Die Initiative für die Begründung der deutschen Luftfahrt ging offenbar von Walther Rathenau aus, damals Aufsichtsratsvorsitzender der AEG. Die AEG gründete 1917 zusammen mit der HAPAG (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) und der Luftschiffbau Zeppelin GmbH unter Beteiligung der Deutschen Bank die Deutsche Luft-Reederei (D.L.R.). Diese Gesellschaft begann im Februar 1919 mit dem ersten Linienflug, der von Berlin nach Weimar führte und damit als die erste zivile Fluglinie Deutschlands gilt. Die Flugzeuge der D.L.R. zeigten seit 1918 bereits den stilisierten Kranich als Logo, den der Architekt und Graphiker Otto Fierle (1889 – 1966) gestaltet hatte.
Die Anfangszeit der zivilen Fliegerei war betriebswirtschaftlich schwierig, nicht nur in Deutschland. Manch neue Gesellschaft musste wieder liquidiert werden, neue Gesellschaften entstanden. So entstand 1921 die Aero-Union AG, gegründet von den Altgesellschaftern AEG, HAPAG und Luftschiffbau Zeppelin. Die fusionierte 1923 mit der Lloyd Luftdienst GmbH, einer Tochter der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd, zur Deutschen Aero Lloyd. Zur selben Zeit richtete Hugo Junkers in seiner Junkers Flugzugwerk AG eine Abteilung Luftverkehr ein mit dem Hintergedanken, für seine Flugzeuge Absatzpotential zu schaffen, denn es gab aktuell offenbar Absatzprobleme. Junkers war damals der führende deutsche Hersteller von Flugzeugen für den zivilen Bereich. Die Abteilung wurde 1924 als Junkers Luftverkehr AG ausgegliedert und diese Gesellschaft fusionierte am 6. Januar 1926 mit der Deutschen Aero Lloyd zur Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin. Das war die Geburtsstunde unserer Lufthansa. Die Hansa im Namen sollte an die Hanse, dem mächtigen mittelalterlichen Handelsbund, erinnern. Es startete unmittelbar der Linienflug nach Zürich über Halle, Erfurt und Stuttgart-Böblingen. Das war der erste Linienflug und der erste planmäßige Auslandsflug der Luft Hansa. Die Nazis verkürzten den Namen auf „Deutsche Lufthansa AG“ und die alliierten Siegermächte des 2. Weltkriegs liquidierten die Lufthansa 1951 endgültig. Die heutige Lufthansa wurde 1953 als neue Aktiengesellschaft (LUFTAG)gegründet, nachdem Deutschland die Lufthoheit zurückerlangt hatte. Der Linienbetrieb startete am 1. April 1955 mit dem ersten innerdeutschen Flug von Hamburg nach München. Juristisch besteht keine direkte Rechtsnachfolge, aber die neue Lufthansa übernahm Namen, Kranich-Logo und die Tradition und reiht sich damit in die 100jährige Geschichte der Lufthansa ein.
Auch Ostpreußen war in die Entstehung der deutschen Luftfahrt eingebunden. So wurde der erste deutsche Flughafen 1922 in Königsberg-Devau gebaut. Schon während des 1. Weltkriegs existierte hier eine Flieger-Beobachtungs-Schule. Anknüpfend daran begann man 1919 hier mit der Anlage eines Flugfeldes. 1922/23 baute man nach Entwürfen des Architekten Hanns Hopp ein Empfangsgebäude und am 30. 4. 1922 eröffnete man die Fluglinie Königsberg – Riga – Moskau, die erste internationale Linienflugverbindung der Sowjetunion. Vorausgegangen war 1921 die Gründung der Deutsch-Russische Luftverkehrs A.G., abgekürzt Deruluft. Ebenfalls 1921 erteilte die Regierung Sowjetrusslands der Deruluft für zunächst 5 Jahre die Lizenz zum alleinigen Betrieb des Flugverkehrs zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrussland. Am 30. April 1922 wurde der Linienverkehr auf der Strecke Königsberg – Kaunas – Smolensk – Moskau eröffnet. Die Flugdauer betrug insgesamt 9 Stunden. Darüber hinaus wurde Königsberg ein wichtiger Standort für den inländischen und europäischen Luftverkehr in Richtung Osten. Heute wird der alte Flughafen in Devau nur noch von kleinen Sportflugzeugen und von Hubschraubern frequentiert. Die Reste des einstigen Empfangsgebäudes nutzt heute der Kaliningrader Sportfliegerclub.
