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Schtschukino - Schettnienen

Das Land um Schettnienen war uraltes Siedlungsland, dokumentiert durch ein Hünengrab, das man in den 1920er Jahren ausgrub. Das Dorf, das wenig nördlich der Grenze zu Polen gelegen war, wurde 1406 erstmals dokumentarisch als Schudenyn erwähnt. 1938 verlor es seine verwaltungsmäßige Selbständigkeit und wurde aufgeteilt auf Alt Passarge und Preußisch Bahnau.

Das Gut in Schettnienen befand seit 1546 im Besitz der Familien von der Trenck in Labiau und Familie von Rabe. Unter Anselm von Rabe, Herr auf Waplitz und Klaukendorf, der Dorothea von der Trenck geheiratet hatte, spielte sich ein Ehedrama ab. Der Gutsherr Anselm begann ein Verhältnis mit der Gesellschafterin seiner Frau und gab der Geliebten das Versprechen, sie zu heiraten. Als Anselm 1570 verreiste, nutzte die Gesellschafterin dessen Abwesenheit und brachte Dorothea von Rabe um. Der Mord wurde jedoch aufgedeckt und durch Hinrichtung gesühnt. Anselm von Rabe entzog sich der Verurteilung wegen Ehebruchs und Anstiftung zum Mord durch Flucht in das ausländische Preußen königlichen Anteils, vermutlich nach Waplitz. Als 1730 Johann Dietrich von Rabe kinderlos starb und kein männlicher Erbe mehr verfügbar war, fiel das Lehen an den König.

Bereits vorher, am 20. 4. 1703 gelangte das Gut durch Jacob von Laxdehnen als Pfandgut in den Besitz dieser Familie, die es nach komplizierten Eigentumszuschreibungen letztendlich 1736/38 erwerben konnte. Diese Familie war auch für den Bau des Gutshauses 1765, vielleicht auch bereits früher verantwortlich.

Am 17. 9. 1778 erwarb Alexander Georg von Bronsart (1734 – 1790), dessen Vorfahren Prußen waren, Schettnienen für 20.000 Taler von Adelgunde von Rittmann, die in erster Ehe mit einem Major von Laxdehnen verheiratet war. Der Sohn und Erbe Ernst von Bronsart musste 1827 nach familiären Turbulenzen das Gut zur Versteigerung bringen. In diesem Zuge erwarb es sein Bruder Alexander von Bronsart (1786 – 1863) für 18.000 Taler und stellte es im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte wieder auf eine gesunde wirtschaftliche Basis. 1842 konnte das nahe Gut Ruhnenberg am Frischen Haff dazugekauft werden. Der Besitz ging 1862 an den Stiefsohn Wilhelm von Lampinet gen. von Bronsart (1819 – 1886) übernehmen konnte. Nach dessen Tod erwarb sein Vetter General Paul Leopold Bronsart von Schellendorf (25. 1. 1832 – 23. 6. 1891) für 45.000 Reichsmark den Besitz. Dieser General hatte die Ehre, den Kaiser der Franzosen nach seiner Gefangennahme in Sedan 1870 im deutsch-französischen Krieg zu König Wilhelm I. von Preußen zu geleiten und wurde später, 1883 – 1891, Staats- und Kriegsminister. Nach ihm erhielt die Schellendorfstrasse im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ihren Namen, den sie noch heute trägt, und er war der Namensgeber für das Fort Nr. 2 in Königsberg. Weitere prominente Vertreter der Familie waren Hans Bronsart von Schellendorff (1830 – 1913), 1867 – 1887 Intendant der Oper in Hannover und dann bis 1895 Kammerherr und Generalintendant des Großherzoglich Sächsischen Hofschauspielhauses in Weimar, sowie Walter Bronsart von Schellendorff (1833 – 1914), hochrangiger Militär und 1893 wie sein Bruder Kriegsminister. Fritz Bronsart von Schellendorf (1864 – 1950) war 1914 – 1917 Chef des türkischen Generalstabs.

Der Sohn des Kriegsministers Paul Leopold Bronsart von Schellendorf, Wilhelm Bronsart von Schellendorf (1861 – 1914) fiel als Bataillonskommandeur im ersten Weltkrieg im Park von Beynuhnen, als Ostpreußen gegen die Russen verteidigt werden musste. Sein erbender Sohn Albrecht (1902 – 1995) war dann der letzte Herr auf Schettnienen.

Die Gutswirtschaft hatte nach dem 1, Weltkrieg eine Fläche von gut 600 ha, davon 359 ha Ackerland, 200 ha Grünflächen und 36 ha Wald. In den Ställen standen 246 Rinder, 193 Schweine und 69 Pferde und es gab 138 Schafe. Nach dem Befehl zur Flucht am 27. 1. 1945 konnte sich Almut Bronsart von Schellendorf, geb. Trebka, mit ihren Kindern über das Frische Haff in den Westen retten. Albrecht von Bronsart dagegen geriet in russische Gefangenschaft.[1]

Obwohl im Heiligenbeiler Kessel gelegen, überlebte das seit 1933 unter Denkmalschutz stehende Gutshaus von 1765 die Kriegshandlungen und diente noch bis 1985 den sowjetischen Grenztruppen als Unterkunft. Danach wurde es dem Erdboden gleich gemacht. Ein Teil des Gutslandes befindet sich im polnischen Teil Ostpeußens. Auf russischem Gebiet trifft man noch auf die beiden Seen des Gutes, auf verwilderte Eichenalleen, einen vernachlässigten Brunnen und den halbzerstörten Gutsfriedhof.

Das Gelände des ehemaligen Landguts Schettnienen 2007 bis 2012 auf historische Kulturschätze abgesucht. Seit Beginn der Ausgrabungen wurden etliche Funde mit musealem Wert entdeckt und geborgen, darunter Schmiede-, Schlosser- und Tischlerwerkzeuge aller Art, medizinische Werkzeuge und Messinstrumente, Pferdegeschirr und Sattelzeug, Handfeuerwaffen, Maschinengewehre, Minenwerfer und Munition. Außerdem wurden eine Funkzentrale und ein großes Medikamentendepot entdeckt. [2]

Bilder von Schettnienen und ausführlicher Bericht siehe

- Wulf D. Wagner, Stationen einer Krönungsreise, Berlin 2001,
- Wulf D. Wagner in Jenkner, Von Alt Passarge bis Zinten
- Wulf D. Wagner – Die Güter des Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen, S. 360 ff



[1] Hans-Wilhelm von Bronsart, Unbeschwerte Zeit, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, 2015, S. 28
[2] Königsberger Express, Ausgabe 6/2012

Hochzeit Albrecht und Almuth von Bronsart (Königsb. Express 2012)
Albrecht von Bronsart (Jenkner)
Grabstein vom Gutsfriedhof
Kriegsminister Paul von Bronsart (Jenkner)
 
 
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