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Der Allensteiner Fabrikant und Gutsbesitzer Max Lion

Ein Nachfahre von Max Lion, Herr Dr.-Ing. Siegfried G. Lion, übermittelte Informationen zu seiner Familie. Diese ist hugenottischer Abstammung und war immer konsequent evangelisch. Die Rückverfolgung der Familiengeschichte wurde bis zu einem Friedrich Christian Lion in Rheinsberg durchgeführt, der zu Zeiten des preußischen Kronprinzen Friedrich II dort gelebt hat.

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Ein Nachfahre von Max Lion, Herr Dr.-Ing. Siegfried G. Lion, übermittelte Informationen zu seiner Familie. Diese ist hugenottischer Abstammung und war immer konsequent evangelisch. Die Rückverfolgung der Familiengeschichte wurde bis zu einem Friedrich Christian Lion in Rheinsberg durchgeführt, der zu Zeiten des preußischen Kronprinzen Friedrich II dort gelebt hat.

Zu Max Lion hat Dr. Siegfried Lion folgenden Beitrag verfasst, der dem ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg vorliegt:

„Helmuth Max Lion wurde am 05.04.1861 in Henskischken/Hensken, Kreis Pillkallen/Ostpreußen, als Sohn von Carl Albert Louis Helmuth Lion und Albertine Henriette Lion, geb. Witt, geboren. Er erlernte das Schlosserhandwerk. Im Frühjahr 1883 begab sich Max Lion nach Allenstein, wo er am 01. April in der Hohensteiner Str. 8 in der Nähe des Lazarettes1 eine Schlosserei eröffnete.

Neben seinem Grundstück wohnte der Kreistierarzt Boesenroth. Am 31.12.1884 kam es zur Eheschließung mit Agnes Ottilie Boesenroth, einer Tochter des erwähnten Kreistierarztes August Wilhelm Boesenroth und Caroline Boesenroth, geb. Rarkowski. Letztere war eine Tochter des Jakob Rarkowski, der in den Jahren 1836 – 1865 Bürgermeisters von Allenstein war.

Aus der Ehe Max und Agnes Lion gingen die sechs Kinder Alfred, Ernst, Gertrud, Elisabeth, Klara und Erich hervor. Zunächst betätigte sich Max Lion als Kunstschlosser. Im Jahre 1888 wurde er anlässlich der Gewerbeausstellung im Kaisergarten für hervorragende Leistungen mit der bronzenen Medaille geehrt.

Max Lion erkannte das wirtschaftliche Potential, das durch die Verlegung zahlreicher militärischer Einheiten nach Allenstein entstand. Somit wurde die Fertigung von eisernen Feldbetten für die Allensteiner Garnisonen zum Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Außerdem fertigte er Geldschränke.

Finanziell gestärkt erwarb der ehrgeizige Unternehmer Land in der Feldmark zwischen der Kleeberger und der Schönwalder Chaussee und begann mit der Herstellung von Ziegelsteinen. Diese zunächst einfache Ziegelei mit Feldbrandofen modernisierte er später mit einem 16-kammerigen Ringofen (Variante: Zick-Zack-Ofen) und den dazugehörigen Einrichtungen. Aufgrund der guten Qualität seiner Erzeugnisse erlangte er besten Ruf und bekam umfangreiche Aufträge. Viele Kasernen, die neuen Regierungsgebäude, die zu Beginn des Jahrhunderts in Allenstein entstanden sind, und auch die Kopernikus-Schule wurden mit seinen Steinen gebaut. Die Dampfziegeleiwerke Max Lion florierten.

In dieser Zeit nutzte er die Gelegenheit, um das Gut Bergenthal mit 650 Morgen Land zu erwerben. Das alte Gutshaus wurde renoviert und als Wohnhaus für die Familie umgebaut. Im Januar 1901 kam es bei Auftauarbeiten an einer eingefrorenen Wasserleitung zu einem Feuer. Das Gutshaus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Neuaufbau dauerte ein ganzes Jahr. Heute ist in dem Haus das Naturkundemuseum untergebracht. Kriegsbedingt fehlten später die Arbeitskräfte zur Bewirtschaftung des Gutes. Deshalb entschloss sich Max Lion im Jahr 1917 das Gut zu verkaufen.

Die Familie zog in die Kaiserstraße 10 in Allenstein. Später wurde der Wohnsitz in eine Villa in der Freiherr-vom-Stein-Straße 5 verlegt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten es Max Lion, anlässlich der Gewerbeausstellung im Jahre 1910 in Jakobsberg einen Musikpavillon neben dem Mummelteich auf eigene Kosten zu erbauen. Er übereignete ihn der Stadt. Hierfür wurde er am 12. Dezember 1910 ins Goldene Buch der Stadt Allenstein eingetragen.

Max Lion wurde im Januar 1888 Stadtverordneter, am 13.03.1908 Stadtrat. Am 05.04.1921 wurde er zum Stadtältesten ernannt. Anlässlich der Beendigung seines 40 jährigen Dienstes für die Stadt am 13.01.1928 erhielt er die Ehrenbürgerrechte der Stadt Allenstein. Das Wohl der Stadt war Teil seines Lebenswerkes. Themen dieser Zeit waren im Stadtrat u.a. Straßenbeleuchtung, Kanalisation, Wasser- und Elektrizitätsversorgung und Straßenbahn. Max Lion war auch
Mitbegründer der Handelskammer Allenstein, der späteren Industrie- und Handelskammer Ostpreußen, 1921 ihr Vizepräsident. 1923 wurde er Präsident der Kammer und 1928 Ehrenpräsident. Auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923 gab auch die Handelskammer Geldscheine heraus. Ein Exemplar, das die Unterschrift von Max Lion trägt, ist abgebildet. Es ist die linke Unterschrift.

Die Ziegelei mit 250 Morgen Landbesitz war dem jüngsten Sohn Erich zugedacht. Dieser erhielt deshalb zu Lebzeiten des Vaters eine gründliche Ausbildung. Mit großer Begabung für Technik und landwirtschaftliche Zusammenhänge war der Sohn Erich die rechte Hand des Vaters, der die Leitung seiner Ziegelei bis zu seinem Tod beibehielt und höchste Anforderungen an seinen Sohn stellte. In der Ziegelei und der Landwirtschaft wurden bis zu 120 Personen beschäftigt.


Max Lion war passionierter Jäger. Er pachtete das Jagdgebiet Wienduga in der Nähe von Allenstein. Die Familie verlebte die Wochenenden häufig dort in ihrem Jagdhaus. Max Lion selbst und seine Vorfahren, die bis ins 18. Jahrhundert zur Stadt Rheinsberg zurückverfolgt werden können, besaßen evangelische Konfession. Mündlich überliefert ist hugenottische Abstammung. Max Lion verstarb am 31.03.1938 in Allenstein, vier Jahre nach seiner Frau, und wurde an seinem Geburtstag, am 05.04.1938, auf dem Evangelischen Friedhof in Jakobsberg beerdigt. Ein Bild von Max Lion hängt heute im Heimatmuseum der Stadtgemeinschaft Allenstein e.V. in Gelsenkirchen.

Die Informationen entstammen folgenden Quellen:

  • Funk, Anton, Geschichte der Stadt Allenstein, 2. Neudruck der Ausgabe 1955, Scienta Verlag Aalen, 1992,
  • Wedemann, Ernst, Lebenserinnerungen und private Aufzeichnungen, 1948 und 1953, unveröffentlicht,
  • Poschmann, Adolf, Kriegsgeld und Inflationsgeld, Unser Ermlandbuch, Heft 17, 1966, Fromm, Osnabrück,
  • Bonk, Allensteiner Stadtchronik (1802 – 1912), 4. Band – Urkundenbuch, Teil II,
  • Kleiner Stadtführer Allenstein, TESSA-Verlag, Saarbrücken. Das Bild vom Gutshaus Bergenthal wurde mit freundlicher Genehmigung des Verlages dem Stadtführer entnommen.
  • Lion, Alfred, mündliche Mitteilungen, Aufzeichnungen, Korrespondenz und Fotosammlung,
  • Lion, Jürgen, mündliche Mitteilungen
  • Lion, Manfred, genealogische Aufzeichnungen und Kopien v. Urkunden im Familienbesitz,
  • Vogelsang, Ernst, Die Koppernikus-Schule in Allenstein, Stadtgemeinschaft Allenstein e.V. Gelsenkirchen 2005
  • Archiv der Stadtgemeinschaft Allenstein e.V. in Gelsenkirchen“

Nachbemerkung: Nach der Flucht der Hugenotten Frankreich lebte zur Zeit Friedrichs des Großen in Rheinsberg der Tanzlehrer Friedrich Christian Lion. Einer seiner Nachkommen wanderte nach Ostpreußen aus und begründete die dortige Linie der Familie. (Allensteiner Nachrichten, 24. 4. 2008)

1 Das Lazarett entstand ab 1884.

 
 
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