Liebe Freunde von Schloss Steinort!
Der Winter hat in Steinort Einzug gehalten und es ist vorweihnachtliche Ruhe eingetreten, Zeit Rückschau
auf das Jahr 2025 zu halten.
Wir sind noch ganz beeindruckt und motiviert von der großen Resonanz, die der Abschluss des Fassaden-
projektes am 15. November in der Öffentlichkeit vor Ort gefunden hat. Mit polnischen Fördermitteln ist
2025 die Instandsetzung der seeseitigen Außenfassade des Kernbaus und des Ostflügels erfolgreich reali-
siert worden. Die Polnisch-Deutsche Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (PNF) und Eigentümerin
des Schlosses hatte die Mittel zur Finanzierung mit Unterstützung des deutschen Generalkonsulats in
Danzig und der Stadt Angerburg (Węgorzewo) vom polnischen Ministerium für Kultur und das National-
erbe akquirieren können. Voraussetzung dafür war die statisch-konstruktive Sicherung des Mauerwerks
im Kernbau mit der Reparatur der dahinter liegenden Decken und der Dachfußpunkte. Mit Unterzeichnung
der Fördervereinbarung im September 2024 entwickelte sich eine beispielgebende Zusammenarbeit
zwischen dem deutschen und dem polnischen Team, die von dem Ziel gekennzeichnet war, erstmals nach
außen hin sichtbar zu machen, dass die Rettung des Schlosses erfolgreich voranschreitet.
Über konkrete Einladungen an die polnische und deutsche Politik und die polnische Facebook-Präsenz
des Schlosses waren kurz vor Mittag des 15. Novembers über 200 Gäste gekommen, um der
Wiedereröffnung des markanten Balkons beizuwohnen, einen Blick in das Schloss zu werfen, sich über
die bereits erfolgten Arbeiten zu informieren und die ersten Räume ohne den bisherigen Stützenwald und
mit festem Boden unter den Füßen auf sich wirken zu lassen. Neben dem Bericht über das bisher
Geleistete und die erfolgte Förderung wurde von den Anwesenden die von Dr. Alexander Vollmert
überbrachte Botschaft des Deutschen Bundestages, die Sicherungsarbeiten auch im Jahr 2026 mit einer
weiteren Summe von 900 TEUR zu fördern und damit die Deckung des Daches mit dauerhaften
Tondachziegeln zu ermöglichen, mit Freude aufgenommen. Ein großer Dank gilt den Akteuren und den
Mitgliedern des Deutschen Bundestages, die sich für die Weiterführung der statisch-konstruktiven Arbeiten
eingesetzt haben.
Ein weiterer Meilenstein im Jahr 2025 war der zweiwöchige Einsatz der Freiwilligen der Städtischen
Fachschule für Bautechnik und Meisterschule für das Bauhandwerk der Stadt München im September. Im
Rahmen des Erasmus+- Programms der EU konnten die Schüler erneut finanzielle Mittel für Reise,
Unterkunft und Verpflegung zur Durchführung ihres Einsatzes an Schloss Steinort erhalten. Seit 2019
findet dieses Ereignis jährlich statt (nur einmal 2020 unterbrochen wegen Corona). In jedem Jahr kommen
neue junge Leute, und mit jedem Jahr werden es mehr Alumni aus den vergangenen Einsätzen, die ihren
Urlaub opfern und ebenfalls wieder mithelfen. Erstmals konnten auch sechs junge Maurer von der
Berufsschule Nowy Sacz (Nähe Krakau) mit 2 Betreuern begeistert werden und verstärkten die Truppe
eine Woche lang. Die Qualität der ausgeführten Maurerarbeiten kann sich sehen lassen! Bemerkenswert
war generell die Eigenständigkeit und Zielstrebigkeit, mit der die einzelnen Gruppen an ihrem Einsatzort
gearbeitet haben. Das Gruppenfoto vor dem Schloss mit den insgesamt 45 Teilnehmern lässt ahnen, wie
viel Freude die jungen Handwerker daran hatten, ihren Beitrag zum Erhalt dieses polnisch-deutschen
Kulturdenkmals zu leisten. Sie erwerben dabei unschätzbare praktische Kenntnisse für ihr Berufsleben
und können sich am Schloss auch um einiges kümmern, wofür derzeit keine Fördermittel vorhanden sind.
Die provisorische Küche und der Kaffee-Raum im EG des Ostflügels sind intensiv genutzt worden und
stellen einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der sozialen Bedingungen auf der Baustelle dar. Als
Wunsch für 2026 haben sie uns hinterlassen, die Dusch-Kapazitäten im Ostflügel durch Ausbau zweier
weiterer Bäder zu verbessern.
Zum Ende Oktober dieses Jahres sind die Decken in allen sechs seezugewandten (sowie zwei weiteren
innen liegenden) Räumen des historischen Kernbaus gesichert und wieder statisch wirksam. Größter Wert
wurde dabei auf die Erhaltung der Holzdeckenbalken mit deren polychromen Bemalung gelegt. Innovative
Sanierungsmethoden ermöglichen die künftige öffentliche Nutzung der Räume mit den entsprechenden
Verkehrslasten. So konnte über dem Erdgeschoss eine stark angegriffene Decke durch Aufleimen von
Brettschichtholzplatten auf die traditionell reparierten Deckenbalken ertüchtigt und ausgesteift werden.
Eine große Hilfe dabei waren die Münchner Bautechniker. Trotz Kraneinsatz musste aufgrund der
beengten Verhältnisse viel mit Muskelkraft und Hebelgesetz beim Einfädeln der Platten und
Balkenabschnitte gearbeitet werden.
Bei den Decken im Dachgeschoss waren zum Teil ganze Balken, die bereits zu Lehndorffs Zeiten erneuert
worden waren, zu ersetzen. Auch hier musste auf historische Hebe- und Transportmethoden unter
Nutzung von Flaschenzügen, Rollen und schließlich Muskelkraft zurückgegriffen werden. Zur Reparatur
der Deckenbalken im Dachgeschoss gehörte auch die Ertüchtigung von drei sogenannten Hängewerken,
die das Überspannen größerer Räume in Holz ermöglichen.
Bis zum Einbruch der Schlechtwetterperiode konnte die Fundamentsanierung mit Ergänzung der Drainage
und Regenwasserkanalisation des Westflügels als letztes Teilstück dieser Maßnahme realisiert werden.
Das von der Fachbaufirma Hohlbud dabei vorgelegte Tempo war bemerkenswert. Wie so oft erlebt man
natürlich bei einem historischen Gebäude Überraschungen: So mussten wir feststellen, dass man schon
bei der Errichtung der Keller gespart und zum Teil die Feldsteine nur gegen das Erdreich gesetzt hat. Es
bestätigte sich damit auch die vermutete Ursache für die Risse in der Westflügel-Fassade. Die aktuelle
Maßnahme war deshalb zu Recht als Notsicherung zu bezeichnen.
Für das nächste Jahr stehen die dringend nötige statische Sicherung und Ertüchtigung des gewaltigen
Dachstuhls und die dauerhafte Eindeckung des Kernbaus mit historischen Klosterbibern auf dem
Programm. Wir sind zuversichtlich, dass die hierfür in den Haushalt eingestellten nötigen Fördermittel von
deutscher Seite wie vorgesehen freigegeben werden.
Die Schwesterstiftungen „Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz“ DPS als
Maßnahmenträger der Bundesmittel und privaten Spenden aus Deutschland und „Polsko-Niemiecka
Fundacja Ochrony Zabytkow Kultury“ PNF sind stolz auf die guten Fortschritte an Schloss Steinort. Sie
als Freunde und Förderer sind herzlich eingeladen, das Schloss immer wieder zu besuchen und sich
gemeinsam mit allen Beteiligten an dem bisher Geleisteten zu erfreuen. Sofern es Ihnen möglich ist,
unterstützen Sie gern die Arbeiten, die über reine Notsicherung hinausgehen, mit einer Spende an die
DPS. Dies versetzt uns u.a. in die Lage, im Ostflügel immer bessere Bedingungen für die Bauschaffenden
und Unterstützer wie die Münchner Bautechniker anzubieten.
Wir wünschen allen Freunden und Unterstützern von Schloss Steinort ein frohes und besinnliches
Weihnachtsfest und alles erdenklich Gute für das Neue Jahr!
Ihr
Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger
für das ganze Team „Schloss Steinort“
Jede Spende hilft!
Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz
Deutsche Bank PGK AG Görlitz
IBAN: DE26 8707 0024 0823 3660 02
BIC: DEUTDEDBCHE
Verwendungszweck: „Schloss Steinort – Prof. Jäger“.