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Das Königsberger Blutgericht

Das Königsberger Blutgericht

15.10.2018

Seit den 1830er Jahren war die Weinschänke in den Gewölben des Nordflügels des Königsberger Schlosses populär und wurde im Laufe der Zeit so berühmt wie Luther & Wegener in Berlin oder Auerbachs Keller in Leipzig. Der Name bezog sich vermutlich auf die Räumlichkeiten im Unterbau des Marschallflügels im Schloss, die als Marterkammer, Peinkammer, Diebesgefängnis, Pfefferstub, Große Glocke oder Spanische Nadel der mittelalterlichen Wahrheitsfindung dienten oder auf das Hofgericht, das seit 1512, oder das Oberlandesgericht, das seit 1810 in den Räumen darüber tagte.

Im Jahr 1738 begründete der 6 Jahre zuvor aus Schintlmaiß bei Bischofshofen im Salzburgischen zugewanderte Balthasar Schindelmeißer in der Kneiphöfischen Langgasse eine Weinhandlung, die bald florierte. Es wurden Filialen in Warschau und Wilna gegründet und Balthasar Schindelmeißer konnte von den Erträgen 1760 das spätere Gut Luisenthal in Juditten erwerben. Seine Nachfolger schlossen sich 1827 mit dem Kommerzienrat Johann Christoph Richter, der seit 1799 im Schlosskeller eine kleine Weinhandlung mit Weinlager betrieb und 1806 die Witwe David Schindelmeißers geheiratet hatte, zu einer Handelsgesellschaft unter dessen Leitung zusammen, die die weiträumigen Kellergewölbe des Schlosses als Lagerhallen anmietete und das Weinlokal einrichtete, das bald überregionale Bedeutung gewann. Am 1. 10. 1938 feierte man das 200jährige Bestehen der Weinhandlung.

Zu den Gästen des Lokals im Schlosshof zählten im Laufe der Zeit viele Prominente wie die Schauspieler Paul Wegener und Heinrich George, die Schriftsteller Fritz Skowronnek und Ernst von Wolzogen, der „Seeteufel“ Graf Luckner, Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, Außenminister Gustav Stresemann und viele weitere.3

Anfang April 1945 waren die Räume des Blutgerichts noch gut intakt, lediglich im Eingangsbereich gab es Beschädigungen. Der Gastronomiebetrieb wurde bis zur Eroberung Königsbergs durch die Rote Armee aufrecht erhalten. Die Räume des Blutgerichts wurden nach 1945 gesprengt und die letzten verbliebenen Mauerteile mit dem Schloss 1969 abgeräumt. Eine Ausstellung in der Stadthalle zeigt die zerstörte Weinschenke.

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