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Erinnerung an den Philosophen und sozialistischen Dissidenten Wolfgang Harich aus Königsberg

10.12.2017

Wolfgang Harich (9. 12. 1923 – 15. 3. 1995), geboren in Königsberg in dem bürgerlichen Haus des Literaturhistorikers und Schriftstellers Walther Harich (30. 1. 1888 – 14. 12. 1931) aus Mohrungen (Herausgeber der gesammelten Werke von E.T.A. Hoffmann und Autor von Novellen und Romanen), der 1923 die Tochter des Herausgebers der Königsberger Allgemeinen Zeitung AlexanderWyneken geheiratet hatte.. Die Familie zog am 31. 1. 1926 von Königsberg nach Neuruppin um, wo man in einer komfortablen Villa am See wohnte. 1941 Übersiedlung nach Berlin Wilmersdorf, 1942 Einberufung zum Militärdienst, wo er sich wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe eine Bestrafung einhandelte. Vom Militär desertierte Harich 1944 und lebte weiter illegal in Berlin. In dieser Zeit knüpfte er Kontakte zum kommunistischen Untergrund und entwickelte sich zum gläubigen Kommunisten, opponierte gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Krieg wurde er Sekretär beim Präsidenten der Kunstkammer und Theaterrezensent. Nach einer Ohrfeige, die Käthe Dorsch ihm wegen einer harschen Kritik an ihrem Auftreten verpasste, galt er als Enfant Terrible der Kunstszene. Er wohnte Im Dol 56, wo sämtliche Wände mit Sprüchen bemalt waren, zog aber mit dem Aufziehen des Kalten Krieges 1948/49 nach Groß Glienicke um. 1951 anvancierte er zum Dozenten für Philosophiegeschichte an der Humboldt-Universität, wobei er ein besonderer Verfechter der Erkenntnisse des ungarischen Philosophen Lukasz wurde. Nach massiven Auseinandersetzungen mit der Partei um die Lehren von Hegel wechselte er als stellvertretender Lektor in den Aufbauverlag, der von Walter Janka geleitet wurde. In dieser Zeit erarbeitete er ein Programm zur systemimmanenten Veränderung der DDR und zur sozialistischen Vereinigung Deutschlands. In diesem Zusammenhang führte er 1956 ein Gespräch mit dem sowjetischen Botschafter Puschkin, bei dem er den Vorschlag machte, Ulbricht zu ersetzen. Für dieses Ansinnen holte er sich eine Abfuhr und der Botschafter informierte Ulbricht. Nach der Niederschlagung des Aufstands in Ungarn wurde Harich von Ulbricht nachdrücklich verwarnt, seitdem observiert und im November 1956 verhaftet. Nach einer Zeit in Untersuchungshaft macht man ihm 1957 den Prozeß als Konterrevolutionär und verurteilte ihn zu 10 Jahren Gefängnis, wovon er 8 Jahre absaß. Bemerkenswert war, dass er sich bei der Stasi für seine „Schutzhaft“ öffentlich bedankte. Danach erhielt er Berufsverbot und arbeitete als freier Wissenschaftler auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Zukunftsforschung, auch im Ausland. Nach der Wende erfolgte seine Rehabilitation und er trat in die PDS ein.

Harich hat über Herder promoviert und sich auch in sonstigen Veröffentlichungen mit diesem Philosophen und Schriftsteller befasst. Immerhin stammte sein Großvater väterlicherseits, der Druckereibesitzer Ernst Harich (1858 – 1940), aus Mohrungen. Im Auftrag von Johannes R. Becher unternahm er 1952 eine Vortragsreise über das Erbe Herders durch die Bundesrepublik, um die an Philosophie und Literatur interessierten westlichen Intellektuellen zu einer gesamtdeutschen Ehrung in Weimar anlässlich von Herders 150. Todestag 1953 zu bewegen.

 
 
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