Ostpreußen

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Westlich von Gaffken, an der Bernsteinküste, befand sich das kleine und beschauliche Littausdorf. Es wurde bereits 1540 als Littmansdorf erwähnt, hieß u. a. später Litthauischdorf und zuletzt Littausdorf. Nach dem 2. Weltkrieg musste es leider einem sowjetischen Panzerübungsplatz weichen, so dass nichts mehr an seine Existenz erinnert.

Interessant ist jedoch, dass man hier zu Beginn des 20. Jhs. einen umfangreichen Fund vorzeitlicher Bronzegegenstände fand. Das Samland weist ohnehin eine große Anzahl von Funden speziell aus der späten Bronzezeit auf. Der Schatz von Littausdorf gehört dazu. Er enthielt 118 Objekte: Sicheln, Speerspitzen, gesockelten Kelten,(?) und Armbänder. Einige waren gebrochen, einige defekt.

Heinrich Lutz aus Littausdorf hat eine schöne Jugendzeit in seinem Heimatdorf verlebt und erzählt davon[1]: “Der Winter an der See hatte seine besonderen Vergnügen.Eines davon war das Herumsausen mit dem „Krengelschlitten“ auf dem zugefrorenen Teich, der etwas außerhalb von Littausdorf lag. Dort wurde dann ein Eiskarussel gebaut, indem man einen Pfahl in dem Teichboden verankerte und daran über der Eisfläche wagerecht eine stabile Stange anbrachte, die man landläufig „Ricke“ nannte, die aber auch als Segelstange brauchbar war. An dieser befestigte man ein starkes Tau oder eine Eisenkette, an der sich die Schlittenfahrer anhängen konnten. Die wagerechte Stange wurde von kräftigen Burschen um den Pfahl herum geschoben, so dass die angehängten Schlitten je nach Schnelligkeit der Schieber im Kreise herumsausten. Wobei der äußerste Schlitten die schnellste Fahrt aufnahm und die Besatzung oft in hohem Bogen von ihrem Gefährt geschleudert wurden.”

” Um ein Taschengeld zu haben, gab es noch das Bernstein sammeln. Großvater Carl Lutz hatte dafür zwei Berechtigungsscheine zum Sammeln gekauft, einen für sich und einen für seine Söhne. Der Fund wurde dann gegen Bezahlung abgeliefert. Erfinderisch, wie Kinder nun mal sind, wanderten größere Steine in einen Extra-Brustbeutel, von dem der Vater nichts zu wissen brauchte. So konnte man auch zu einem bescheidenen Etat kommen, um sich kleine oder auch größere Wünsche zu erfüllen.”

Urkundlich erwähnt wurde “Gudeniten” bzw. Godnicken, nördlich von Gaffken, erstmals in einer Urkunde von 1405. Der Name soll sich beziehen auf den prußischen Begriff für Busch = Gudde. Um 1905 gab es in Godnicken 17 Haushaltungen mit 98 Einwohnern. Danach muss es einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung gegeben haben, denn 1938 zählte man fast 800 Einwohner. Der Ort besaß einen Anschlus an die Eisenbahnlinie Fischhausen – Palmnicken, die der Bernstein-Unternehmer Moritz Becker 1875 mit seinem Geld anlegen ließ und demzufolge verfügte Godnicken über einen Bahnhof. Seit etwa 1910 gab es eine Meierei. Heute existiert das Dorf noch und wird von Russen bewohnt – in welchem Ausmaß ist nicht bekannt.[2]

Zur Gemeinde Godnicken gehörte das Gut Gauten mit dem Vorwerk Mellies, das lt. Güterverzeichnis von 1907 dem Freiherrn Ludolf v. König gehörte,[3]

In Corjeiten fand man ebenfalls prähistorische Gräber und etliche Grabbeigaben, so einen Friedhof der Dollkein-Kovrovo-Kultur sowie einen Friedhof am Fuße von Königs Berg. Die intensive Suche nach Altertümern in dieser Gegend begann 1878 mit Max Werdermann, Gutsherr auf Corjeiten, der Mitglied der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft in Königsberg war. Auf seiner Feldmark hatte er zwei Urnen, eine Eisenschnalle, ein zerstörtes Eisenmesser und eine Bronzekette sowie weitere Dinge aus der Eisenzeit gefunden, die zu dem Urnenfriedhof in Corjeiten gehörten und die er der Prussia Gesellschaft übergab. Auf dem Gebiet von Corjeiten und Gauten hat sich eine neue Gemeinde etabliert: Putilovo.[4]


[1] Heinrich Lutz in Die ehrlichen Finder von Littausdorf; übersandt von Erika Wetzel
[2] Hans-Georg Klemm, Erinnerung an Godnicken, Unser schönes Samland, Herbst 2013, S. 34 f
[3] Hans-Georg Klemm, Vergessene und verschwundene Orte,Unser schönes Samland, Herbst 2019, S. 43
[4] Agata Chiliska-Drapella, Unbekannte Friedhöfe in Corjeiten / Putilovo auf der Halbinsel Samland, in BOGENHAEOLOGIE DER BALTIK, Nestor-Historia Moskau Sankt Petersburg 2013, S. 49 ff

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