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Brigorkino - Amt Carben/Karben

Das 1406 erstmals als prußische Siedlung Carwan urkundlich genannte Carben existiert nicht mehr. Der Orden verlieh Carben 1469 an Friedrich von Berenfelde. Dessen Tochter brachte das geerbte Gut ein in die Ehe mit Georg von Parck-Pareyken. Hans Wilhelm von Parck tauschte 1553 das Gut mit Herzog Albrecht gegen Gut Warnikam, so dass sich Carben seitdem als Vorwerk in landesherrlichem Besitz befand. 1628 wurde hier ein Kammeramt eingerichtet.

Der Große Kurfürst verschrieb Carben 1652 seiner ersten Frau Louise Henriette von Nassau-Oranien (1627 – 1667) zur Stärkung ihres Leibgedinges. Von hier aus startete 1679 Kurfürst Friedrich Wilhelm zu seiner berühmten Schlittenfahrt mit der Brandenburgischen Infanterie über das vereiste Frische und danach das vereiste Kurische Haff den Schweden entgegen. Hier befand sich das Amt Carben, das regelmäßig an einen Generalpächter vergeben wurde. Die Verpachtungsunterlagen sind erhalten und befinden sich heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. 1755 entstand ein dreiflügeliger Wirtschaftshof mit einem separaten Amtsgebäude, Ställen und Gärtnereien. 1930 änderte sich der Name Carben in „Karben“.

1760 heiratete der aus einer Heiligenbeiler Pfarrersfamilie stammende Gottfried Daniel Siegfried (1738 – 1799) die Tochter Marie Louise (1740 – 1761) des Amtmanns von Carben, Lederich, und wurde nach dessen Tod im selben Jahr sein Nachfolger als Amtmann und Pächter der Domäne. Er stieg bald zum Amtsrat auf und errichtete 1766 ein neues Amtshaus. Sein Sohn Ferdinand (1777 – 1846) folgte ihm 1799 im Amte nach. Als der preußische Staat Geld brauchte, um die französischen Kontributionsforderungen zu bedienen, musste er etliche Domänen verkaufen und Ferdinand Siegfried konnte 1811 das Amt Carben für 24.100 Reichsmark erwerben. Er wirtschaftete in der Folgezeit so gut, dass er seinen Söhnen 1825 das Waldgut Vorderwalde sowie die im Kreis Rastenburg gelegenen Güter Skandlack und Jäglack, wo Arno Surminski geboren wurde, kaufen konnte. Sein Enkel Erich Siegfried (1859 – 1935), Landrat von Heiligenbeil 1911 – 1919, wurde 1913 nobilitiert. Nach seinem Tod 1935 übernahm eine Erbengemeinschaft mit der Witwe Gertrud und den Söhnen Herbert (1886 – 1940) und Gerhard (1892 – 1960). die Verwaltung der Güter

Das Gut verfügte um 1930 über eine landwirtschaftliche Fläche von 650 ha, darin 417 ha Acker, 95 ha Wiese, 90 ha Weiden, 33 ha Forst. In Carben befand sich die älteste Deckstelle des Kreises, deren Stutbücher bis 1832 zurückreichten und die zudem sehr renommiert war. Etliche Landbeschäler, Turnierpferde und Remonten gingen aus der Zucht hervor. Überregional bekannt war der Fuchshengst „Landgraf II“.[1]

Das Gut Carben blieb bis 1945 im Besitz der Familie Siegfried. Das neue Gutshaus, das Oskar Ferdinand Siegfried (1825 – 1902) im klassizistischen italienischen Villenstil 1860 – 1862 erbauen ließ, wurde Anfang der 1950er Jahre gesprengt und der gesamt Ort weitgehend dem Erdboden gleich gemacht.[2] Einige Ställe des Gutshofes standen noch bis 1997 und wurden dann ihrer Ziegelsteine beraubt. Genadij Lebedintzew aus Heiligenbeil hat den Friedhof der Familie v. Siegfried, im Wald versteckt, von Wildwuchs befreit und pflegt ihn.[3] Den Park hatte in den 1870er Jahren der Gartenarchitekt Laraß gestaltet.

Der Gutsfriedhof wurde wohl ebenfalls nach 1945 eingeebnet. Dr. Oskar von Siegfried, heute in Bad Godesberg lebend, erreichte dennoch, dass er einen Gedenkstein aufstellen konnte – versteckt in einem Wäldchen des Gutes. Im Herbst 2007 erhielt der Gedenkstein ein Hinweisschild: „Carben – Brigorkino Siegfried 1764 – 1945“[4]

Weitere Details siehe Wulf D. Wagner – Die Güter des Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen, S. 106 ff

In jüngerer Zeit fand ein Russe mehrere Teile des Silberbestecks der Familie von Siegfried, das vor der Flucht offenbar hier vergraben und nicht von den Soldaten der Roten Armee entdeckt wurde. Es gehörte der letzten Gutsherrin, Ruth von Siegfried, geb. von Bolschwing, Witwe von Herbert von Siegfried, und das Wappen der Familie vonBolschwing, die auf Gut Schönbruch im Kreis Bartenstein ansässig war, ist auf dem Besteck angebracht. Dieses fertigte seinerzeit der Juwelier Oscar Werner in Königsberg. Ruth von Siegfried floh am 5. 2. 1945 über das Frische Haff.[5]


[1] Unbeschwerte Zeit - Jugendjahre auf ostpreußischen Gütern und Schlössern, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen 2015, S. 10
[2] Wulf D. Wagner, Vom Amt zum Rittergut, Oprbl. Nr. 24/04, S. 14 - aufgehoben
[3] Heimatbrief des Kreises Heiligenbeil, Mai 2012, S. 163
[4] Ortwin Springer „Friedhof-Gedenkstätte in Karben bei Heiligenbeil“, Heimatbr. Heiligenbeil, Mai 2008, S. 71
[5][Thilo von Siegfried, Brief, wiedergegeben im Heimatblatt des Kreises Heiligenbeil, Mai 2017, S. 95

Plakette für Landrat v. Siegfried
V. Siegfrieds Silberbesteck
 
 
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