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Burg und Amtsgut Pr. Eylau

Der Deutsche Orden errichtete um etwa 1325 - 1362 inmitten von Sümpfen und Teichen in Pr. Eylau eine Burg mit 4 Flügeln, im Osten davor eine ebenfalls im Viereck bebaute Vorburg, die sich ohne den üblichen Hausgraben unmittelbar an die Hauptburg anschloss. Die Speicher entstanden um 1325 – 1350. Die Anlage gehörte zu den kleineren Verwaltungsburgen. Von 1490 - 1512 war ein Heinrich Reuß von Plauen Pfleger und gleichzeitig Pfandgläubiger auf Lebenszeit von Pr. Eylau. Mit der Herzogszeit wurde die Burg als Sitz des Hauptamtes Pr. Eylau genutzt, war dafür aber eigentlich viel zu groß und verfiel immer mehr.

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Der Deutsche Orden errichtete um etwa 1325 - 1362 inmitten von Sümpfen und Teichen in Pr. Eylau eine Burg mit 4 Flügeln, im Osten davor eine ebenfalls im Viereck bebaute Vorburg, die sich ohne den üblichen Hausgraben unmittelbar an die Hauptburg anschloss. Die Speicher entstanden um 1325 – 1350. Die Anlage gehörte zu den kleineren Verwaltungsburgen. Von 1490 - 1512 war ein Heinrich Reuß von Plauen Pfleger und gleichzeitig Pfandgläubiger auf Lebenszeit von Pr. Eylau. Mit der Herzogszeit wurde die Burg als Sitz des Hauptamtes Pr. Eylau genutzt, war dafür aber eigentlich viel zu groß und verfiel immer mehr.

Zur Burg gehörte anfänglich ein Gut von 20 Hufen mit dem Vorwerks Gallehnen in einer Größe von 10 Hufen, das der Versorgung der "Amtsdiener", also der Burgbewohner diente. Die Landwirtschaftsfläche wurde 1525 auf 35 Hufen vergrößert und diente nun als Amtsgut der Versorgung des Amthauptmanns von Pr. Eylau. Dieses Amtsgut wurde nach Auflösung der Hauptämter 1752 „Kgl. Preußisches Domänenamt“ mit den Vorwerken Eichen, Gallehnen und Sardienen. Mit einer Fläche von über 500 ha wurde es noch vor 1800 in Erbpacht gegeben.

Während der Schlacht bei Pr. Eylau 1807 brannte das Ordensschloss aus. Noch in der anschließenden Franzosenzeit wurde das Amtsgut 1811 privatisiert. Dieses und das dazu gehörende Domänenvorwerk wurden mit Königlicher Kabinettsorder vom 31. 10. 1814 an den Amtmann Heinrich Sigismund Valentini (1788-1867) verkauft, der zu diesem Anlass in den Stand der Rittergutsbesitzer aufgenommen wurde. Er baute das Ordenshaus wieder auf und vergrößerte es auf das Doppelte. An der Vorderseite war ein behelmter Ritterkopf aus Granit eingemauert, möglicherweise ein ehemaliger Gewölbefänger von ca. 1330.

Am 11.10.1817 wurde das Gut amtlich Henriettenhof benannt und unter diesem Namen war das Gut bald weithin bekannt. Für den neuen Namen stand der Name des Amtmanns Ehefrau Pate, die er am 28.11.1814 geheiratet hatte: Charlotte Henriette Amalie geb. Möller (1787-1857), Tochter des Pfarrers in Schmoditten und Witwe des Vorbesitzers, Amtmann Carl Gottehr Riebensahm (1778 – 12. 3. 1813), der die Domäne gerade erst am 1. 6. 1812 für 22.779 Mark gekauft hatte.

Am Eingang zur Burganlage ließ Heinrich Valentini 1831 ein Gutshaus errichten. Das Anwesen blieb bis 1945 im Besitz der Familie Valentini. Zu Beginn des 20. Jhs. war Prof. Dr. Gustav Valentini (1862-1929), Geheimer Obermedizinalrat am Diakonissenhaus in Danzig, der Eigentümer. Gegen Ende des 1. Weltkrieges übernahm der nach langem Lazarettaufenthalt entlassene Sohn Arthur Valentini die Bewirtschaftung des Gutes bis 1945.

Der Hauptwirtschaftshof lag 10 Minuten entfernt in westlicher Richtung rechts der Straße Pr. Eylau – Stablack. Gustav Valentini entwickelte schon vor 1900 eine eigene bemerkenswerte Herdbuch-Viehzucht. 1913 waren auf dem 517 ha großen Gut 65 Pferde, 320 Rinder, davon 130 Milchkühe, und 130 Schweine eingestallt. Sein Administrator hieß Müller. Der Sohn und Erbe Arthur Valentini (23. 10. 1896 – 30. 4. 1977) machte das Gut durch gute Zuchtauswahl zu einer der bedeutendsten Herdbuch-Rinderzuchtstätten des Kreises und der Provinz. Außerdem wandte sich Arthur Valentini der Zucht des schweren Ermländer Kaltblut-Pferdes zu und erzielte auch hierbei große Erfolge.

Im Haus Valentini soll Sudermann seine 2. Frau kennen gelernt und hier seinen Roman „Der Katzensteg“ geschrieben haben, wobei er die Handlung den dortigen Örtlichkeiten anpasste.

1928 wurde der bis dahin selbständige Gutsbezirk aufgelöst und Henriettenhof mit Nußwalde nach Pr. Eylau eingemeindet. Während sich das Leben hauptsächlich im Gutshaus abspielte, nahm das ordenszeitliche Schloss ab 1932 das Kreisheimatmuseum auf.

Während der Eroberung durch die Sowjetsoldaten entstanden im Gutsbezirk offenbar kaum Schäden. Danach blieben von der verfallenden vierflügeligen Burganlage aber nur Reste des Haupthauses im Süden und ein Wirtschaftsbau an der Südseite der Vorburg erhalten. 1961 wurde das Burggrundstück der Kreiskonsumgenossenschaft Bagrationowsk übertragen, die die Kellergewölbe der Burg und des Vorburggebäudes als Lagerräume nutzte.[1]

Das Haupthaus im Süden wurde im 2. Viertel des 14. Jhs. errichtet. Im Ostflügel lag die Kapelle. Der westliche Flügel war nur in Fundamenten erhalten. Im Keller gibt es noch Kreuzgewölbe auf Pfeilerstümpfen. Nach dem 2.Weltkrieg wurde die Burganlage als allgemeines Lager genutzt. Als das aufhörte, überließ man die Gemäuer ihrem Schicksal. Misswirtschaft und Witterungseinflüsse machten die einst mächtige Burg sehr bald zu einer Ruine.

Der Speicherbau der Vorburg mit Wehrgeschoß entstand im 3. Viertel des 14. Jhs. und ist ein Ziegelbau auf Feldsteinfundament. Die Giebel der Schmalseiten zieren Blenden, die Dächer wurden in der Neuzeit abgeflacht. Im August 1990 brannte der mittlere Teil des Hauses aus. Ein russischer Investor hatte bald nach 1990 mit Unterstützung der Eliks-Bank angefangen, das Haus zum Hotel auszubauen. Er schaffte es gerade noch, den Südflügel der Vorburg zu 80 Prozent zu sanieren und dessen einst durchgehendes Dach mit wenig stilgerechten Mansardenfenster zu versehen, als ihn 1998 der Rubelsturz ereilte und in den finanziellen Ruin trieb. In der Folge schlachteten Diebe das Gebäude aus, nahmen Dachpfannen und Ziegelsteine mit und brachen die verglasten Fensterrahmen der Mansarden heraus.

Am 23. 3. 2007 stellte man das Vorburggebäude zwar als „Objekt des kulturellen erbes regionaler Bedeutung“ unter Schutz, damit wurde der weitere Verfall aber nicht gehemmt. Ein weiteres Feuer brach am 5. 6. 2016 aus und zerstörte wesentliche Teile des Daches. Am 14. 2. 2017 beschloss die Gebietsregierung, die Ruine in die Planung zur Privatisierung des Oblastvermögens für die Jahre 2018/19 aufzunehmen und zum Verkauf anzubieten. Seitdem finden Auktionen bzw. eine Ausschreibung statt.[2] Im Verklaufsprospekt wird die Ordensanlage wie folgt beschrieben: Ordensburg, 14. Jhd., 3.628 m² groß, mitsamt 45.800 m² großem Grundstück, zu verkaufen.Startpreis: 9.730.000 Rubel (etwa 130.000 € per Okt. 2018)[3].

Reste der Parchammauern existieren im Osten der Anlage, wie Grabungen in den 1990erJahren zutage brachten. Man stieß auch auf altes Kopfsteinpflaster..

Das ehemalige Gutshaus Henriettenhof brannte 1987/88 aus und verschwand danach.



[1] Pawel Antipow/Martin Lehmann, Welches Schicksal hatte „die Burg“ seit 1945?, Preußisch Eylauer Kreisblatt, 26. Mai 2018, S. 39
[2] Pawel Antipow/Martin Lehmann, Welches Schicksal hatte „die Burg“ seit 1945?, Preußisch Eylauer Kreisblatt, 26. Mai 2018, S. 41
3] Alte Ordensburg kommt unter den Hammer, Preußisch Eylauer Kreisblatt,1. 12. 2018, S., 36

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Burg Pr. Eylau (Anatoli Bachtin)
Skizze der Burg (A. Bachtin)
 
 
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