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Der Schuster Wilhelm Voigt, bekannt als der „Hauptmann von Köpenick“

Wilhelm Voigt (13. 2. 1849 – 3. 1. 1922) wurde in Tilsit geboren. Seine Mutter hieß Helene Ussat (1822 – 1878) und war aus Coadjuthen. Sie heiratete den Schuhmachergesellen Friedrich Wilhelm Voigt aus Kallkappen, einem Vorort von Tilsit. Wilhelm lernte Schuster wie sein Vater. Schon mit 14 Jahren erwischte man Wilhelm bei einem kleinen Diebstahl. Da man ihn zu 14 Tagen Gefängnis verurteilte, galt er hinfort als vorbestraft mit der Folge, dass er z. B. 1866 beim Militär nicht als Kriegsfreiwilliger im Krieg gegen Österreich angenommen wurde.

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Wilhelm Voigt (13. 2. 1849 – 3. 1. 1922) wurde in Tilsit geboren. Seine Mutter hieß Helene Ussat (1822 – 1878) und war aus Coadjuthen. Sie heiratete den Schuhmachergesellen Friedrich Wilhelm Voigt aus Kallkappen, einem Vorort von Tilsit. Wilhelm lernte Schuster wie sein Vater. Schon mit 14 Jahren erwischte man Wilhelm bei einem kleinen Diebstahl. Da man ihn zu 14 Tagen Gefängnis verurteilte, galt er hinfort als vorbestraft mit der Folge, dass er z. B. 1866 beim Militär nicht als Kriegsfreiwilliger im Krieg gegen Österreich angenommen wurde.

Es folgten weitere Straftaten, Gefängnis- und Zuchthausaufenthalte. So wurde er u. a. am 18. 2. 1867 auf dem Postamt von Prenzlau, Uckermark, bei einer Urkundenfälschung ertappt und daraufhin zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1906 verbrachte er 15 Jahre im Gefängnis. In diesem Jahr wurde er unter Polizeiaufsicht gestellt und aus Berlin ausgewiesen. Damit tauchte er erst einmal unter.

Da er jetzt unbedingt neue Papiere brauchte, um ein normales Leben führen zu können, verfiel er auf die Idee, das Rathaus von Köpenick zu besetzen. Mit einer Hauptmannsuniform bekleidet hielt er eine Gruppe von Soldaten auf der Straße an und marschierte mit ihnen nach Köpenick. Aber dort besaßen sie nicht die Formulare für die Papiere, die er brauchte. So ließ er sich die Stadtkasse mit 4.000,70 RM gegen Quittung aushändigen und zog wieder ab. Nach 10 Tagen verhaftete man ihn, aber er fand gnädige Richter, zumal der Kaiser über diese Geschichte lauthals lachte, wurde zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt und nach 2 Jahren begnadigt. Zukünftig ging er mit Hauptmannsuniform auf Tournee durch die ganze Welt und starb 1922 in Luxemburg, wo er auf dem Armenfriedhof Notre-Dame seine letzte Ruhe fand.

Carl Zuckmayer verarbeitete die Missetat des ständig strauchelnden und ins soziale Abseits gedrängten Schusters, der darin gefangen blieb, bis er mit letzter Kraft aufbegehrte, zu seinem gesellschaftskritischen Bühnenstück „Der Hauptmann von Köpenick“, das 1931 unter der Regie von Heinz Hilpert am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt wurde.

 
 
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