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Geschichte von Lidzbark-Warminski – Heilsberg

Die Stadt Heilsberg war von 1350 – 1795 die Residenzstadt der ermländischen Bischöfe und bis 1772 die Hauptstadt des Ermlands. Die Bischofsburg an der Alle (Lyna) ist auch noch heute ein Höhepunkt im Stadtbild.

Den günstigen Standort zwischen der Alle (Lyna) und der hier einmündenden Simser (Symsarna) nutzten schon die Prußen für die Anlage einer Wehreinrichtung, dem Bollwerk „Licbark“. Der Orden errichtete an dieser Stelle 1241 eine Burg aus Holz, welche bald danach in den weltlichen Besitz des Bischofs überging. Allerdings wurde sie in den nachfolgenden Jahrzehnten des großen Prußenaufstands mehrfach angegriffen und zerstört, jedoch letztlich 1273 unter Konrad von Thierberg zurückerobert.

Nach dem endgültigen Sieg über die Prußen konnte sich neben der Burg eine Siedlung entwickeln und fand dafür besonders gute Voraussetzungen: die hauptsächliche Handelsroute von Königsberg nach Warschau fand hier ihren Weg über den Fluss, das umliegende Land gehörte zu den fruchtbarsten Regionen des Ermlands und es war genügend Wasser vorhanden, das für die Anlage von Mühlen – einer wesentlichen Einnahmequelle des Landesherrn in jener Zeit – und zur Füllung von Wassergräben für die Verteidigung genutzt werden konnte. Die ehemalige Burgmühle an der Einmündung der Simser stand, wenn auch verschiedentlich umgebaut, bis 1914, als sie abbrannte und durch einen Neubau mit Ähnlichkeiten ersetzt wurde

Eine erste urkundliche Erwähnung fand der Ort Heilsberg 1294. Bischof Eberhard von Neiße (1301 – 1326) ernannte seinen Verwandten Johannes – Ehemann seiner Nichte – aus dem Dorf Köln bei Brieg im mittleren Schlesien zum Lokator und stellte für die von diesem gegründete Siedlung am 12. 8. 1308 die Handfeste aus. Die ersten Einwohner kamen vorwiegend aus der Heimat des Kolonisators und seines Bischofs – Schlesien, und diese Verbindung nach Schlesien hielt sich noch lange: man sprach in Heilsberg bis 1945 das “Breslauische”.

Nachdem die Aufteilung des weltlichen Kirchenlandes auch zwischen Bischof und Kapitel geregelt war, legte Bischof Johann I. von Meißen (1350 – 1355) die Burg neben der prosperierenden Siedlung Heilsberg, die in etwa im geografischen Zentrum des Ermlands liegt, endgültig als Sitz des Bischofs fest. Bis 1357 war die Stadtbefestigung angelegt, bis 1360 eine Wasserleitung gelegt.

Nach der Schlacht von Tannenberg 1410 wohnte Heinrich von Plauen 1411 – 1413 im Schloss von Heilsberg. Im Städtekrieg (1454 – 1466) nahm das Ermland die Partei des polnischen Königs. Das Bischofsschloss war in dieser Zeit Sitz des oppositionellen Ausschusses der ermländischen Ritterschaft.

Am 23.04.1497 und erneut 1522 vernichtete ein großer Brand Teile der Stadt, so auch das Rathaus, das bis 1528 aber wieder aufgebaut war. 1586 ließen sich die Katharinerinnen in Heilsberg nieder und gründeten ein Kloster.

Während des Reiterkriegs versuchten 1520 die herzoglichen Preußen, Heilsberg einzunehmen, aber vergeblich. Bei einem Artillerieangriff wurde dabei der nördliche Teil der Wehranlagen zerstört und einige Kugeln findet man immer noch in der westlichen Wand des Hohen Tors.

Nachdem das Ermland bei der ersten polnischen Teilung 1772 zu Preußen kam und der letzte Fürstbischof Ignatius Krasicki (1766 – 1795) zum Erzbischof von Gnesen ernannt worden und fortgezogen war, stand die Burg leer und begann zu verfallen.

Der Nachfolger auf dem Bischofsstuhl war der katholische Graf Johann Karl von Hohenzollern-Hechingen (1732 – 1803). Er diente Friedrich II. im siebenjährigen Krieg als Oberstleutnant, wurde dann Koadjutor des Bischofs von Kulm und schließlich 1795 der erste deutsche Bischof des Ermlands seit dem 16. Jh. Er verlegte den Sitz der Bischöfe nach Oliva und führte dort eine aufwendige Hofhaltung. Als er 1803 starb, hinterließ er einen Schuldenberg in Höhe von 42.000 Talern, den die Kasse des Bistums zu begleichen hatte. Deshalb ließ das Domkapitel den Bischofsstuhl 5 Jahre lang unbesetzt, bis durch die Einsparung der Dotationen die Schulden kompensiert waren, und wählte dann den Neffen Joseph von Hohenzollern 1808 zum neuen Bischof, der bis 1836 der Diözese vorstand. Allerdings wurde Kloster Oliva auf Betreiben von Oberpräsident Theodor von Schön 1831 säkularisiert, aber Joseph v. Hohenzollern durfte bis zu seinem Tod 1836 das neben der Kirche stehende Abtschloss bewohnen.

Am 10. und 11. Juni 1807 fand bei Heilsberg eine der bekannteren Schlachten der napoleonischen Zeit statt. Der russische Oberbefehlshaber Benningsen griff von Heilsberg aus die bei Guttstadt konzentrierten Franzosen an. General Ney konnte die Russen an der Passarge stoppen und trieb sie nach Heilsberg zurück. Die französische Kavallerie unter Murat setzte zum Gegenangriff an, stieß aber auf heftigen Widerstand der Russen. Am Abend des 10. Juni hatten die Franzosen 12.000, die Russen 9.000 Mann verloren. Am nächsten Tag zogen sich die Russen nach Bartenstein zurück und die Franzosen waren über ihren Erfolg so stolz, dass Heilsberg als Ort eines Sieges auf dem Triumphbogen in Paris verewigt wurde.

Nach den Befreiungskriegen baute man 1817/18 die Wehranlagen – das Mühlentor, das Kirchentor und teilweise das Westtor, das dann fälschlicherweise als Hohes Tor bezeichnet wurde – sowie große Teile der Stadtmauern ab.

Heilsberg war seit 1818 Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. U. a. weil die Stadt sehr spät, erst 1899, an die Eisenbahnstrecke Zinten – Rothfließ angeschlossen wurde, Guttstadt aber 15 Jahre früher eine Station in der Strecke Allenstein – Königsberg erhielt, verlegte man vorübergehend von 1884 bis 1899 das Landratsamt nach Guttstadt. Danach folgten Eisenbahnverbindungen von Heilsberg nach Wormditt, nach Bischdorf und nach Bartenstein, so dass die Stadt sogar ein kleiner Bahnknotenpunkt wurde.

1912 errichtete man ein staatliches Gymnasium für Jungen, 1930 die katholische Volksschule auf dem Eckertsberg. IIm selben Jahr erhielt Heilsberg am nördlichen Stadtrand, etwa drei Ki8lometer nordwestlich an der Landstraße nach Preußisch-Eylau, den Großsender Heilsberg für das Programm Königsberg I des Ostpreußischen Rundfunks. Dieser verfügte zunächst über eine Vertikalreuse, die an einem Seil zwischen zwei 102 Meter hohen Holztürmen befestigt war und bestand ab 1935 aus einem Höhendipol auf einem der beiden auf 115 Meter erhöhten Holztürme.[4]

Nachdem durch den Versailler Vertrag Ostpreußen vom Reich abgetrennt wurde, waren neue Verteidigungskonzepte gefragt. Vor diesem Hintergrund ging man ab 1931 an die Anlage einer Befestigungslinie als Schutzstellung für Königsberg. Es war ein etwa dreieckiger Befestigungsgürtel aus Maschinengewehrbunkern, Panzersperren und Drahtverhauen um Königsberg herum – vom Kurischen Haff westlich der Deime in südlicher Richtung bis Tapiau, dann weiter bis westlich Bartenstein, nördlich von Heilsberg und westlich von Braunsberg bis an das Frische Haff. Da Heilsberg ungefähr vor der Spitze des Dreiecks lag, erhielt diese Verteidigungseinrichtung den Namen „Heilsberger Dreieck“. Als es im 2. Weltkrieg Ernst wurde mit dem Angriff auf Königsberg, bedeutete das Heilsberger Dreieck für die Rote Armee kaum ein Hindernis.

In Folge der nationalsozialistischen Aufrüstung verlegte man ab 1935 eine Garnison in die Stadt. Die Einwohnerzahl stieg bis 1939 auf fast 12.000 Personen.

Die Reichspogromnacht forderte in Heilsberg zwei Tote: das Ehepaar Julius und Hertha Seelig, das im Erdgeschoß der Synagoge wohnte, wurde vom Heilsberger SA-Sturmführer Franz Norgal im Bett überrascht und erschossen.Im Januar 1945 erobert die Rote Armee die Stadt und das ganze Kreisgebiet, das danach unter polnische Verwaltung gestellt wurde.

Am 30. 10. 1998 wurde die Johanniter-Sozialstation in Heilsberg feierlich eröffnet. Diese musste aber 2008 wieder geschlossen werden, weil die Forderungen, die die Gemeinde für den Betrieb gestellt hat, nicht erfüllt werden konnten. Die Allensteiner Nachrichten stellen dazu fest, das es der Gemeinde Heilsberg offenbar sehr gut geht[1]. Statt der Station dort wurde am 21. 10. 2008 eine Station der Johanniter in Orneta – Wormditt eröffnet.

1519 wurde der Dichter und Humanist Eustachius von Knobelsdorff in Heilsberg geboren.

Der Vater des Dichters und Kammergerichtsrats Ernst Wichert (1831 – 1902) war Gerichtsdirektor in Heilsberg.

Der seinerzeit berühmte Flugpionier und Weltrekordler Ferdinand Schulz, der am 16. Juni 1929 über dem Marktplatz von Stuhm tödlich verunglückt war, fand seine letzte Ruhestätte auf dem Waldfriedhof von Heilsberg. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn damals Flieger mit Trauerflor, die über der Stadt kreisten. Sein Grab ist erhalten und wird gepflegt. Der Gedenkstein für ihn zeigt ein Segelflugzeug im Gleitflug. In der Nähe steht auch der Gedenkstein für die ehemaligen Bewohner von Heilsberg, die hier nicht mehr ihre letzte Ruhe finden konnten.[2]

Eine ausführliche Dokumentation über Heilsberg mit vielen Bildern und Detailinformationen findet man unter http://www.heilsberg.org/seiten/geschichte-schloss.html

Neben der Kultur bietet Heilsberg auch Möglichkeiten für den Wintersport. Auf dem Kreuzberg (Krzyzowa Góra) gibt es zwei Tellerlifte und zwei Skipisten à 400 Meter und à 250 Meter.[3]


[1] Allensteiner Nachrichten, 24. 10. 2008
[2] Ruth Geede, Ostpreussische Familie, Oprbl. Nr. 20/2012 (19. Mai), S. 14
[3] Edyta Gladkowska, Eldorado für Wintersportler, Oprbl. Nr. 6/2013 (9. Februar), S. 13
[4] Brigitte Stramm, Weihnachten 1926 – Am Radio in der Stube in Piplin, von tohus, Dezember 2014, S. 44

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