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Mord im Casino – die bewegte Geschichte der Villa Casablanca

20.05.2022

Bewegte Geschichte eines Gebäudes

Das ursprüngliche Gebäude in der Altstadt von Olsztyn wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als Sitz des Burggrafen erbaut und diente nach Übergabe des Schlosses an die Armee zunächst als Offizierskasino. Auch, wenn der Name es vermuten lässt, ein Offizierskasino hat wenig mit den Casinos, wie die Allgemeinheit sie kennt, zu tun.

Die hochrangigen Militärs trafen sich hier zum geselligen Beisammensein und zum Essen. Auch wenn sicher das ein oder andere Kartenspiel gezückt wurde, ist ein Offizierskasino nicht mit einer Spielbank zu vergleichen – erst recht nicht mit einem der modernen Online-Casinos wie dem Mr Vegas Casino. Dass es aber auch im Offizierskasino ziemlich riskant und aufregend werden kann, zeigt die Geschichte der Villa Casablanca.

Im Jahr 1907 wurde das Haus Tatort eines aufsehenerregenden Tötungsdelikts. Hugo von Goeben, seines Zeichens Hauptmann des Masurischen Feldartillerie-Regiments Nr. 73 erschoss Gustav von Schoenebeck, Major des Dragonerregiments am 27. Dezember 1907 nach dem Diner.

Auslöser für das „Duell ohne Zeugen“ war Antonie von Schoenebeck, Ehefrau des Majors und Geliebte Hugo von Goebens. Es heißt, Antonie habe ihren Liebhaber zu der Tat angestiftet. Sie wurde wegen Anstiftung und Beihilfe zum Mord ebenfalls vor Gericht gestellt, letztendlich jedoch freigesprochen. Von Goeben selbst nahm sich nach seiner Tat das Leben.

Romanstoff „Allenstein-Affäre“

Die Schriftstellerin Sybille Bedford verarbeitete das als Allenstein-Affäre in die Geschichte eingegangene Ereignis in ihrem Roman „A Legacy“ literarisch. Die Allenstein-Affäre ist ein wichtiger Bestandteil von Bedfords Familiengeschichte, denn der Ermordete war ihr Onkel. Und in gewisser Weise verdankte Bedford der Affäre ihre Existenz. Denn bevor dieser schwere Schicksalsschlag die Familie Schoenebeck traf, wollte Bedfords Mutter ihren Verlobten Maximilian Schoenebeck, den Bruder des Opfers, verlassen. Doch brachte sie es nicht übers Herz, der Familie Schoenebeck weiteren Kummer zuzufügen und heiratete Maximilian. Aus dieser Ehe ging Sybille als einziges Kind hervor.

Vom Offizierskasino zum Restaurant

Nach dem Mord verließ das Militär die Villa, die von den Anwohnern nur noch als Mordvilla bezeichnet wurde. Leer blieb das Gebäude dennoch nicht lange. Ernst Harich, Druckereibesitzer und Herausgeber der Zeitung von Olsztyn kaufte es, baute es in die heute noch erhaltene Form um und füllte es mit neuem Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte der Woiwoden von Olsztyn das Haus als Residenz. Doch in den 1950er Jahren zog erneut ein Offiziersclub mit Casino ein sowie eine Bibliothek. Nachdem das Militär die Villa erneut verlassen hatte, stand sie viele Jahre leer und war dem Verfall preisgegeben bis sie 2011 von einem Investor aufgekauft wurde.

Die Renovierung des Gebäudes wurde mit besonderer Sorgfalt durchgeführt, um den Stil der Epoche widerzuspiegeln, den ursprünglichen Charakter der Innenräume wiederherzustellen und der Villa Casablanca neues Leben einzuhauchen. So können Gäste des Restaurant Casablanca heute allerlei Köstlichkeiten in eindrucksvoller Atmosphäre genießen