Ostpreußen

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Salskoe – Sankt Lorenz

Die Gegend von St. Lorenz und Pobethen, genannt das Land „Beten“ und der angrenzende Gau „Pobeten“, mit einem obersten Priestersitz war vermutlich das Zentrum des prußischen Widerstandsgegen den Orden, bevor diesem in einer für den Orden siegreichen Schlacht in den 1260er Jahren – vielleicht 1264 oder 1267 – ein Ende bereitet wurde. Nachdem die Eroberer die Wohnstätten zerstört und die Überlebenden in andere Gebiete umgesiedelt hatten, tat sich der Orden mit einer Neubesiedlung sehr schwer. Es gab dabei erhebliche Anstrengungen, Sudauer und auch Litauer ansässig zu machen, denen man sogar Sonderrechte einräumte, was daran zu erkennen war, dass man gerade in den Kirchspielen von Sankt Lorenz und Pobethen köllmischen Besitz besonders häufig antraf. Im Gegensatz zu den prußischen Freien konnten die köllmischen Siedlern unbeschränkt über ihren Besitz verfügen, man gewährte ihnen Jagd- und Mühlenrechte sowie ein Anrecht auf Holz aus den Landesforsten und befreite sie von den bäuerlichen Spanndiensten. Dennoch blieb dieser Bereich Ostpreußens über Jahrhunderte sehr wenig bewohnt, zumal man in späteren Zeiten die Vorrechte auch wieder stark beschnitt. Als Relikt aus prußischer Zeit stößt man in der ganzen Gegend auf etliche prußische Gräberfelder.

Der Name des Ortes leitet sich ab von dem Heiligen Laurentius, der zur Zeit des römischen Kaisers Decius im Jahr 258 als treuer Archidiakon seinem hingerichteten Papst Sixtus II. nach eigenen Folterqualen in den Tod gefolgt war.

Zunächst entstanden in St. Lorenz um 1450 die Kirche mit dem Anwesen des Pfarrers sowie dasVorwerk eines Gutes mit Brauerei und Krug. Nachdem die Kirche vollendet war, setzte wesentlich später die Besiedlung durch die Landbevölkerung ein.

Schwere Verluste an Menschen hatte man in der Zeit der Großen Pest 1709/11 zu beklagen, denn es starben mit Pfarrer, Glöckner und Lehrer sämtliche Kirchenbeamte des Ortes und dazu noch etliche der wenigen Einwohner.

Eine Kirchenschule gab es hier seit etwa 1700. Der Organist, gleichzeitig Lehrer, hatte im Winter 20 Kinder, im Sommer 10 Kinder. Das Gebäude der Schule war jedoch um 1735 baufällig. Es wurde dann wohl neu gebaut, wobei der nebenstehende Grundrißentwurf die Leitlinie vorgab.[2] Ein neues Schulgebäude gab es seit 1874. Dieses wurde 1926 zu einer dreiklassigen Schule umgebaut. Diese Schule neben dem Kirchengelände wurde nach 1945 noch als Schule genutzt, später jedoch in ein Wohnhaus für mehrere Familien verändert. Es zeigte 2009 erhebliche Zeichen des Verfalls. Neben zahlreichen kleineren landwirtschaftlichen Betrieben gab es die Güter von Lehmann in einer Größe von knapp 300 ha zuzüglich des gepachteten Kirchenlandes von 82 ha sowie das Gut von Wormit mit ca. 200 ha.

Zunächst stand eine Kapelle aus dem 14. Jh. auf der Steilküste über der Ostsee, die später als östlicher Abschnitt in einen Erweiterungsbau integriert wurde. Dieses war dann eine Feldsteinkircheohne Chor mit Ecken aus Backstein, errichtet 1450 auf Betreiben des Kirchenvorstehers Klausgall, und wurde dem Schutzpatron der Seefahrer, dem hl. Laurentius, geweiht.

1609 stürzten die Gewölbe ein, die man danach durch eine flache Holzdecke ersetzte. Der Turm von 1586 war der Königsberger Kaufmannschaft ein willkommenes Seezeichen für die anlandenden Schiffe und wurde deshalb von ihr instand gehalten, bis 1709 die Brüsterorter Baaken die Orientierung für die Seeleute ersetzte. In den folgenden Jahrzehnten verfiel der Turm wegen mangelnder Pflege und wurde 1767 teilweise abgebrochen. Erst 1905/06 erneuerte ihn die Gemeinde nach dem Vorbild des Kirchturms in Neuhausen. 1771 – 1773 verlängerte man das Kirchenschiff ein weiteres Mal um 2 Achsen nach Westen.

Das Pfarrhaus wurde 1893/94 neu gebaut. Es war von prächtigen Linden umstanden.

An einem Sonntag im März 1945 erklang in der vollbesetzten Kirche letzmalig die Orgel. Tags darauf zerstörte ein Blindgänger die Orgel. Die Kirche kam dennoch unversehrt über den 2. Weltkrieg, wurde der Kolchose Salskoje zugesprochen und dann wie vielfach üblich als Lagerhalle genutzt. Mangels Wartung verfiel sie seit den 1970er Jahren. Im nächsten Jahrzehnt baute man den oberen Teil des Turms ab, das Dach fiel zusammen. 1993 stürzte der Westgiebel ein, der schöne blendenverzierte Ostgiebel stand noch. Die Ausstattung wurde natürlich vernichtet, wobei insbesondere der Verlust des Altaraufsatzes von 1684 schmerzlich ist. 1999 verkaufte die Kolchose die alte Ordenskirche für 40 Kopeken/Backstein (= ca. 3 Pfennige) und damit dürften alle Spuren beseitigt sein. Bis auf den Ostgiebel und Fragmente des Turms ist die Kirche heute zerstört.

Von 1831 bis 1847 war Dr. Karl Emil Gebauer Pfarrer in St.Lorenz. Er war der Sohn des Oberförsters Johann-Gottlieb Gebauer in Warnicken, dessen Denkmal inzwischen abgestürzt war. Der Sohn tat sich auch als Landeshistoriker und Schriftsteller hervor. Vorher war er Pfarrer in Mehlsack und anchließend bis zu seinem Tod 1883 Pfarrer in Medenau.

Herr Hartmut Talke hat sich intensiv mit dem russischen Namen des Ortes befasst, den wir zunächst mit Njemetzkij Schanssk angegeben hatten. Der ist aber wohl falsch, wie Herr Talke ausführt: ” bezüglich des russischen Namens von St. Lorenz/Samland möchte ich einige Argumente für den bisherigen Namen – Salskoe (in unterschiedlichster Schreibweise, zB auch Sal`skoe) – anführen, die vielleicht eine Korrektur des im Ostpreussen.net genannten russischen Namens Njemetzkij Schanssk herbeiführen können. Ich habe darauf schon einmal hingewiesen, füge jetzt aber einige Quellen bei, die für die Richtigkeit des russischen Namens Salskoe, wie ihn das Ostpreussen.net auch früher führte, sprechen können.” Da Sankt Lorenz ein Ursprungsort eines Teils seiner Familie war und er daher großes Interesse an der heutigen Benennung des Ortes hat, wird er die russische Ortsbezeichnung richtig genannt haben.[1]



[1] h.talke@t-online.de – Hartmut und Gisela Talke, 5. 3. 2012
[2] Unser schönes Samland, Herbst 2009, S. 36

Literatur zu Sankt Lorenz und zum Samland
  • Kunde des Samlandes oder Geschichte und topographisch-statistisches Bild der ostpreußischen Landschaft Samland
    Autor / Hrsg.: Gebauer, Karl Emil
    Verlagsort: Königsberg 1844
    Verlag: Univ.-Buchh
    Das Buch ist abrufbar unter:
    http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10012997-8.
  • Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreussen, nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt von Agathon Harnoch, evangelischem Pfarrer zu Muschaken und geistlichem Beisitzer der Synode Neidenburg. Neidenburg. Druck und Verlag von S. Nipkow 1890
    Das Buch ist abrufbar unter
    http://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/dlibra/doccontent?id=7975&dirids=1
  • Walter Hubatsch
    Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens
    II Bilder ostpreußischer Kirchen
    Bearbeitet von Iselin Gundermann
    Göttingen – Vandenhoeck&Rupprecht 1968
  • Oscar Schlicht: Das westliche Samland (1920)
    ISBN 3-631-38980-9
    Darin ausführliches Kapitel über die Geschichte der Kirche von St.Lorenz
  • Vergessene Kultur. Kirchen in Nord-Ostpreußen. Eine Dokumentation
    Anatolij Bachtin (Autor), Gerhard Doliesen (Autor)
    Verlag: Husum; 2000(Nachdruck)
    ISBN-10: 3880428492 + ISBN-13: 978-3880428492)
  • Siehe auch Kartenmeister http://www.kartenmeister.com/preview/html/deutsch.html (für die Eingabe Sankt(!, nicht St.) Lorenz)

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