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Die Integration der Philipponen in Ostpreußen

05.02.2018

Als das Große Moskauer Konzil 1666/67 unter der Leitung des Moskauer Patriarchen Nicon eine veränderte Liturgie und Änderungen an der altslawischen Bibel beschloß, war dies der letzte Anstoß für eine Gruppe von Gläubigen, sich von der etablierten griechisch-orthodoxen Glaubensrichtung abzuspalten. Die Sektierer wollten an der bisherigen, ihrer Meinung nach unverfälschten Bibelübersetzung festhalten und sich die von alters her verwendeten Gebets- und Gesangsbücher nicht nehmen lassen

Da ihnen das Althergebrachte, Unverfälschte so sehr am Herzen lag, nannte man sie die „staroweczi“ oder „Altgläubigen“. Sie selbst bezeichneten sich als „Philipponen“, abgeleitet vom Namen ihres ersten Oberhaupts Philip Pustoswiat. Als Sekte mit sehr extremen Grundsätzen wurden sie in den Jahrhunderten streng verfolgt. Einige der im 18. Jh. in Rußland Verfolgten wanderten nach Polen aus. Mit der dritten Teilung Polens kamen sie jedoch wieder unter russische Herrschaft. Um sich erneuten Verfolgungen zu entziehen, entschlossen sich die Altgläubigen, nach Preußen zu übersiedeln, wo man ihnen mit Toleranz begegnete. Sie kamen um 1824 aus dem Gebiet von Suwalki und Sejny, später aus dem fernen Rußland und sie lebten zunächst als geschätzte Waldarbeiter in der Johannisburger Heide. Die endgültige Erlaubnis zur Ansiedlung erhielten sie 1825 unter der Bedingung, dass sie nur unkultiviertes Land erwerben durften. Der Forstmeister Eckert, der sie amtlich betreute, betrieb ab 1829 ihre Ansiedlung im Gebiet der Krutinna.

Die etwa 500 nach Ostpreußen eingewanderten Philipponen verweigerten aufgrund ihres Bekenntnisses die Annahme eines Familiennamens. Auch andere kirchliche Gebräuche und Institutionen lehnten sie ab. So akzeptierten sie keinen Popen, weil sie die Priesterweihe ablehnten. Stattdessen versah bei ihnen der Staryk, ein gewählter Ältester, den Gottesdienst, indem er aus dem Evangelium vorlas, vorbetete und Psalmen sang. Als Sakramente gab es nur Taufe und Beichte, es gab keine Einsegnungen, keine Trauungen, kein Abendmahl, keine Eidesleistung, weder Theater noch Tabak, Kaffee oder Medizin und der Militärdienst wurde verweigert. Ein junger Mann durfte erst nach Vollendung des 20. Lebensjahrs einen Hausstand gründen, wobei die Lebensgefährtin den Vornamen des Mannes annahm, weil es ja einen Familiennamen nicht gab.

Das alles wollten viele Ostpreußen nicht hinnehmen. Es gab heftige Konflikte, und in Folge mangelhafter Integration betrank sich so mancher Altgläubige und randalierte, suchte Händel mit den Nachbarn, stahl Fische und Holz. Mit der Zeit aber fand man Kompromisse für das gesellschaftliche Zusammenleben mit den Philipponen. Sie assimilierten sich Schritt für Schritt und wurden geschätzte Mitbürger. Die Preußen haben das mit viel Geduld geschafft. Solche Integrationsanforderungen sollten wir Bundesdeutschen heute auch bewältigen.

 
 
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