Ruth Geede, die bekannte ostpreußische Kolumnistin, wurde 110 Jahre alt

Ruth Geede 2010 (Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

Ruth Geede, eigentlich Ruth Vollmer-Rupprecht (13. 2. 1916 – 17. 4. 2018), wurde in Königsberg als Frühchen geboren, das aber dennoch eine gute Entwicklung nahm. Ihr Vater war Quästor an der Universität Königsberg. Nach der Schulausbildung erhielt sie 1933 eine Anstellung als freie Mitarbeiterin beim Reichssender Königsberg, nachdem sie vorgesprochen und ein selbst geschriebenes Märchen eingereicht hatte. Dort durfte sie die „Kunterbunte Kinderstunde“ mitgestalten. Zur gleichen Zeit wurde sie als jüngstes Mitglied in den Deutschen Schriftstellerverband aufgenommen.

In Königsberg wohnte sie in der Dinterstraße, unweit der Königsstraße. Die Flucht aus Ostpreußen 1945 trat sie zusammen mit Mutter, Schwester und einer Nichte an. Auf dem Weg zum Schwager der Schwester in Uelzen blieben die jetzt Heimatlosen in Dahlenburg hängen. Bis 1948 arbeitete sie als Bibliothekarin. 1948 bis 1995 wurde Ruth Geede zunächst Volontärin, dann Mitarbeiterin der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“, deren Redaktion in Hamburg sie 1950 übernahm. 1955 heiratete sie den deutsch-chilenischen Exportkaufmann Guenter Vollmer-Rupprecht, den Sohn eines deutschen Kapitäns, der als Reise- und Wirtschaftsjournalist arbeitete und bereits 1989 sehr früh starb. Gemeinsam gründeten sie einen Pressedienst. Als Schriftstellerin verwendete sie aber weiterhin ihren Mädchennamen.

Ab 1950 schrieb sie auch Artikel für das Ostpreußenblatt. 1979 übernahm sie dort die wöchentlich erscheinende Kolumne “Ostpreußische Familie”, wo sie mit viel Charme und Geschick kleine und große Probleme ihrer Landleute mit der Leserschaft der Zeitung kommunizierte und öfter Erfolg damit hatte, manche nach dem Chaos der Flucht verloren gegangenen Familienmitglieder aufzuspüren.

Als Autorin schrieb Ruth Geede Hörspiele und Bühnenstücke, von denen einige sogar ins Repertoire des Ohnsorg-Theaters Eingang fanden. In ihren Texten setzte sie sich nachhaltig für die ostpreußische Mundart ein. So enthielt ihr erstes Buch, „De Lävensstruuß“, das 1934 erschien, plattdeutsche Erzählungen. Weithin bekannt wurde auch ihr Kinderkalender „Das Karussell“. Mit Agnes Miegel war sie, seit sie sie 1922 anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Universität erstmals sah, gut bekannt. Agnes Miegel wurde ihr Vorbild. 1985 wurde Frau Geede mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, 1991 erhielt sie den Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen und 2000 den Preußenschild, die höchste Auszeichnung, die die Landsmannschaft Ostpreußen zu vergeben hat. Und 2002 ehrte sie der Deutsche Journalisten-Verband mit der Goldenen Ehrennadel.