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Der Pillkaller - eine ostpreußische Spezialität

Der „Pillkaller Nikolaschka“ ist ein Getränk mit ritueller Komposition: zu einem Glas Korn gibt es eine darauf liegende Leberwurstscheibe mit Mostrich und Senfkörnern. Erfunden wurde das Getränk im Hotel Breslauer Hof in Pillkallen.

Der Pillkaller.
(Aus dem Nachlass von Dr. med. Stascheit).

Es glänzt in lichter Schale
so hell der Doppelkorn,
der reine, ideale
wahrhaft'ge Lebensborn.

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Der „Pillkaller Nikolaschka“ ist ein Getränk mit ritueller Komposition: zu einem Glas Korn gibt es eine darauf liegende Leberwurstscheibe mit Mostrich und Senfkörnern. Erfunden wurde das Getränk im Hotel Breslauer Hof in Pillkallen.


Der Pillkaller.
(Aus dem Nachlass von Dr. med. Stascheit).

Es glänzt in lichter Schale
so hell der Doppelkorn,
der reine, ideale
wahrhaft'ge Lebensborn.

Darüber liegt die Scheibe
der fetten Leberwurst,
es lacht das Herz im Leibe,
zur Andacht wird die Wurst.

Und obenauf ein Häufchen
vom gelben Mostrichgold,
o seliges Besäufchen,
wie lockst du lieb und hold!

Der Mann, der dich erdachte,
Pillkaller, das ist wahr,
der wußte, was er machte:
Ambrosia und Nektar.
Der hatte keine schlechte
Verdauung, keine Not,
der schuf das echte,
rechte ostpreuß'sche Abendbrot.

Nun Fremdling, auf die Zunge
die Wurst leg mit Bedacht,
den Korn mit kühnem Schwunge
gieß rüber, dass es kracht,

Das schlubbert durch die Gurgel,
Erbarmung wie geschmiert,
im Darm erst das Gewurgel,
gib acht, daß nichts passiert.

Und wenn Du das nun künftig
kannst zehn und zwölfmal tun,
dann bist Du erst hier zünftig,
mein Freundchen, und auch duhn.
Nun Prost! Greif zum Glase,
stoß an und werde hart,
begießen wir die Nase
uns nach Pillkaller Art.

Dort, wo das Land Litauen
an Deutschlands Grenzen führt,
wo man auf Flur und Auen
noch Luchs und Elche spürt,
da liegt berühmt von allen,
die je der Volksmund pries,
das freundliche Pillkallen,
ein Zecherparadies.

Es lästern böse Zungen:
Dort säuft der Mensch wie'n Pferd,
doch wen der Durst bezwungen,
solch Reden wenig stört.

Wohl trinkt man gut und reichlich
auch etwas starken Sprit,
nun ja, man ist nicht weichlich
und braucht was für's Gemüt.

Denn eiskalte Winde
weh'n dort jahraus, jahrein,
da darf für gelinde
der Abendtrunk nicht sein,
da braucht man scharfe Sachen,
da wird auch scharf gezecht,
da gibt es nichts zu lachen
und was man trinkt ist echt.

0 Fremdling, der Du schüchtern
dem Städtchen Dich genaht,
nicht lange bleibst Du nüchtern,
hier hat der Schnaps Format.

Wohl hast in allen Gauen
Du Schnäpse viel probiert,
und nun erfaßt Dich Grauenl
Nur lustig, nicht geziert!

Denn hier die Krone aller
hast du noch nicht geschluckt,
den richtigen Pillkaller,
das Heimatkunstprodukt.

(Aus: Elbinger Nachrichten - Juni 1986, entdeckt von Heinrich Ehlert)

Raymont Dorra kommentiert dieses Gedicht mit einem prägnanten alten Spruch: „Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, in Pillkallen ist es umgekehrt.“

 
 
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