Kindertransporte in...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Kindertransporte in SBZ 1947/48

3 Beiträge
2 Benutzer
0 Reactions
499 Ansichten
Beiträge: 2
Themenstarter
New Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hallo 🙋‍♀️ mein Vater Franz (Dieter) Gerlach kam im Dezember 1947 mit einem Kindertransport aus Ostpreußen über Königsberg nach Grimmen ( Mecklenburg) in ein Auffanglager, wurde dort als Franz Gerlach registriert und noch im selben Monat weiter nach Bernburg ( Saale) geschickt. 
Von Dezember 1947 bis März 1948 befand er sich im Krankenhaus Gröna. Ich vermute, dass es sehr schlimm um den kleinen Jungen stand. Er wurde auf ca 3 -4 Jahre alt geschätzt. Was ungefähr hinkommt. Ich habe ein Foto von ihm als sechsjährigen Bub. Am 13.03.1948 kam er in eine Pflegefamilie Günther. Später gab es mehrere Wechsel zwischen Kinderheim und Pflegefamilien. Am Ende blieb er wohl bei einer Familie M. Täfler. Das Geburtsdatum 13.03. 1945 und Geburtsort Bernburg wurden behördlich festgelegt. Aber warum hat er einen zweiten Vornamen bekommen? Das erschließt sich mir nicht. Ich finde, das erschwert und verwirrt die Suche nach einem vermissten Kind. 
Zeitlebens hat mein Vater den Mantel des Schweigens getragen und bis auf eine kleine Tasche mit seinem Namen, die er bei sich trug, nichts erzählt. Auch nicht zu der späteren Zeit, bis zu meiner Geburt. Ich weiß so gut wie nichts aus seinem Leben.
Mehrere Anfragen nach Bernburg und Grimmen blieben ergebnislos. 
Weiß jemand vielleicht etwas über das Auffanglager Grimmen und warum mein Vater fast 800 km weiter geschickt wurde? Es gab doch in Mecklenburg bestimmt Krankenhäuser oder Kinderheime?

Für Tipps zur weiteren Recherche bin ich sehr dankbar. Ich habe mich bei verschiedenen Archiven angemeldet. Auch habe ich Kontakt zu einigen speziellen Menschen mit Ostpreußischen Vorfahren und bin auf den Ort Balga und ehemalige Bewohner und deren Nachfahren gestoßen. Dort lebte bis 1945 eine Familie Gerlach. Das Haus steht auch noch. 
Auch über Hinweise zum Streckenverlauf der Kindertransporte wäre ich sehr dankbar. Und wie wurden die kleinen Kinder eingesammelt? Hätten Erwachsene oder Eltern überhaupt mitfahren können/dürfen?

Vielen Dank für Hinweise

 

 

2 Antworten
Beiträge: 1
New Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hallo Mumel,

gerne antworte ich auf Deine Anfrage, die Du ja so ähnlich vor einiger Zeit auch auf ahnenforschung.net gestellt hattest. Du Deinem Vater selber kann ich nichts beitragen, wohl aber zu seinem Weg aus Ostpreußen heraus. Dieser ist weitestgehend deckungsgleich mit demjenigen meiner Mutter. Sie war bis Ende 1947 als Waise in einem Kinderheim in Aulowöhnen/Aulenbach (Kreis Insterburg) untergebracht. Von dort verlief ihr Weg über Königsberg, Pasewalk, Grimmen und weitere Stationen bis in die Nähe von Naumburg (Sachsen-Anhalt).  

Dazu finden sich im Bundesarchiv einige Hinweise (Hervorhebungen in den Zitaten von mir):

 

27.04.1948

„Stützpunkte zur Übernahme von Umsiedlertransporten: Für Transporte aus Kaliningrad Pasewalk/Mecklb.“ 

(BArch DO 2 86, S. 216)

„14tägige Quarantänezeit, welche auf Grund des Befehls Nr. 46 der SMA vom 09.02.1946 durchgeführt werden muss,…“

(BArch DO 2 86, S. 217)

„Nach Ablauf der Quarantänezeit, welche nicht länger als 2 Wochen dauern darf … wird der Abtransport in jene Gemeinden vorgenommen, welche als neue Heimat für diese Umsiedler vorgesehen sind.“

(BArch DO 2 86, S. 218)

23.10.1947

„Verteilungsplan der Umsiedlertransporte aus dem Kaliningrader Gebiet

  1. b) Kindertransporte

Für die Zeit der Quarantäne werden die eintreffenden Kinder in folgende Lager in Mecklenburg untergebracht:

  1. Transport in Seltz/Waldheim und Grimmen

Nach Ableistung der Quarantänezeit werden die dieselben nach folgenden Verteilungsschlüssel in die Länder weitergeleitet:

Sachsen-Anhalt    900

Nachstehende  Auffanglager wurden für die Aufnahme der Kinder bereitgestellt:

Sachsen-Anhalt           Naumburg und Bernburg"

(BArch DO 2 54, S. 25)

 

Also folgte auch der Weg Deines Vaters diesem Plan: Abfahrt aus Königsberg (voraussichtlich "eingesammelt" aus einem der in der Stadt oder dem Umland befindlichen Waisenhäuser) mit dem Zug nach Pasewalk

Dort nur zahlenmäßige, aber keine namentliche Erfassung der Eintreffenden. Nach kurzer medizinische Untersuchung und nur 3-4 Stunden später Weiterleitung für eine ca. 14-tägige Quarantäne nach Grimmen (dort gab es zeitweilig 4 größere und kleinere Lager zur Aufnahme der Ankommenden). 

Die Weiterleitung nach Bernburg folgt dem obigen Plan und diente einfach der einigermaßen ordnungsgemäßen räumlichen Verteilung der zig-hunderttausendfach seit 1945 in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone aus ganz Osteuropa eintreffenden und in den Dokumenten als "Umsiedler" bezeichneten Personen "in jene Gemeinden ..., welche als neue Heimat für diese Umsiedler vorgesehen sind" (s.o.).

Zu Deiner Frage, ob Eltern/Erwachsene mitfahren durften: der Weg Deines Vaters deutet auf einen der sog. Kindertransporte hin. Mit diesen wurden i.d.R. nur die Kinder aus Waisenhäusern mitgeschickt (also alleinstehende Kinder ohne Anhang - so auch meine Mutter: ihre Mutter ist 1946 an Typhus verstorben und der Vater war als ehemaliger Soldat unauffindbar). Nach dem Bericht meiner Mutter wurden die Kinder vor dem Transport einigermaßen "aufgepäppelt" und mit neuer (bzw. gebrauchter) Kleidung und gebrauchten Schuhen ausgestattet. Die einzigen erwachsenen Begleitpersonen dieser Züge mit bis zu 1.500 Kindern waren Soldaten und medizinisches Personal.

Daneben gab es auch "normale Transporte", mit denen auch Waisenkinder mitgeschickt wurden - aber deren Wegstrecke war meist eine andere.

Gruß

Peter

 

Ich suche alles zu dem ehemaligen Waisenhaus in Aulowöhnen/Aulenbach sowie den Lebensumständen 1945/1946 in Norkitten

Antwort
Beiträge: 2
Themenstarter
New Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hallo Peter,

vielen Dank für die ausführliche Antwort. Die Anfrage auf Ahnenforschung.net ist nicht von mir, sondern meiner Schwester. Leider kann oder will sie schon seit vielen Jahren nichts mit mir zu tun haben. 

Mein neuer Ansatzpunkt liegt in der Aussage des DRK Suchdienstes. Demnach kam mein Vater aus Ostpreußen über Königsberg. Das heißt für mich, meine nächste Suche erfolgt über damalige Waisenhäuser und polnische Archive und Transportlisten. Er wurde ja in Grimmen als Franz Gerlach registriert, also müsste er auch auf einer Liste gestanden haben. 

Es grüßt Sie herzlich 

Mumel

 

 

Antwort