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Kammeramt und Gemeinde Lochstädt

In der beginnenden Ordenszeit befand sich bei Lochstädt ein Tief als Passage für die Schiffe vom Haff zur Ostsee, das seit der Mitte des 13. Jhs. zu einem beliebten Durchgang für die Schiffer wurde. Es versandete jedoch, beginnend ab etwa 1308, um die Mitte des 15. Jhs. und wich dem 1426 entstandenen Tief bei Balga, bis ab etwa 1525 das Tief bei Pillau bis in unsere Tage der einzige Durchgang zwischen Haff und Ostsee wurde. Noch einmal 1583 entstand bei Lochstädt ein zwei Seile breiter Durchriß, doch jetzt verhinderte man die Entstehung eines neuen Lochstädter Tiefs.

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In der beginnenden Ordenszeit befand sich bei Lochstädt ein Tief als Passage für die Schiffe vom Haff zur Ostsee, das seit der Mitte des 13. Jhs. zu einem beliebten Durchgang für die Schiffer wurde. Es versandete jedoch, beginnend ab etwa 1308, um die Mitte des 15. Jhs. und wich dem 1426 entstandenen Tief bei Balga, bis ab etwa 1525 das Tief bei Pillau bis in unsere Tage der einzige Durchgang zwischen Haff und Ostsee wurde. Noch einmal 1583 entstand bei Lochstädt ein zwei Seile breiter Durchriß, doch jetzt verhinderte man die Entstehung eines neuen Lochstädter Tiefs.

In Lochstädt befand sich ein Kammeramt, das auch noch zur Herzogszeit existierte. Dieses war aber ein sehr kleiner Verwaltungsbezirk, der an Bedeutung verlor, als das Lochstädter Tief immer mehr versandete und man schon überlegte, ob man den Amtmann durch einen Kämmerer ersetzen sollte. Dazu kam es jedoch nicht, um Komplikationen mit dem hier residierenden Bernsteinamt zu vermeiden. Dieses Amt besaß einen hohen Stellenwert, denn es war für die Verwaltung des gesamten an der preußischen Küste gefundenen Bernsteins verantwortlich. 1392 hortete man auf der Burg über 50 Tonnen davon. Der Vertrieb lief jedoch über den Großschäffer in Königsberg und wohl auch den in Marienburg. Nach der Ordenszeit verlegte man das Bernsteinamt von 1581 bis spätestens 1613 nach Germau und holte es dann wieder nach Lochstädt zurück.

Schon zum Ende der Ordenszeit und in der Herzogszeit nutzte man die Möglichkeit, das Amt Lochstädt zu verpfänden. Auf diese Weise ging das Amt 1613 an Andreas Friedrich von Mohrenberg-Kallen und 1644 an den Pillauer Gouverneur von Podewils. Der ließ ein neues Brauhaus errichten, von dem die Garnison in Pillau zwangsweise das Bier beziehen musste, was zwar einen deutlichen Überschuss der Brauerei zur Folge hatte, aber die Zufriedenheit insbesondere der Pillauer Offiziere durch mäßige Qualität beeinträchtigte. Die Lochstädter machten dafür aber ihr salziges und brackiges Wasserverantwortlich, das erst Mitte des 18. Jhs. durch sauberes Wasser aus einer Wasserleitung ersetzt werden konnte.

Als die Burg unter Friedrich I. teilweise abgerissen wurde und im gleichen Zuge Pillau sich zu einer blühenden Gemeinde entwickelte, verlor Lochstädt stark an Bedeutung. Um sich von dieser Last zu befreien, vergab man Lochstädt 1805 in Erbpacht. Erster Pächter war der damalige Amtmann Krüger, 1811 dann der Pillauer Polizeidirektor Flach. Nach etlichen Pächterwechseln machte man aus der Domäne ein Gutsland. Ein Gutshaus entstand nahe der Burg. Ebenfalls in Nähe der Burg entstand von 1906 – 1914 eine „See-Heilstätte für Kinder“, ein imposanter Gebäudekomplex, in dem man 80 Kinder gesund pflegte.

Der maßgeblich am Attentat gegen Hitler beteiligte Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler hatte seine nächste Verwandtschaft in Lochstädt.

Ein eigenartiges Wetterphänomen wurde für Lochstädt kolportiert: es gäbe hier fast keine Gewitter – vielleicht Folge einer Wetterscheide.

Für die einstige am Seeklima orientierten Kinderheilstätte wurde 1906 der Grundstein gelegt. Kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs konnten die ersten Tbc-kranken Kinder aufgenommen werden. Einige Jahre später erfolgte der Ausbau für bis zu 350 Kinder. 1935 übernahm die Landesversicherungsanstalt Ostpreußen die Anlagen. Letzter Chefarzt war Dr. med. Goerdeler, ein Bruder des Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler. Nach dem 2. Weltkrieg blieb nichts von den Anlagen erhalten. Anstelle der alten, abgerissenen Gebäude entstanden einige viergeschossige Krankenhäuser, die der Pflege der in Nordostpreußen stationierten russischen Soldaten dienen.[1]


[1] R.G., Lungenheilanstalt Lochstädt war hochmodern, Ostpr.blatt Nr. 2/2012 (14. Januar), S. 14

Seeheilstätte 1915 (KG Samland)
 
 
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