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Der Schauspieler Erwin Geschonneck

13.03.2018

Erwin Geschonneck (27. 12. 1906 – 12. 3. 2008) wurde in der Kreisstadt Bartenstein als Sohn eines Schusters geboren. Allerdings lebte er nur 2 Jahre in seiner Geburtsstadt. Aufgewachsen ist er im Berliner Armenviertel in der Ackerstraße nahe dem Alexanderplatz. Einen Beruf erlernte er nicht. Der Jung-Kommunist, der Schauspieler werden wollte, trat 1929 der KPD bei und spielte in kommunistischen Laienspiel-, Agitprop- und Kabarettgruppen. In dem Film «Kuhle Wampe» (Buch: Bertolt Brecht) bekam er 1931 seine erste Komparsenrolle. 1933 flüchtete er über Polen und die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Der Stalinsche Terror vertrieb ihn 1938 aus der Sowjetunion nach Prag, wo er 1939 der Gestapo in die Hände fiel. Während der Nazi-Herrschaft war Geschonneck sechs Jahre lang in mehreren Konzentrationslagern – in Sachsenhausen, Dachau und Neuengamme - eingesperrt. Am 3. Mai 1945 gehörte er zu den wenigen Geretteten, die den Untergang des mit mehreren Tausend KZ-Häftlingen beladenen und von britischen Flugzeugen versenkten Schiffes „Cap Arcona” in der Lübecker Bucht überlebten.

Nach dem Krieg holte ihn Ida Ehre 1945 an die Hamburger Kammerspiele, 1949 folgte er dem Ruf von Helene Weigel und Bert Brecht ans Berliner Ensemble. Dort brillierte er als Matti in Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti», auch als Don Juan in Molières gleichnamigen Stück. Der Film faszinierte ihn immer mehr und er begann eine Karriere als Filmschauspieler bei der DEFA. Dabei schied er im Streit vom Berliner Ensemble, als Brecht seine Filmleidenschaft nicht akzeptierte. "Der Biberpelz" (1949) in der Regie von Erich Engel war sein erster Defa-Streifen. In mehr als 100 Filmen und Fernsehstücken faszinierte er Millionen ostdeutscher Zuschauer. 1961 wurde er mit seiner Rolle als KZ-Lagerältester Krämer in «Nackt unter Wölfen» von Frank Beyer endgültig berühmt. Als KZ-Häftling in Buchenwald bot er der SS mutig und einfallsreich die Stirn und brachte so einen Teil der eigenen Lebensgeschichte ein. Filme wie «Karbid und Sauerampfer» (1963), eine der besten Defa-Komödien, «Ein Lord am Alexanderplatz» (1967), «Jakob der Lügner» (1974) und «Bankett für Achilles» (1975) brachten auch internationalen Ruhm. "Jakob, der Lügner" wurde der einzige für den Oscar nominierte Defa-Film überhaupt. Erst 40 Jahre nach seiner Zeit bei Brecht sollte er auf die Bühne am Schiffbauerdamm noch einmal zurückkehren: Heiner Müller gewann ihn für die Inszenierung "Duell Traktor Fatzer". Einen seiner letzten Auftritte als Schauspieler hatte er 1995 in „Matulla und Busch”, einem Fernsehfilm in der Regie seines Sohnes Matti Geschonneck.

Geschonneck, seit 1949 Mitglied der SED, wurde von der DDR-Führung mit Auszeichnungen überhäuft, aber auch nach der Wende geehrt. Er war 6-mal DDR-Nationalpreisträger, erhielt den Bundesfilmpreis 1993 und die Goldene Henne 1997. Zuletzt lebte er in fünfter Ehe mit seiner 40 Jahre jüngeren Frau Heike in Berlin. Er hat drei Kinder - Matti, Alexander und Fina, jeweils von anderen Müttern. Sein letzter Wunsch war es, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte nahe bei Brecht seine letzte Ruhe zu finden.

 
 
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