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Erinnerung an den Historiker Hans Rothfels

13.04.2018

Hans Rothfels (12. 4. 1891 – 22. 6. 1976) wurde in Kassel als Sohn des jüdischen Rechtsanwalts und Notars Max Rothfels geboren, Er konvertierte zum Protestantismus und studierte in Heidelberg und in Freiburg bei Friedrich Meinecke, seinem Vorbild und sein Förderer. Promotion mit einer Arbeit über Clausewitz bei Hermann Oncken. Als Kriegsfreiwilliger nahm er am 1. Weltkrieg teil und verlor bei einem Reitunfall ein Bein. Habilitation bei Friedrich Meinecke. Anstellung am Reichsarchiv in Potsdam. Nach zwei Jahren als Privatdozent erhielt er den Ruf nach Königsberg. Hier lehrte er von 1926 bis 1934, als er wegen seiner jüdischen Herkunft durch Zwangsemeritierung im März 1935 seinen Lehrstuhl verlor. Bis 1938 konnte er im preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin Quellenstudien betreiben. 1939 entkam er gerade noch ins Ausland. Seit 1940 lehrte er als Gastprofessor an der Brown University in Providence, USA; 1946 erhielt er einen Ruf an die renommierte Universität von Chicago. Hier schrieb er sein wohl bekanntestes Buch „Die deutsche Opposition gegen Hitler“, das im Frühjahr 1948 auf Englisch und bereits ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschien. 1950 nahm er einen Ruf der Universität Tübingen an und 1951 kehrte er ganz nach Deutschland zurück, wo er mit seiner moralischen Autorität erheblich zur Rehabilitierung der Geschichtswissenschaft in Deutschland beitrug. Er galt als stark konservativ und antikommunistisch und war Mitglied der wissenschaftlichen Kommission für die Dokumentation der Vertreibung der Deutschen in den 1950er Jahren, Mitbegründer des Instituts für Zeitgeschichte in München und Mitherausgeber der renommierten Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.[1] Einer seiner bekannten Schüler ist der Königsberger Heinrich August Winkler. Sein Geschichtsbild wurde stark geprägt von den Bestimmungen des Friedens von Versailles, dessen Festlegung der alleinigen deutschen Kriegsschuld er wie viele seiner Zeitgenossen als zutiefst ungerecht empfand.

In jüngerer Zeit wurde Hans Rothfels zum Gegenstand einer geschichtswissenschaftlichen Kontroverse. Im Kern ging es darum, inwieweit er als deutschnationaler Historiker zu seiner Königsberger Zeit einer Politik das Wort geredet hat, die sich später nahtlos in die NS-Ideologie einfügte. So empfindet es zum Beispiel Heinrich August Winkler als „zutiefst irritierend“, dass Rothfels, wie aus der Veröffentlichung eines Briefwechsels bekannt geworden ist, „beim zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl 1932 offenkundig für Hitler gestimmt" habe.[2]

Wenn es so war, und an dem Beleg besteht sicher kein Zweifel, zeigt das vielmehr, wie stark der Demagoge Hitler viele seiner Zeitgenossen zu betören verstand. Selbst ein intellektueller Jude wie Rothfels ging ihm auf den Leim, wie auch die führenden konservativen Politikern um Hugenberg und von Papen. Dahinter steckt neben der Empörung über den durch die Sieger von Hass geprägten Friedensvertrag von Versailles auch das Unbehagen über das Chaos der Weimarer Demokratie, die heute gerne als heile Welt dargestellt wird. Und es ist weiterhin gar nicht so verwunderlich, dass der greise und vielleicht schon etwas senile Reichspräsident von Hindenburg entgegen seinem Bauchgefühl den „böhmischen Gefreiten“ zum Reichskanzler ernannte. Die heftigen Kritiker dieser Entscheidung des Reichspräsidenten in unserer Zeit sind deshalb nicht sehr überzeugend.



[1] Manthey, Königsberg, S. 657 f[2] Aus Die Zeit, 19. 1. 2006; siehe auch Dr. Iselin Gundermann, Hans Rothfels +, Königsberger Bürgerbrief XIII 1977, S. 22
[2] Wikipedia

 
 
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