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Öffentliche Bauten

In Tilsit gab es eine Ordensburg, deren Mauerreste südöstlich der Luisebrücke immer noch erkennbar sind. Die Planung für den Bau lag in den Händen von Hannus Bolle aus Danzig, die Bauleitung bei Nikolaus Fellenstein, dem Baumeister der Marienburg. 1411 wurde die Burg stark beschädigt, aber wieder instand gesetzt und unter Herzog Albrecht ab 1537 weiter ausgebaut. Seit der Herzogszeit bis ca. 1800 saßen die Amtshauptleute in der Burg, dann wurde der Komplex 1805 vom preußischen Staat in Privatbesitz verkauft und danach teilweise abgerissen, obwohl noch 1820 das Stadtgericht für einige Zeit hier unterkam. 1842 nutzte eine Dampfmühle die Anlage, 1844 eine Maschinenfabrik und ab 1873 eine Papierfabrik. 1876 zerstörte ein Brand die Gebäude und das Gelände samt Ruine kam an ein Kalkwerk.

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In Tilsit gab es eine Ordensburg, deren Mauerreste südöstlich der Luisebrücke immer noch erkennbar sind. Die Planung für den Bau lag in den Händen von Hannus Bolle aus Danzig, die Bauleitung bei Nikolaus Fellenstein, dem Baumeister der Marienburg. 1411 wurde die Burg stark beschädigt, aber wieder instand gesetzt und unter Herzog Albrecht ab 1537 weiter ausgebaut. Seit der Herzogszeit bis ca. 1800 saßen die Amtshauptleute in der Burg, dann wurde der Komplex 1805 vom preußischen Staatin Privatbesitz verkauft und danach teilweise abgerissen, obwohl noch 1820 das Stadtgericht für einige Zeit hier unterkam. 1842 nutzte eine Dampfmühle die Anlage, 1844 eine Maschinenfabrik und ab 1873 eine Papierfabrik. 1876 zerstörte ein Brand die Gebäude und das Gelände samt Ruine kam an ein Kalkwerk. Im 2. Weltkrieg wurden die Ruinenreste noch weiter dezimiert. Trotzdem sind noch Teile der Umfassungsmauern zu erkennen.

Das große Portal der Luisebrücke hat überlebt. Ursprünglich wurde die Memel ab etwa 1600 mit einer Fährverbindung überquert. Die Russen schufen aus strategischen Gründen während der Zeit ihrer Besetzung Ostpreußens im siebenjährigen Krieg eine Floßbrücke, die sie aber beim Abzug wieder zerstörten. Doch den Vorteil einer Brückenverbindung hatte man jetzt erkannt und es kam mit Genehmigung des Königs zum Bau einer Schiffsbrücke, die 1767 in Betrieb ging. Diese wurde zweimal täglich auseinander geschwenkt, um Schiffe, Boydaks und Holzflöße durchzulassen. Im Winter ruhte die Brücke abgeschwenkt bis zum Frühjahr. Die Überquerung der Memel wurde in dieser Zeit notdürftig mit Fährkähnen und Schlitten aufrecht erhalten oder kam bei starkem Eisgang oder Hochwasser völlig zum Erliegen. Eine Entspannung des Transportsituation brachte der Bau der Eisenbahnbrücke über die Memel ab 1875, weil der Gleiskörper außerhalb des Zugverkehrs auch für Fuhrwerke genutzt werden konnten

Die Königin-Luise-Brücke, die 1904 - 1907 entstand, ersetzte die seit 1767 bestehende Schiffsbrücke. Die Planung lag in den Händen von Baurat Kersies, der beim Geheimen Oberbaurat Anderson starke Unterstützung fand. Der bildnerische Schmuck der Brücke wurde nach Entwürfen von Regierungsbaurat Fürstenau durch den Bildhauer Walter aus Berlin-Friedenau ausgeführt. Die Brücke war insgesamt 416 Meter lang und ruhte auf sieben Brückenpfeilern. Ihr Erscheinungsbild wurde geprägt durch drei Stahlbögen von je 105 Metern Länge und dem stadtseitigen neobarocken Brückenportal aus Sandstein mit einem Bronzerelief der Königin Luise, flankiert von zwei Türmen.

Im 1. Weltkrieg musste das deutsche Militär durch Verhandlungen daran gehindert werden, die Brücke zu sprengen, um den Übergang der Russen über die Memel zu erschweren, und als die Russen abzogen, konnte Tilsits Oberbürgermeister in Verhandlungen mit den Russen erreichen, dass die die Brücke nicht zerstörten. Im 2.Weltkrieg lief das nicht so gut. Als Tilsit im Oktober 1944 zur Grenzstadt wurde und die Sowjets das gegenüberliegende Memelufer beherrschten, sprengten deutsche Pioniere die Königin-Luise-Brücke am 22. 10. 1944. Eine von den Siegern umgehend gebaute Behelfsbrücke aus Holz wurde 1946 von Eisschollen weggerissen und darauf hin ein Brückenneubau in Angriff genommen. Die alten Brückenpfeiler wurden saniert und dienten erneut drei Brückenbögen als Stütze, allerdings diesmal aus Holz. Die Deutsche Kirche wurde dafür zum Sägewerk hergerichtet. Im Jahr 1965 war der Zustand der Brücke so desolat, dass sie abgerissen werden musste. Nunmehr baute man eine rein zweckorientierte Betonbrücke in Stahl-Kastenträgerkonstruktion. Nur das Brückenportal gab einen Abglanz des stolzen alten Erscheinungsbildes.

1964 demontierten die Sowjets etliche, als faschistisch und bürgerlich dekadent klassifizierte Verzierungen vom Portal der Luisebrücke und warfen sie in die Memel. Bei Restaurierungsarbeiten an der Brücke im Jahr 2003 entdeckten die Arbeiter auf dem Grund der hier 2,50 Meter tiefen und durchaus klaren Memel verschiedene Gegenstände. Der Direktor des historischen Museums in Ragnit, Georgij Ignatow, vermutete darin die seinerzeit versenkten Verzierungen. Taucher fanden alsdann in Höhe des ersten Brückenpfeilers, 15 – 18 Meter vom linken Flussufer entfernt, ein Basrelief der Königin Luise, zwei Vasen und eine Skulptur. Das Luiserelief wird, wenn geborgen, ins Museum wandern, denn an der Brücke hat man bereits eine Luise-Kopie anstelle des zwischenzeitlichen Sowjetwappens angebracht. Das einstige Zollhaus an der Auffahrt zur Brücke hat ebenfalls überlebt. Nachdem die Brücke 2003 in die Liste kulturhistorischer Denkmäler aufgenommen wurde, fanden Restaurierungsarbeiten durch die St Petersburger Firma Ekorem statt.

Die Memel bildet heute die Grenze zu Litauen und es gibt hier seit 1992 eine stark frequentierte Grenzübergangsstelle. Um den Grenzverkehr zügiger fließen zu lassen, wurde nach langen Verhandlungen im Jahr 2011 zwischen Litauen und Rußland ein Abkommen über den Bau einer neuen Brücke geschlossen, die die Memel fünf Kilometer weiter östlich bei Dubki – Paskalwen/Schalau überqueren soll. Dazu gehören dann eine Umgehungsstrasse und ein neues Grenzabfertigungsterminal. Die Luisenbrücke bleibt zukünftig den Fußgängern und Reisebussen vorbehalten.[4]

Unweit der Brücke hat man in den 1990er Jahren einen Gedenkstein zur Erinnerung an der Tilsiter Frieden von 1807 aufgestellt.

Das Landgericht entstand 1930 an der Angerpromenade (Ulica Teatralnaja) und ist jetzt Sitz der Stadtverwaltung. Das Amtsgericht daneben von 1868 zwischen Anger und Hohem Tor, zuletzt Kulturhaus der Zellstoff-Werke, wurde 1910 erweitert.

Im nördlichen Bereich des Angers steht das Grenzlandtheater, ein neoklassizistischer Bau von 1893, umgebaut und erweitert1903, umfassend renoviert 1935/36. Für den Bau des Theaters 1893 hatte der Rentier August Engels der Stadt eine beträchtliche Summe Geld gespendet. Hier wirkten u. a. Frank Wedekind und Alfred Brust (1896 – 1934) als Dramaturgen.

Nach dem Krieg erfolgte die Wiedereröffnung 1956. Seit 1989 nannte es sich „Tilsit-Theater“ und dieses zählt inzwischen zu den interessantesten Theatern des russischsprachigen Raums. Den guten Ruf begründete wesentlich der Regisseur Jewgenij Martschelli, Sohn eines italienischen Einwanderers, nach den Umwälzungen der Perestroika-Zeit ab 1991. In Hamburg existiert einFreundeskreis Tilsit-Theater, der das Theater mit Ausrüstungsgegenständen, Kostümen und Geldspenden unterstützt. Besonders engagiert ist dabei Walter Stuhlemmer, ehemals Betriebsinspektor des Hamburger Schauspielhauses. 2008 wurde Martschelli zum Intendanten des Dramaturgischen Gebietstheaters in Kaliningrad ernannt..[10] Inzwischen soll er am Theater in Jaroslawl in Russland neue Erfolge feiern.[11]

In der Hohen Straße existiert noch das Postgebäude, ursprünglich gebaut nach einem Entwurf des Deichinspektors Gerasch 1835 und beeinflusst von Karl Friedrich Schinkel.

Seit 1993 trägt das Haus des Staatlichen Humanistischen Gymnasiums in der ehem. Oberst-Hoffmann-Straße - ein Neubau von 1900 - eine Gedenktafel mit dem Hinweis auf die Begründung der Lehranstalt im Jahr 1586.

Bis 1913 befand sich das Realgymnasium Tilsit in dem Gebäude in der Schulstraße, das 1874 um einen Flügel erweitert worden war, weil es den Anforderungen nicht mehr genügte. Außerdem wurde die Gründung einer Oberrealschule dringend gewünscht. Nach längeren Verhandlungen beschloss man, beide Anstalten in einem Gebäude und unter einer Leitung zu vereinen, und dafür wurde ein Platz jenseits des Schlossmühlenteichs in landschaftlich schöner Lage im neuen Villenviertel der Stadt gewählt. Mit dem Bau wurde 1910 begonnen und Ostern 1913 konnte der Umzug bewerkstelligt werden. Aus dem Tilsiter "Königlichen Realgymnasium" war das "Staatliche Reformgymnasium und Oberrealschule" geworden.1937 erhielt die Anstalt den Namen " Oberschule für Jungen zu Tilsit". (http://www.tilsit-ragnit.de/ragnit/index.html)

Der Park Jakobsruhe soll seine alte Schönheit wiedererlangen. Ein entsprechendes Projekt, für dessen Finanzierung eine Lotterie aufgelegt wird, sieht die Anlage von Springbrunnen und Radwegen, die Säuberung der Teiche, die Einrichtung von Gartencafés und die Wiedergeburt des Denkmals der Königin Luise vor. Im Jahr 2013 werden nunmehr Geldmittel für die Wiedererrichtung des Denkmals und die Gestaltung des Umfeldes bereit gestellt.[7] Das drei Meter hohe Marmorstandbild auf fünf Meter hohem Sockel, gestaltet von dem Bildhauer Gustav Eberlein, wurde 1900 im Beisein des Kaisers eingeweiht. In sowjetischer Zeit blieben davon nur ein paar Stufen übrig. Jetzt konnte die Firma Nasledie AG aus St. Petersburg, das Kunstwerk nach alten Fotos und Zeichnungen wieder originalgetreu erstehen lassen. Die Aufstellung des Denkmals war für den 207. Jahrestag des Tilsiter Friedens im Juli 2014 vorgesehen und fand tatsächlich pünktlich statt.[8]

Die Tilsiter Dragonerkaserne, errichtet in den 1870er Jahren entlang der Bahnhofstrasse und 1879 erstmals von dem Dragonerregiment „Prinz Albrecht von Preußen“ Nr. 1 bezogen, barg einen überraschenden Schatz. Bei Renovierungsarbeiten der Eingangshalle stieß man unter mehreren Farbschichten auf alte Wandbemalungen mit goldenen Buchstaben und mannshohen Reliefs[1]. Die St. Petersburger Restauratorinnen Tamara Mitina und Veronika Sauer legten sorgfältig 36 Gedenktafeln mit heraldischen Verzierungen, Eisernen Kreuzen und Preußenadlern frei – Darstellungen von Schlachten, an denen das Dragonerregiment seit seiner Gründung 1717 teilgenommen hatte. In den Freiheitskriegen hatte dieses Regiment Seite an Seite mit den russischen Waffenbrüdern an den Schlachten von Preußisch Eylau und Heilsberg teilgenommen und gemeinsam mit den Russen zog man siegreich in Paris ein.[2] Die Stadtgemeinschaft Tilsit hat eine Broschüre „Die Tilsiter Dragoner“ herausgegeben, die auch den spektakulären Fund behandelt und Aufschluss über die historische Vergangenheit des Regiments gibt.[3]

Auf dem ehemaligen Herzog-Albrecht-Platz wurde 2012 ein mannshoher, 20 t schwerer Gedenkstein aus Granit aufgestellt, der folgende Inschrift trägt: "Dieser Platz trägt den Namen des Herzog Albrecht, dem Gründer der Stadt, welcher am 2 November 1552 der damaligen Siedlung Tilse die Stadtrechte verliehen hatte. Bereits unter seiner Anwesenheit wurde der erste Stadtrat und auch das erste Gericht gewählt. Gleichzeitig entstand das Stadtwappen". Dieser Gedenkstein ist ein Beleg dafür, dass sich die Russen zunehmend mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen.[5]

Eine höchst moderne Einrichtung erhielt die Tilsiter im Jahr 2011: das Sport- und Erholungszentrum FOK "Druschba" an der Sommerstraße. Es verfügt über eine Schwimmhalle, eine Eislaufbahn, Tennis- und Sporthallen, Fitnessräume und ein Bowlingcenter.[6]

Auf dem Herzog-Albrecht-Platz ist 2013 der originalgetreu rekonstruierte Gerichtsbrunnen eingeweiht worden, der von dem alten Preußenadler gekrönt wird.[9]


[1] 40. Tilsiter Rundbrief 2010/2011, S. 33
[2] Hans Dzieran, Doppelte Überraschung an der Memel, Oprbl. Nr. 49/2009 (5.12.), S. 13
[3] Aus der Heimatkreisgemeinde Tilsit Stadt, Oprbl. Nr. 1/2011 (8. Januar 2011), S. 18
[4] H.Dz, "Neue Brücke über die Memel", Oprbl. Nr. 41/11 v. 15. Oktober 2011
[5] Hans Dzieran, Tilsit auf der Tagesordnung, Tilsiter Rundbrief, Weihnachten 2012, S. 45
[6] Hans Dzieran, Tilsit auf der Tagesordnung, Tilsiter Rundbrief, Weihnachten 2012, S. 68
[7] Andrey Konstantinow, 24. 5. 2013
[8] H.Dz., Luise soll in den Park Jakobsruh heimkehren, Oprbl.Nr. 40/2013 (5. Oktober), S. 13; Land an der Memel und Tilsiter Rundbrief, Pfingsten 2014, S. 96 f
[9] Hans Dzieran, Grußworte in Land an der Memel/Tilsiter Rundbrief, Weihnachten 2013, S. 11
[10] Jurij Tschernyschew, Theaterlandschaft im Umbruch, Oprbl. Nr. 8/2009 (21 Februar), S. 13
[11] MRK, TilsitTheater wiedereröffnet, Oprbl. Nr. 16/2014 (19. April), S. 13
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Moderne Totengedenkstätte auf dem Anger (Tilsiter Rundbrief 2010/2011)
 
 
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