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Dorf, Kirche und Ordenshof Balga

Das ehemalige Dorf Balga 100 m südwestlich der Vorburg ist heute weitgehend eine bewaldete Fläche. Es entstand etwa zeitgleich mit der Burg wie die Kirche und diese stand außerhalb der Burgmauern, war also nicht für die Burgbesatzung, sondern für die Dörfler vorgesehen. Aus der ursprünglichen Lischke für Hofleute, Handwerker, Gärtner, Instleute und Scharwerker, die auf der späteren Domäne verpflichtet waren, wurde ein Flecken mit einer Schule. Die Separation nahm die Zeit von 1826 bis 1844 in Anspruch und danach nahm die Gemeinde einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich Balga zunehmend zu einem beliebten Ausflugsort, an dem auch die Jugend in der 1928 gebauten Jugendherberge ihren Anteil hatte. 1939 zählte das Dorf 755 Einwohner. 1989 feierte man die 750. Wiederkehr der Gründung des Ortes in der Partnergemeinde Burgdorf.

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Das ehemalige Dorf Balga 100 m südwestlich der Vorburg ist heute weitgehend eine bewaldete Fläche. Es entstand etwa zeitgleich mit der Burg wie die Kirche und diese stand außerhalb der Burgmauern, war also nicht für die Burgbesatzung, sondern für die Dörfler vorgesehen. Aus der ursprünglichen Lischke für Hofleute, Handwerker, Gärtner, Instleute und Scharwerker, die auf der späteren Domäne verpflichtet waren, wurde ein Flecken mit einer Schule. Die Separation nahm die Zeit von 1826 bis 1844 in Anspruch und danach nahm die Gemeinde einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich Balga zunehmend zu einem beliebten Ausflugsort, an dem auch die Jugend in der 1928 gebauten Jugendherberge ihren Anteil hatte. 1939 zählte das Dorf 755 Einwohner. 1989 feierte man die 750. Wiederkehr der Gründung des Ortes in der Partnergemeinde Burgdorf.

Nach 1550 begann man mit dem Bau eines Dammes zwischen Kahlholz und Wolittnick, um das große Sumpfgebiet nordwestlich von Balga trocken zu legen. Auf diese Weise erlangte man umfangreiche zusätzliche Landwirtschaftsflächen, die sich von rd. 340 ha zum Ende des 16. Jhs. auf rd. 1.000 ha um die Mitte des 18. Jhs. verdreifachten.

Zum Wirtschaftsbetrieb des 1274 neben der Burg angelegten Ordenshofes gehörte ein hoher Bestand an Pferden und Vieh, so z. B. im Jahr 1404 insgesamt ca. 850 Pferde, fast 825 Rinder und Kälber, 1.100 Schweine und über 5.000 Schafe. Seit 1503 wurde der Ordenshof verpachtet und in der Herzogszeit in eine Domäne umgewidmet. Unter Friedrich Wilhelm I. wurden die Amtshauptmannschaften aufgelöst und die Ämter in einem sechs-Jahre-Rhythmus an Zeitpächter vergeben, die der Kriegs- und Domänenkammer in Königsberg unterstanden. Wegen nachhaltiger Verfallserscheinungen wurde 1747 ein neues Amtshaus errichtet, dem 1804 wegen gestiegener Ansprüche an den Wohnkomfort ein Neubau im klassizistischen Stil der Gilly-Schule folgte.

Der Hof war bis 1849 eine Domäne. Als diese aufgelöst wurde, erwarb die Familie von Glasow einen Anteil von 500 ha, den sie bis 1945 bewirtschaftete. Letzter deutscher Eigentümer war Peter von Glasow (1880 – 1952). In den Endkämpfen des 2. Weltkriegs wurden die Gebäude des Gutes beschädigt und danach weitgehend abgetragen. Anfang der 1990er Jahre fand man noch den Meiereibrunnen, einen Teil der Hofmauer, Pfeiler des Hoftores und ein Vogelhaus aus Stein.

Eine 1928 in Betrieb genommene Jugendherberge mitten im Wald mit Blick auf das Haff gehörte seinerzeit zu den meist besuchten Herbergen in Ostpreußen. Sie existiert wohl nicht mehr.

Es gab eine zweiklassige Volksschule. Einer der beiden Lehrer war der Kantor, der am Sonntag in der Kirche die Orgel spielte. Wer eine weiterführende Schule besuchen wollte, musst nach Heiligenbeil in die Realschule oder nach Braunsberg oder Königsberg fahren. Nach Heiligenbeil fuhren täglich auch viele Lehrlinge sowie etliche Dorfbewohner, die dort ihr Brot verdienten. Ansonsten waren in Balga viele Seeleute ansässig.

Von der Ordenskirche St. Nikolaus, die um 1320/1330 entstand und so die älteste Kirche der Provinz war, sind nur geborstene Wände und zerrissene Mauern übrig geblieben. Auf der Westseite erkennt man noch den unteren Teil des einst prächtigen gotischen Portals, der von einem rechteckigen Fries aus Vierpassmuttern umrahmt war. Ein größeres Mauerstück steht wohl auch noch auf der anderen Seite, wo der kunstvolle Altar von 1649 gestanden hatte.

Die Kirche war bereits während der heftigen Kämpfe im März 1945 beschädigt worden. Die Mauern, die noch stehen geblieben waren, fielen dem anschließenden Zerfallsprozess zum Opfer. Immerhin: als Angehörige der Miliz 1994 versuchten, auch noch den Rest abzutragen, wurden sie durch Intervention des Königsberger Architekten Jurij Sabuga davon abgebracht. In der Folgezeit haben sogar russische und deutsche Jugendliche im Zeichen gemeinsamer Trauer eine Gedenkstätte in der Ruine eingerichtet.

Balga Kirche einst innen
 
 
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