Braunsberger Gestütsanlagen

Ein Landgestüt existierte in Braunsberg seit 1890. In den Landgestüten wurde keine Zucht betrieben, sondern sie fungierten als Hengstdepots für Pferde aus Trakehnen und von privaten Haltern. Von hier wurden Deckhengste, die so genannten Landbeschäler, auf Hengststationen in der ganzen Provinz verteilt, um die ländlichen Stuten zu decken und so die Trakehner Zucht zu verbreiten. Die edelsten Hengste kamen in das Hauptgestüt Trakehnen, wo sie zu Hauptbeschälern wurden.

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Ein Landgestüt existierte in Braunsberg seit 1890. In den Landgestüten wurde keine Zucht betrieben, sondern sie fungierten als Hengstdepots für Pferde aus Trakehnen und von privaten Haltern. Von hier wurden Deckhengste, die so genannten Landbeschäler, auf Hengststationen in der ganzen Provinz verteilt, um die ländlichen Stuten zu decken und so die Trakehner Zucht zu verbreiten. Die edelsten Hengste kamen in das Hauptgestüt Trakehnen, wo sie zu Hauptbeschälern wurden.

Teilweise wurden offenbar in Braunsberg Kaltblutpferde, die berühmten Ermländer, gezüchtet, aber hier standen vor allem 92 Warmbluthengste und darunter die ehemals weithin bekannten Hauptbeschäler Tempelhüter, Cancara und Pythagoras sowie der Tempelhüter-Sohn Thronhüter, bevor sie an ihren Geburtsort Trakehnen zurückkehrten. Siegfried Graf v. Lehndorff, von 1922 bis 1931 Leiter des Hauptgestüts in Trakehnen, war nach seiner Strafversetzung wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Berliner Vorgesetzten bis zu seiner Pensionierung 1934 Landstallmeister in Braunsberg.

Die Gebäude des Gestüts haben den Krieg unbeschadet überstanden. Statt der Hengste, die hier gehalten wurden, hat sich ein Reiterhof für die interessierten Bewohner Braunsbergs etabliert.

Das ostpreußische Kaltblutpferd ist ein kräftiges, zähes, tiefes, gut gebautes Pferd mit starken Knochen und reinen Gelenken, mit starker Bemuskelung und gut gestellten Beinen. Man unterschied in die Zuchtrichtungen "Schweres Zugpferd" und "Schwerstes Zugpferd". Schon der Deutsche Orden betrieb eine intensive Pferdezucht, um einerseits den Bauern gute Arbeitstiere und andererseits den Rittern in ihrer schweren Ritterrüstung kräftige Kriegsrosse zur Verfügung zu stellen. Um Ordnung und Transparenz in das Zuchtwesen für Kaltblutpferde zu bekommen, entschied man sich 1910/11 deutschlandweit, durch eine Körordnung die belgische bzw. rheinische Rasse als alleinige Basis für die weitere Entwicklung der Zucht festzulegen. Im Mai 1913 wurden die beiden bestehenden Kaltblutverbände aufgelöst und das „Ostpreußische Stutbuch für schwere Arbeitspferde“ ins Leben gerufen. Präsident wurde der Mitbegründer Dr. Born-Dommelkeim. Die alten Ermländer Stutenstämme bildeten eine der wichtigsten Grundlagen dieser neu organisierten Kaltblutzucht, und diese war nach dem 1. Weltkrieg schnell höchst erfolgreich. Bald gab es weit über 100 Hengsthaltungsgenossenschaften. Der Kaltbluthengsthalterverband wurde gegründet, um alle genehmigten öffentlichen Deckstellen zu überwachen, die Einhaltung der Zucht- und Deckvorschriften und das Führen der Decklisten zu kontrollieren etc. Die Pferde kamen nicht nur in Ostpreußen, sondern auch in anderen Teilen des Reichs und sogar bei der Wehrmacht zum Einsatz, weil sie sich für die Bespannung der schweren Artillerie als besonders geeignet erwiesen. Nach dem 2. Weltkrieg bemüht man sich, die Tradition der Ermländer Kaltblutpferde in Deutschland wieder zu beleben. Grundlage dafür sind noch erhaltene rassetypische Pferde aus dem alten Ostpreußen, die man aus Polen importiert.

 
 
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