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Die Wiege der Landfrauenvereine stand in Ostpreußen

Die Wiege der Landfrauenvereine stand in Ostpreußen

09.11.2012

Die Historikerin Dr. Anke Sawahn aus Hannover referierte über die Geschichte der deutschen Landfrauenbewegung. Diese wurde begründet von Elisabet Boehm, die auf einem Gut in Nähe von Rastenburg wirtschaftete.

Elisabet Boehm wurde am 27. September 1859 als dritte Tochter des Gutsverwalters Hermann Steppuhn und seiner Ehefrau Emilie, die der Kaufmannsfamilie Noggerath entstammte, auf der Domäne Rastenburg in Ostpreußen geboren. Bereits 1862 siedelte die Familie auf das von Hermann Steppuhn erworbene, stark heruntergewirtschaftete Rittergut Liekeim bei Bartenstein über. Am 7. August 1880 heiratete Elisabet den ehemaligen Fähnrich Otto Boehm, Sohn eines wohlhabenden ostpreußischen Gutsbesitzers aus dem nahegelegenen Glaubitten und das Ehepaar ließ sich auf dem ziemlich heruntergewirtschafteten Gut Lamgarben nieder. Hier lernte sie intensiv kennen, wie schwer es die ostpreußischen Bäuerinnen und Gutsfrauen bei der Bewirtschaftung von Hof und Haushalt hatten und wie wenig diese schwere Arbeit gesellschaftlich anerkannt wurde. Sie fand Mitstreiterinnen, die sich mit dem alten und unwirtschaftlichen Wirtschaftsformen nicht abfinden wollten und gründete schließlich mit zwölf Mitstreiterinnen am 2. Februar 1898 in Rastenburg den ersten “landwirtschaftlichen Hausfrauenverein”, zunächst als “Gluckenverein” belächelt. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, Ausbildungs- und Fortbildungsmaßnahmen zu fördern. Außerdem sollte die hauswirtschaftliche Arbeit als Beruf anerkannt werden. Der Verein bemühte sich um Frische und Qualität ihrer landwirtschaftlichen Produkte und kreierte als Gütesiegel eine Biene als Symbol für den Bienenfleiß der Landfrauen. Die Idee dieses Landfrauenvereins fand nachhaltige Resonanz und Nachahmung. Es wurden Geflügelzuchtbüchern und Sortimente für Obst- und Gemüseanbau festgelegt, die bald überall in Deutschland übernommen wurden. Man gründete 1905 den ostpreußischen Landesverband und 1916 den Reichsverband unter dem Vorsitz von Elisabet Boehm. Sie starb am 30. Mai 1943 in Halle/Saale.

Nach dem Krieg begann sehr bald der Wiederaufbau der Landfrauenverbände und 1948 wurden sie wieder in den Weltlandfrauenverband aufgenommen. Der Landfrauenverband bemüht sich nicht nur um fachliche Weiterbildung im ländlichen Bereich, sondern auch und gerade um die geistige und kulturelle Förderung. So wachsen auch das Verständnis und die Bereitschaft für staatsbürgerliche Mitarbeit, getreu dem Motto von Elisabet Boehm: “Alles Streben und Ringen im Leben des einzelnen gewinnt nur dann eine wahre und wirkliche Bedeutung, wenn es in bewußter Beziehung steht zur Allgemeinheit.”

Am Gutshaus von Lamgarben wurde 1998 vom Ermländisch-Masurischen Verband deutschstämmiger Landfrauen eine zweisprachige Gedenktafel angebracht, gestiftet vom Niedersächsischen Landfrauenverband, mit folgendem Text: „Hier lebte und wirkte in den Jahren 1880 – 1911 die Begründerin der Landfrauenbewegung Elisabet Boehm, geb. Steppuhn. Vor 100 Jahren reifte hier eine Idee, die heute Landfrauen auf der ganzen Welt verbindet. Garbno (Lamgarben) – 1998“. Die deutsche Landfrauenbewegung feierte 1998 im Berliner Olympiastadion ihr 100jähriges Bestehen.

(Kreisanzeiger, 9. 11. 2012)

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