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Stadtbild von Heiligenbeil

Trotz der ungemein heftigen Kämpfe um Heiligenbeil blieb manches Kleinod erhalten:

  • einige Wohnbauten aus dem 1. Viertel des 20. Jhs. in den Außenbezirken
  • das Johanniter-Kranken- und Siechenhaus von 1887 in der nach dem ehem. Steindorf führenden einstigen Dreßlerstraße wurde 1931 und 1937 erheblich erweitert und modernisiert. Es ist immer noch Klinik und erhielt ein drittes Stockwerk
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Trotz der ungemein heftigen Kämpfe um Heiligenbeil blieb manches Kleinod erhalten:

  • einige Wohnbauten aus dem 1. Viertel des 20. Jhs. in den Außenbezirken
  • das Johanniter-Kranken- und Siechenhaus von 1887 in der nach dem ehem. Steindorf führenden einstigen Dreßlerstraße wurde 1931 und 1937 erheblich erweitert und modernisiert. Es ist immer noch Klinik und erhielt ein drittes Stockwerk
  • das St. Georgenhospital, entstanden 1865 am ehemaligen Feyerabendplatz, benannt nach dem 1882 verstorbenen Bürgermeister von Heiligenbeil. Man hat es inzwischen aufgestockt. Es war bereits 1416 als Hospital erwähnt, zunächst nur für Aussätzige gedacht, später als Heim für mittellose Bürger genutzt. Es diente als Krankenhaus, Erziehungsanstalt und letztlich als Wohnhaus. Und das ist es auch noch heute. Auf dem Feyerabendplatz stand eine 1871 gepflanzte „Friedenseiche“.
  • Das Postgebäude von 1880 (Wermkestraße) zeigt noch stolz das preußische Posthorn auf seinem Giebel. Es dient immer noch der Post
  • Die Stadtschule von 1910 (Dreßlerstraße) steht jetzt wohl leer
  • die klassizistische Mittelschule (Feyerabendplatz), hervorgegangen aus der einstigen, bis 1927 existierenden Landwirtschaftsschule, ist heute Rathaus
  • Die Baptistenkapelle, nach 1945 durch Umbauten verändert, ist heute Kino (Gartenstraße)
  • Das Amtsgericht von 1929 (Wermkestraße) steht noch
  • Der 1888 errichtete Bahnhof wurde inzwischen renoviert, die Bahnsteige asphaltiert
  • Im Wasserturm von 1908 hat sich ein Nachtclub etabliert
  • Das große Gebäude der alten Ordensmühle wurde umgebaut und beherbergt jetzt einen Lebensmittelladen und ein Restaurant
  • Das Volksgemeinschaftshaus, erbaut 1937 – 1939 für kulturelle Veranstaltungen, diente den russischen Fischern lange Jahre als Clubhaus und wurde dann umgestaltet zu einer orthodoxen Kirche
  • Als einzige Privatschule ihrer Art in Ostpreußen gab es seit 1924 ein „Hauswirtschaftliches Töchterheim“. 1929 integrierte man hier eine Lehrkolonie für Kriegswaisen des 1. Weltkriegs und 1934 wurde eine Mädchenfortbildungsschule angegliedert. In der letzten Phase des Krieges diente das Gebäude als Erholungsheim für verwundete deutsche Soldaten. Nach dem Krieg war es bis etwa 1948 ein Casino für sowjetische Soldaten. Heute steht es leer. Vielleicht macht man aus der Immobilie ein Jugendheim.
  • Der Bismarckstein, der aus einem Findling besteht, den man in der Umgebung von Heiligenbeil ausgrub, war so schwer, dass 12 Pferde nicht in der Lage waren, den Karren mit seiner Ladung in die Stadt zu transportieren. Als das nach vielen Mühen gelang, meißelte der Steinmetz den Namen des großen Reichskanzlers in den Stein, wobei er das „c“ vor dem „k“ wegließ, was dem Denkmal bis zur späteren Korrektur eine gewisse Exklusivität verschaffte. Der Stein existiert noch an der Straße, die aus Königsberg in die Stadt führt, aber ihn ziert heute das Konterfei von Oberst Mamonow, dem russischen Namenspaten der Nachkriegszeit.
  • auf wundersame Weise erhielten sich in Mamonowo einige originale Knochen der Regina Protmannaus Braunsberg, Gründerin des Katharinenordens. Ihre sterblichen Überreste waren 1933 anlässlich des 350. Jubiläums der Schwesternkongregation in einen Glassarkophag eingebettet und im neuen Kloster von Braunsberg zur Schau gestellt worden. Als Braunsberg erobert zu werden drohte, flüchteten die Schwestern samt Schrein nach Heiligenbeil, weil von dort noch ein Übergang zum Haff vorhanden war, und deponierten den Schrein bei Pfarrer Westphal, der ihn im Garten vergrub. Die Rotarmisten holten ihn wieder hervor, plünderten und zerstörten ihn aber nicht. So konnte Pfarrer Westphal die Knochen von Regina Protmann wieder an sich nehmen. Als er im Dezember 1945 ausgewiesen wurde, nahm er zwei Knöchelchen vom Rückgrat mit nach Westdeutschland, die anderen Gebeine versteckte er auf dem Dachboden des Hauses, in dem er zuletzt gewohnt hatte. Die in den Westen geretteten beiden Knöchelchen wurden anlässlich der Seligsprechung von Regina Protmann in einem neuen Sarkophag aufbewahrt. Von den auf dem Dachboden in Mamonowo verborgenen Gebeinteilen dagegen wurden 1991 tatsächlich noch 4 Knochen in dem ursprünglichen Versteck aufgefunden, die dann der Gedenkstätte in Braunsberg zur Verfügung gestellt werden konnten.
  • seit 2003 steht den Bewohnern von Mamonowo eine russisch-orthodoxe Kirche in Holzbauweise mit vergoldeten Zwiebeltürmen zur Verfügung
  • Entlang der Jarft gab es einen bereits 1817 angelegten Spazierweg, den „Philosophengang“, der, von hohen Bäumen gesäumt, malerisch am Fluss entlang führte. Dieser wird jetzt wieder hergestellt.[2] Im Zuge der Resturkturierung stieß man auf Reste der Stadtmauer, hier des Bullenturms. Im Bullenturm wurden in früheren Zeiten bei drohenden Angriffen auf die Stadt die Tiere der Ackerbürger in Sicherheit gebracht - daher vermutlich der Name.[3]
  • Der Schlachthof in der ehem. Braunsberger Strasse war ein Bau von 1892, erweitert 1909. Es bestand Schlachthofzwang.
  • Im südwestlichen Stadtteil von Heiligenbeil, nahe dem Grenzübergang Mamonowo, baut die Firma Hipp eine Fabrik, für die 2007 der Grundstein gelegt wurde – 70 Jahre, nachdem Firmengründer Georg Hipp schon einmal ein Werk an dieser Stelle geplant hatte . Hier soll Babynahrung auf der bei Hipp üblichen streng kontrollierten Basis hergestellt werden. Um den dafür erforderlichen Rohstoffbedarf zu decken, hat die Firma Hipp in der Nähe von Wormditt im polnischen Teil Ostpreußens größere Anbauflächen erworben. Von Heiligenbeil aus soll mit einem anfänglichen Produktionsvolumen von 35 Millionen Gläschen pro Jahr der gesamte russische Markt einschließlich der GUS-Staaten, die mit Russland in einer Zollunion verbunden sind, beliefert werden. Später ist eine Erweiterung auf 200 Millionen Gläschen geplant. Mit einem Investitionsvolumen von 10 Millionen Euro ist Hipp der größte deutsche Investor in der Oblast Kaliningrad. Im September 2009 wurde die Fabrik, die mit einem Aufwand von 15 Millionen Euro gebaut wurde, feierlich eröffnet. Sie bietet zunächst 50 Arbeitsplätze und soll im ersten Jahr 30 Millionen Gläschen Babybrei, Säfte und Püree herstellen, später dann 200 Millionen/Jahr.
  • Aber das militärische Ringen um Heiligenbeil am Ende des 2. Weltkriegs hat von der schönen Altbausubstanz der Stadt einen hohen Tribut gefordert. Verloren sind:
  • Die evangelische Pfarrkirche an der Jarft, vermutlich mit der Stadtgründung in der Zeit von 1301 – 1303 gebaut und 1320 erstmals erwähnt, ist bis auf kümmerliche Mauerreste verschwunden. Sie brannte mehrmals ab und war zuletzt 1788 - 1794 erneuert worden. Die Blessuren des 2. Weltkriegs behob niemand mehr. Die Ruine stand noch bis in die 1970er Jahre und wurde dann weitestgehend abgeräumt
  • Das Pfarrhaus am Markt, in dem 1806 die königliche Familie auf ihrer Flucht Unterkunft fand und das sowohl Friedrich Wilhelm IV. als auch seine Schwester, die Zarin in guter Erinnerung behielten, existiert nicht mehr.
  • Die katholische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt von 1891 wurde nach dem Krieg beseitigt. Im Krieg war sie beschädigt worden und es regnete hinein. Bis 1947 war sie allgemeinen Plünderungen ausgesetzt, und dennoch fanden noch Gottesdienste statt und wurde die Heilige Messe zelebriert.
    Jetzt neu ist eine kleine katholische Kirche, die 1995 auf dem alten ev. Friedhof errichtet wurde.
  • Das Rathaus, errichtet 1820 – 1823, wurde gleich zu Beginn der Eroberung Heiligenbeils am 18. März 1945 durch Brandgranaten und Phosphorbomben zerstört.
  • Das Kreishaus in der ehem. Königsberger Straße wurde errheblich zerstört und die Ruinen dürften abgerissen worden sein.. Entstanden war es 1923/24 nach Plänen des Königsberger Architekten Georg Lemm.
  • Reste der Stadtmauer, die bereits 1520 zerstört, danach 1533 aber wieder aufgebaut worden war, sind nur in einzelnen Teilen noch zu erkennen.
  • Die ganze Altstadt, vom Krieg auch stark in Mitleidenschaft gezogen, wurde danach abgerissen und machte einem Erholungspark Platz. Das Stadtzentrum hat sich in Richtung der ehemaligen katholischen Kirche verschoben.
  • Seit 2008 steht auf dem Marktplatz ein Sprottendenkmal, die auf die guten Sprotten hinweisen, die in der hiesigen Fischfabrik auf dem Gelände der ehemaligen Ostdeutschen Maschinenfabrik vorm. Rudolf Wermke produziert werden.[1]


[1] Heimatblatt des Kreises Heiligenbeil, Sommer 2015, S. 88
[2] Heimatblatt Heiligenbeil, Mai 2007, S. 14
[3] Heimatblatt des Kreises Heiligenbeil, Sommer 2015, S. 93

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