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Heute vor 240 Jahren wurde Polen erstmals geteilt

05.08.2012

Großfürst Jagiello von Litauen, der 1386 die polnische Königstochter Hedwig von Anjou, polnisch Jadwiga, geheiratet und damit als polnischer König Wladislaw II. Jagiello die Verbindung von Litauen und Polen herbei geführt hatte, schlug den Deutschen Orden 1410 in Tannenberg so vernichtend, dass dieser als Machtfaktor in Osteuropa ausgeschaltet wurde. Jagiellos nachfolgende Erben dehnten ihr Reich durch geschickte Heiratspolitik und durch Waffen auf Ungarn, Böhmen und Kroatien und bis nach Kiew aus und machten es zum größten Staat in Mitteleuropa. Der letzte Jagiellone, Sigismund II. August, starb 1572. Nach dessen Tod und nach der Lubliner Union 1569, in der Polen und Litauen zu einer Realunion zusammen geschlossen wurden, ersetzte das Wahlkönigtum das bisherige Erbkönigtum und Polen wurde bis 1795 zu einer Adelsrepublik. Eine Besonderheit dieser Adelsrepublik war die Einstimmigkeit bei Beschlüssen im Sejm. Damit wurde der polnische Reichstag weitgehend beschlussunfähig und Opfer von Manipulationen durch andere europäische Mächte.

Insbesondere in der 2. Hälfte des 17. Jhs. wurde Polen durch verschiedene Kriege und Konflikte machtpolitisch geschwächt. Es begann mit dem Aufstand der Kosaken 1648 gegen die polnische Herrschaft, gefolgt von Kriegen gegen Russland und Schweden. Das war die Zeit, wo der Große Kurfürst sich von der polnischen Lehensabhängigkeit lösen konnte. Mit dem Großen Nordischen Krieg 1700 bis 1721 und dem Sieg der Russen über die Schweden bei Poltawa 1709 geriet Polen zunehmend unter die Hegemonie Russlands. Die Versuche Augusts des Starken, ab 1697 König von Polen, die Republik zu reformieren, führten zum Aufstand des Adels und stärkte damit den Einfluss Russlands noch weiter.

Der 1764 gewählte König Stanislaw August Poniatowski galt als pro-russisch. Das hinderte ihn nicht, Reformen in Angriff zu nehmen und das Einstimmigkeitsprinzip durch Mehrheitsentscheidungen zu ersetzen, was Katharina II. missfiel und durch Ausnutzung des alten Einstimmigkeitssystems brachial unterband. Wenn sie die Reformbestrebungen Polens nachhaltig einschränken und ihre Dominanz über Polen ohne Krieg bewahren wollte, war sie auf die Unterstützung der an Polen angrenzenden Großmächte Österreich und Preußen angewiesen. Es traf sich gut, dass Friedrich II. von Preußen nach dem siebenjährigen Krieg über Wege nachdachte, eine Landverbindung von Preußen nach Brandenburg zu finden, wobei ihm das polnische Preußen Königlichen Anteils im Wege war. Preußen unterstützte zunächst die Wahl des russischen Wunschkandidaten Poniatiwski 1764 zum polnischen König und verstärkte seine diplomatischen Avancen in Russland, um Katharina II. für eine Gebietskompensation durch Teile Polens zu gewinnen. Das ging aber nicht ohne Rücksicht auf die Großmacht Österreich. Schließlich waren sich die drei machtbewussten Nachbarn einig, sich Teile des schwachen Staates Polen einzuverleiben. Am 5. August 1772 wurde der Teilungsvertrag zwischen Preußen, Russland und Österreich in St. Petersburg unterzeichnet. Preußen erhielt das Preußen Königlichen Anteils einschließlich des Ermlands ohne die Städte Danzig und Thorn sowie den Netzedistrikt und Friedrich II. wurde zum König "von" Preußen, Russland erhielt Polnisch-Livland sowie die weißrussischen Gebiete bis zur Düna und hatte die Reformbestrebungen in Polen erfolgreich gebannt, und Österreich sicherte sich das galizische Territorium mit Teilen Kleinpolens sowie Ruthenien mit der Stadt Lemberg.

Das war aber noch nicht das Ende. 1793 annektierten Russland und Preußen weitere Gebietsteile Polens und 1795 wurde das Territorium Polens gänzlich unter seinen drei Nachbarn verteilt. Über 120 Jahre lang war nun Polen danach von der Landkarte verschwunden.

 
 
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