Dollstädt

Krasnonamenskoje – Dollstädt

Die Gründung von Krasnonamenskoje – Dollstädt erfolgte um 1350.

Eine erste Kirche entstand bald danach. Sie wurde wahrscheinlich im Hungerkrieg 1414 zerstört. Nachfolgend gab es einen einfachen, chorlosen Backsteinbau auf Feldsteinfundamenten, der 1472 urkundlich erwähnt wurde. 1742 umfassend renoviert. Die Kirche erhielt 1945 nur wenige Beschädigungen am Dach und diente noch längere Zeit ihrem pastoralen Zweck, bis die deutsche Bevölkerung 1948 ausgewiesen wurde. Danach verfiel sie zunehmend und wurde in der ersten Hälfte der 1980er Jahre vom Militär gesprengt, um Baumaterial zu gewinnen.

Auch die Erbbegräbnisse der Familien von Schlieben und von Podewils aus dem 18. und 19. Jh. an der Nord- und an der Südseite der Kirche fielen dem Vandalismus zum Opfer. Heute gibt es nur noch Reste des Feldsteinfundaments.

Willy Bressem schrieb folgende hübsche Anekdote über seinen Vater in Dollstädt:

Vom Wilhelm II. geehrt

»Wer ist der junge, vorzügliche Reiter« fragte der Kaiser

Es war im Jahre 1892, als Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Einweihung seines Denkmals vor dem Schloss in Königsberg weilte. Mit gezogenem Schwert stand der Kaiser als Denkmal dort auf einem Sockel, dass zudem Zeitpunkt noch mit einem großen Leinentuch verhüllt war.

Wie es bei solchen Anlässen üblich war, machten die berittenen Truppen Reitervorführungen und Reitkunststücke zu Ehren des hohen Gastes. Im Offenen Viereck standen die Reiter um das Denkmal, das vom Kaiser selbst enthüllt werden sollte. Dieser trat dann auch auf die Rednertribüne und hielt eine Rede über Ruhm und Ehre seiner Soldaten, die jederzeit bereit sein müssten, ihr Vaterland zu verteidigen. Von seiner Rede selbst mitgerissen, zog der Kaiser seinen Degen und zerschnitt unabsichtlich die Schnur, die das Leinentuch zur Verhüllung des Denkmals festhielt. Völlig verdutzt blickte der Kaiser nun vorzeitig in sein überlebensgroßes Abbild.

Schnell wurde das Programm mit Reitervorführungen fortgesetzt, die der Kaiser scharf beobachtete.

Nach einiger Zeit wandte sich der Kaiser mit der Frage, wer der junge Mann sei, der zum vierten Mal auf der Tete reite, an den zuständigen Rittmeister. Auch bat er darum, den vorzüglichen Reiter kennen zu lernen.

Als dann die Vorführung vorbei war und die Herren Offiziere noch auf der Bühne diskutierten, trat der junge Tetenreiter hinzu und wurde vom Rittmeister dem Kaiser vorgestellt. Dieser junge Reiter war mein Vater Hermann Bressem aus Dollstädt im Kreis Preußisch Eylau. Der Kaiser reichte meinem Vater die Hand, klopfte ihm auf die Schulter und sprach: „Mein Sohn, ich bin stolz auf dich.” Dann bat Wilhelm II. den Rittmeister, meinen Vater zu befördern.

Einige Tage darauf wurde der junge Reitkünstler zur Reit- und Fahrschule nach Celle abkommandiert und anschließend zum Wachtmeister befördert. Eine steile Karriere für einen so jungen Mann, die für die damalige Zeit äußerst unüblich war. Somit schien der weitere Lebensweg wohl geebnet.

Dann geschah das Unerwartete. Der Bruder meines Vaters, der den elterlichen Hof bewirtschaftete, verunglückte tödlich und somit musste er auf Drängen seiner Mutter nach Hause und den Hof führen. Zunächst wurde eine Beurlaubung von zwei Jahren erwirkt, und dann konnte er sich entscheiden, ob er in die gleiche Stellung seiner Schwadron zurückkehren wollte. Das versicherte ihm der Rittmeister und unterstrich diese Abmachung durch Handschlag.

Nach eindreiviertel Jahren wollte die Schwadron den beurlaubten Soldaten an seine anstehende Entscheidung erinnern und besuchte ihn bei einem Ausritt mit ungefähr 80 berittenen Kameraden, allen voran der Rittmeister, auf dem Felde bei der Arbeit. Sein Pferd aus der Truppe hatten sie ihm gesattelt mitgebracht, um ihm die Rückkehr schmackhaft zu machen.

Trotz allem guten Zureden entschied sich mein Vater für den Verbleib auf dem Bauernhof, denn die ungebundene Freiheit sagte ihm doch mehr zu als das Soldatenleben. Außerdem ging es auch um den traditionellen Weiterbestand des Bauernhofes, der schon seit mehreren Generationen im Familienbesitz war. So endete eine militärische Karriere, die der Kaiser wohlwollend angestoßen hatte.

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