf dem Soldatenfriedhof in Insterburg.
Das Folgende ist beim Volksbund hinterlegt:

Friedrich Johannes Wenig ruht auf der Kriegsgräberstätte in Cernjachovsk.
Endgrablage: Block 2 Reihe 3 Grab 166

Nachname:
Wenig
Vorname:
Friedrich Johannes
Dienstgrad:
Obergefreiter
Geburtsdatum:
16.05.1903
Geburtsort:
Danzig
Todes-/Vermisstendatum:24.12.1944 Todes-/Vermisstenort: Radenau, H.V.Pl.

Waren Sie denn dort schon und haben Blumen niedergelegt ? Im Juni bin ich dort und könnte ein Foto machen, falls gewünscht.

Freundliche Grüße
Wernero
hohenzollern5Fr. 26 Feb. 2016, 22:08 Uhr
Hallo Wernero... smile

danke für die prompte Antwort ! Die Angaben, die Sie schrieben, habe ich auch mit Ergänzungsangaben vom VdK. Ich wohne seit 30 Jahren in der Nachbarstadt und bin schon tausend Mal bei denen vorbei gefahren, war mir aber nie dessen bewusst - so blind fährt man durch seine Gegend, pfff.
Vorige Woche habe ich die Leutchen dort besucht und eine ganze Reihe Mitarbeiter, mit denen ich seit Oktober 15 telefonierte, konnte ich jetzt persönlich kennenlernen. War eine lustige Stunde dort und es sind alles SOOO liebe und freundliche Menschen, war eine echte Wohltat, dort willkommen zu sein.

Nein, ich konnte noch nicht meinen Großvater persönlich besuchen, da ich ja erst jetzt erfahren habe, wo er liegt und wo er vorher war, sowie alle seine Lebensumstände seit Verwundung und Tot. Mein Mann sowie so viele meiner Freunde, Bekannten und Verwandten sind sehr bewegt von meinem jahrelangen Bestreben nach "Oppa" und freuen sich mit mir. Ich bin 53er Baujahr und werde wohl auch die letzte Generation sein, die solchen Aufwand mit persönlichem Wunsch betreibt, zu suchen und die Sache weiterhin zu betreiben.

Da mein Mann sich so mit mir gefreut hat, endlich am Etappensieg zu sein, plant er schon lustig drauf los, nach Ostpreussen irgendwann 2017 oder so zu fahren. Dafür sind ja doch einige Vorbereitungen zu treffen (man fährt ja nicht kurz nach Paris oder so), angefangen beim Reisepass über alle anderen Schritte, da wir mit eigenem Auto fahren wollen und uns dann in Cranz in ein Hotel einschreiben wollen. Dank "booking.com", wo wir seit Jahren Reisen buchen, haben wir schon schöne Häuser gesehen, wo wir an die 7 Tagen bleiben wollen. Mein Wunsch ist natürlich Muttis Geburtshaus, Cranz generell, dann schmerzvolle Orte besuchen wie: Lindenhaus/Schloßberg, Radenau (beide Orte sind platt und weg, nur noch 5-6 Häuser), sowie natürlich Insterburg. Rumfahren und alles einatmen ist mein Wunsch, seit meiner Kindheit habe ich eine Affinität für Birken, Fichten + Kiefernwälder, wie sie nur dort oben zu finden sind. Meine Mutter und Oma sind mit Grausen dort weggegangen - aber ich möchte die schönen Zeiten ihres Lebens dort entdecken und fühlen.

Ich wünsche mir so sehr, dass in ihrer alten Wohnung jemand anzutreffen ist, der mich reinläßt ohne auf mich böse zu sein. Muß nur einen russischen Text besorgen, aus dem mein Ansinnen hervorgeht und hoffen, dass etwas Süßes und einige Rubel als Dank mir die Tür öffnen. Da würde ich schon was drum geben.

Die Verwandtschaft lebte in Königsberg, Friedemannstr. 48, das wurde weggebombt und nicht mehr aufgebaut. Mein Onkel war dort 2007, Anwohner sagten ihm, dass die neuen Ostpreussen damals in den Keller gingen, rauskamen und sagten, die sind noch voll ... Darauf hin hätten sie gleich still und leise den Keller zugeschüttet und später mit Beton vergossen, damit gleich drauf gebaut werden kann. Wurde wohl nix draus, jemand HOHES wollte wohl das Grundstück und ließ es so für die Erben - bis heute ! Es graust mich nur.

Zurück zu Ihrem Angebot mit Bildern aus Insterburg - Lieber Wernero, ich nehme sooo gerne Ihr Angebot an. Sein Name "Friedrich Wenig" soll auf Namenstafel A stehen, so daß ich Ihnen unendlich dankbar für einige Bilder wäre. Vielleicht in hoher Auflösung geknipst, dann kann ich sie mir ausdrucken und hinlegen. Ich sende Ihnen dann meine emailadresse für die Zusendung.

Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihr freundliches Angebot, da müssen wir zusammenhalten. Sollte ich es vielleicht nächstes Jahr schaffen hinzufahren, werde ich das hier auch mitteilen, um anderen vielleicht den gleichen Dienst erweisen zu können.

Wir bleiben in Kontakt !
Schönes Wochenende
Hannelore Nehme
anbei Bild vom Geburtshaus meiner Mutter, oben in der holzbeschlagenen Mansardenwohnung haben sie in 2 kleinen Zimmern gelebt.
Ich sende gleich noch ein 2. mail, damit das Bild von Familie Wenig groß zu sehen ist
hohenzollern5Fr. 26 Feb. 2016, 22:09 Uhr
so, noch das große Bild Familie Wenig, Hohenzollernstr. 5
werneroDi. 01 Mr. 2016, 10:35 Uhr
Hallo Frau Nehme,

ich habe Ihnen an Ihre mail-adresse geschrieben. Bitte sehen Sie auch evtl. in den spamordner nach.

Freundliche Grüße
Wernero
hohenzollern5Di. 01 Mr. 2016, 16:58 Uhr
nachstehende Zeilen fand ich im Nachlaß meiner Mutter. Dieses Werk wurde von ihren Mitgefangenen Kameraden in der Gefangenschaft in Lindenhaus/Schloßberg verfaßt und läßt mein Herz schwer werden, denn ich weiß, was meiner Oma und Mutter alles wiederfahren ist. Was haben wir für ein Glück, dass wir bisher in Frieden leben durften !
werneroMi. 02 Mr. 2016, 11:07 Uhr
Hallo Frau Nehme,

dieses Gedicht aus dem Lager ist beeindruckend und der Inhalt entspricht der Wahrheit. Alles traurig ! Leider mußten viele dort in Ostpreußen dieses Schicksal erleiden.

Viele Grüße
Wernero
hohenzollern5Mi. 02 Mr. 2016, 12:17 Uhr
Hallo Wernero,
gestern habe ich Antwort gesendet

Ja, diese Worte geben nichtmal im Ansatz wieder, was die Frauen in diesem Lager durchmachen mußten. Meine Großmutter hat nur einmal 1981 die Kraft gehabt, mir einen größeren Umriß von dem zu geben, was sich in Lindenhaus zugetragen hatte. Die Dinge haben mich noch Jahre verfolgt und nie losgelassen und mir gezeigt, dass der Mensch, egal welcher Nationalität auf diesem Planeten an grausamen Taten einmalig ist. Und es war 1945 nicht vorbei, ich brauche nur den Fernseher anzuschalten !

Foto: Insterburg, markierter Namensstein müßte "A" sein, wo Fritz unten drauf steht.
Grüße, HN
werneroMi. 02 Mr. 2016, 16:08 Uhr
Aber das finde ich ganz bestimmt; es soll doch auch eine Grablage geben lt. Volksbund.
Am 20.Juni ist auf diesem Friedhof eine Gedenkveranstaltung vom Volksbund, da bin ich dabei.
Das Foto oben ist in Schloßberg, dort war ich letztes Jahr. Denkmal auf dem Gelände des alten Ortsfriedhofs
Wernero
hohenzollern5Sa. 18 Jun. 2016, 08:20 Uhr
Nach langem Suchen und Warten ist es jetzt geschehen, dass nach 71 Jahren mein Großvater von seiner letzten Enkelin, mir, eine Blume auf sein Grab zum 113. Geburtstag gelegt wurde. Der VdK hat mir hier eine große Freude gemacht, ich habe so lange gehofft, das noch zu erleben !

Sein Eintrag auf dem Stein in Insterburg/Chernjachowsk lautet:

Friedrich Wenig 16.03.1903 - 24.12.1944

Auch wenn ich entgegen allen Hoffnungen nicht mehr sein Grab besuchen könnte, habe ich diese so ersehnte Etappe heute genommen und bin unendlich glücklich darüber, ein so wichtiges Kapitel mit diesem Strauß auf seinem Grab erreicht zu haben.

Ich wünsche mir sehr, dass alle unsere gefallenen Väter, Großväter, Söhne, Ehemänner und Brüder auch dieses Glück haben, dass ihnen wie in meinem Fall, eine Blume von Herzen auf sein Grab legen !!!
Hannelore
hohenzollern5Do. 07 Sep. 2017, 20:44 Uhr
Heute möchte ich Ihnen allen mitteilen, dass ich es endlich geschafft habe, meine Reise nach Cranz anzutreten. Nach längerem Kampf mit dem Hotel, dass einfach nicht die Vocher sendete (! Panik) wegen der Visa-Bearbeitung kam dann endlich kurz vor Toresschluß das Papier. Das Reisebeüro Romanova war sehr hilfsbereit und hat mir inrhalb weniger Tage dann die beiden Visa zugeschickt.

Jetzt ist es endlich soweit, alles Warten, Reise planen, mit dem Internet für das Autonavigationsgerät die GPS-Daten für ca. 30 Ziele rauszukopieren, etwas Startgeld in Rubel und Zloty (1 Stopp in Danzig, Geburtshaus Opa besuchen) besorgen und jetzt langsam packen, macht mich immer aufgeregter !

Am Sonntag morgens ca. 5:00 Uhr geht die Fahrt los und ich werde schon immer hibbeliger. Diese Reise wird eine extrem emotionale für mich, ein Paar Packungen Tempos sind auch eingepackt.

Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich einen kleinen Reisebericht mit Bildern zusammenstellen, an dem vielleicht der eine oder andere hier seine Freude hat.

CRANZ wir kommen ! HURRA... smile))





 
 
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