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Chronik der Geschichte Angerburgs

  • In der Nähe einer seichten Stelle der Angerapp (Angrapa) siedelten schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen, wie einige Gräberfelder bezeugen, die man in der Gegend fand. Der Name des Flusses Angerapp kommt aus dem pruzzischen und bedeutet „Aalfluß“. Die Aale hatten hier offenbar eine lange Tradition und Angerburg war bis ins 20. Jh. hinein für seine Aale bekannt
  • Die an der Mündung der Angerapp in den Mauersee gelegene prußische Siedlung Angetete wurde 1256 von den Ordensrittern erobert[1]
  • Unter Hochmeister Dietrich von Altenburg legten die Ordensritter 1335 auf einer Flußinsel an der Einmündung in den Mauersee (jez. Mamry) ein Wildhaus an. Diese Verteidigungsanlage war gleichzeitig Ausgangspunkt für etliche Disziplinierungsexpeditionen gegen die feindlichen Litauer, den „Reisen“, an denen viele „Gäste“ aus dem westlichen Europa teilnahmen
  • Als die Litauer unter ihrem Fürsten Kynstut 1365 das Wildhaus zerstörten, errichtete der Orden eine neue Burg 2 km weiter nördlich an der Stelle, wo sie sich heute noch befindet. Die Burg aus Stein geht auf das Jahr 1398 zurück.
  • Neben der Burg entwickelte sich eine Ortschaft, aus der um 1450 bereits Vertreter zur Huldigung vor dem Hochmeister erscheinen. Allerdings wird diese Siedlung im 13jährigen Städtekrieg erheblichen Schaden genommen haben, denn für 1478 ist bezeugt, dass es nicht mal mehr eine Kirche gab. Als dann 1479 eine Kapelle gebaut wurde, nannte man den Ort Neudorf bzw. Neuendorf oder Geratewohl bzw. Gerothwol
    • Aufgrund seiner Zahlungsschwierigkeiten nach dem 13jährigen Städtekrieg verpfändete der Orden die Burg an die Brüder Hans und Anselm von Tettau. Später übergab sie Herzog Albrecht an Christoph Schenk zu Tautenberg[2]
  • Die offizielle Gründung von Angerburg erfolgte im Jahr 1514, als Hochmeister Albrecht von Brandenburg dem Dorf 60 Hufen verschrieb, davon 6 für den Schulzen Michel Pankewitz
  • 1490 und 1560 Aufstauung des Mauersees beim Bau der Wassermühle. Das Wasser stieg jeweils um 2 bis 3 Meter und setzte damit flache Landteile unter Wasser. Der See weitete sich nach Süden hin aus
  • Die Siedlung, die sich nördlich der Festung im Laufe des 15. Jhs. entwickelte, erhielt am 4. April 1571 unter Herzog Albrecht Friedrich, dem „blöden Herrn“, die Stadtrechte, das Wappen und ihren Namen: Angerburg. (Angerburger Privilegium). Die Stadt war nicht durch eine Stadtmauer, sondern nur durch die zahlreichen Seen in ihrer Umgebung und die Angerapp geschützt
  • Um die gute Entwicklung der Stadt zu fördern, entzog man 1601 dem konkurrierenden Engelstein das Recht auf einen Jahrmarkt und gewährte dafür Angerburg einen vierten Markt. Gleichzeitig wurden die Wochenmärkte am Mittwoch und Samstag ausgedehnt. Ab 1679 durfte am Tag vor den Jahrmärkten ein Vieh- und Pferdemarkt angehalten werden
  • 1656 wurde Angerburg von den Tataren zerstört. Allerdings blieb die Kirche verschont. Am 21. Februar 1656 wurden 200 Angerburger erschlagen und es war niemand mehr da, sie zu beerdigen. Die Leichname wurden von Hunden und Schweinen angenagt, so wird berichtet, und erst im nachfolgenden Frühjahr fand die feierliche Bestattung durch Pfarrer Uriel Betram (1631 – 1657) statt
  • Die Schweden lagerten 1679 unweit von Angerburg, aber es gelang dem Angerburger Stadtschreiber Bartholdi zusammen mit einigen Deputierten, sich von der durch den schwedischen Ober-Commissarius Jacob Schneckschild angedrohten Brandschatzung der Stadt durch Geld frei zu kaufen
  • Große Stadtbrände gab es 1608 oder 1609, als fast alle Häuser der Stadt samt Kirche und Rathaus abbrannten, 1706 mit dem Verlust zahlreicher Häuser, aber nicht der öffentlichen Bauten, und 1826
  • 1703 wurde eine Bürgerwehr gegründet, die aus 72 Gemeinen, 1 Kapitän, 1 Leutnant, 1 Fähnrich, 3 Sergeanten, 3 Korporalen und 2 Tambouristen bestand. Die Waffen musste jeder selbst beschaffen, Fahne und Trompete stellte die Stadtkämmerei zur Verfügung. Die meisten Opfer gab es aber offensichtlich durch die unvorsichtige Handhabung der Waffen beim Exerzieren, nicht durch den militärischen Ernstfall
  • Die Große Pest von 1709/1710 forderte auch hier zahlreiche Opfer. Den Lebenden und den Nachkommen zur Erinnerung pflanzte Angerburgs bekanntester Sohn, der Kirchenvertreter, Wissenschaftler und Heimatdichter Georg Andreas Helwing etliche Linden auf dem Kirchberg vor der Kirche, die heute, mächtig geworden, immer noch stehen. Damals sollen nur 150 Einwohner dieser schrecklichen Seuche entkommen sein. In der Stadt Angerburg starben 1.111 Einwohner, darunter Bürgermeister Thomas Anderson und Rektor Johann Christian Helwig und sämtliche Lehrer, und in den Dörfern des Kirchspiels Angerburg waren es 3.229 Menschen
  • 1718 wurde Angerburg Garnisonsstadt. Als erstes wurden Kürassieren des Generalmajors von Katte hier einquartiert. Doch es kamen so viele Soldaten in die Stadt, die auch noch eine bevorzugte Behandlung verlangten, dass sich die Freude der Bürger über den Zuwachs in Grenzen hielt. General Hans Heinrich von Katte war wohl streng, sorgte aber nachhaltig dür die Modernisierung der Gemeinde. Er ließ den linken Arm der Angerapp zuschütten, verbot die Entsorgung von Hausmüll auf den Straßen, ließ Strohdächer durch Ziegel ersetzen und die Stadt 1730 mit Straßenlaternen ausrüsten. 1740 wurden Stadt und Burg mit Wassserleitungen ausgestattet.[3] Als König Friedrich II. 1740 seine Huldigungsreise durch Ostpreußen unternahm, kam er auch nach Angerburg, wo er den Vater seines unglücklichen, in Küstrin hingerichteten Freundes Katte zum Feldmarschall ernannte.[4]
  • 1732 gelangten im Zuge des Retablissements 48 Salzburger nach Angerburg und integrierten sich dort erfolgreich
  • - 1734 und 1736 hielt sich König Stanislaw Leszczynski in Angerburg auf. Er war im polnischen Thronfolgekrieg 1733 – 1738 nach dem Tod von August dem Starken der Thronfolgekandidat Frankreichs, auch Schwiegervater des französischen Königs Ludwig XV. Russland, Österreich und Sachsen bevorzugten dagegen den Sohn Augusts des Starken, August III. Leszczynski musste deshalb aus Warschau fliehen, als russische Truppen anmarschierten, und wich nach Königsberg und Angerburg in Preußen aus. In Angerburg hatte er auch Kontakt mit Georg Andreas Helwing, der ihm sogar eine Fossiliensammlung verehrte.[5]

  • In der 2. Hälfte des 18. Jhs. entstand eine Saffian- und Juchtenlederfabrik. Der Getreidehandel war lebhaft und der Umsatz der seit 1717 bestehenden Salzfactorei stieg beachtlich

  • Auf Kosten der Stadt musste 1807 im Schloss ein russisches Militärlazarett eingerichtet werden. Kranke Russen verbreiteten Typhus. Nachfolgende Franzosen und Polen plünderten und requirierten in erheblichen Umfang. So plünderten polnische Kavalleristen nach dem Frieden von Tilsit das Salzmagazin, transportierten 2.092 Tonnen Salz ab und nahmen auch noch die Stadtkasse mit. Nachfolgende Franzosen raubten Bekleidung, Lebensmittel, Branntwein, Pferde, Wagen etc., und anschließend musste die Stadt auch noch erhebliche Kontributionen leisten
  • 1820 Einrichtung der kgl. Kreiskasse
  • 1821 Eröffnung des Landratssitzes in Angerburg
  • 1826 Start der Postanstalt
  • 1829 entstand in Angerburg das erste Lehrerseminar Masurens
  • 1831 bei einer landesweiten Choleraepidemie erkrankten in Angerburg 374 Personen, von den 151 starben. Mehrere Familien erloschen ganz und 30 Kinder wurden Vollwaisen. Eine allerdings nicht ganz so schlimme Choleraseuche brach bereits 6 Jahre später aus und 1855 raffte die Cholera in der Stadt noch einmal 300 Menschen dahin
  • 1849 Arbeitsaufnahme des Landgerichts
  • In der Mitte des 19. Jhs. häuften sich wetterbedingte Missernten durch Nässe und Frost, unter denen besonders die ärmeren Stadtbewohner zu leiden hatten. Teilweise brach unter ihnen sogar eine richtige Hungersnot aus, gegen die auch öffentliche Suppenküchen nicht ankamen. Der Staat verbot die Ausfuhr von Getreide und Kartoffeln und schloss sämtliche Brennereien. Dennoch nahmen Bettelei und Diebstähle stark zu
  • In Verbindung mit der Einweihung des Nähe-Kanals 1856, der eine Flussschleife der Angerapp zwischen Stadt und Mauersee abschnitt, baute man den kleinen Hafen am Schloss aus, der Fischer- und Sportbooten, aber auch Passagierschiffen das Anlegen ermöglichte. In dieser Zeit bis ins 20. Jh. stand die Angerburger Tuch- und Brauindustrie in gutem Ruf
  • 1878 Verlegung des Landgerichts und der Staatsanwaltschaft nach Lyck wegen fehlenden Straßenausbaus und weil kein Eisenbahnanschluß vorhanden war
  • 1880 gründete Anna Gräfin Lehndorff die Wohltätigkeitsanstalten Bethesda als Siechenheim für Arme, Krüppel und Blinde. Nach dem Ausbau dieser Einrichtung durch Superintendent Hermann Braun war die Provinzial-, Heil-, Lehr- und Pflegeanstalt »Bethesda« mit 35 Gebäuden die zweitgrößte Anstalt der Inneren Mission in Ostpreußen nach Carlshof im Kreis Rastenburg
  • 1898 erfuhr Angerburg durch den Anschluß an das Bahnnetz nach Gerdauen, später Goldap - Lötzen - Rastenburg - Magrabowa und Gumbinnen doch noch einen er¬heblichen wirtschaftlichen Aufschwung.
  • Zur Jahrhundertwende entstehen das Gaswerk und das Wasserwerk
  • Im 1. Weltkrieg ordneten die Behörden am 22. August 1914 wegen Anmarsch der russischen Armee die Räumung der Stadt Angerburg an. Am folgenden Tag war die Stadt weitgehend geräumt bis auf einer Reihe finsterer Gestalten, die einige Geschäfte plünderten, bevor nachmittags die Russen unter General Rennenkampf Einzug hielten. Die zurückgebliebenen Bürger wählten nun den Kaufmann Franz Tietz zum Bürgermeister und Landrat, um den Russen den geforderten Verhandlungspartner stellen zu können. Die Stadtkasse übernahm Apotheker Max Rademacher. Zwar hatte die Armeeführung den Schutz des Eigentums zugesagt und die Offiziere zahlten auch großenteils ihre Zeche. Dennoch wurde umfangreich eingebrochen, geplündert und geraubt. Am 10. September 1914 zogen die Russen fluchtartig ab, nicht ohne noch 11 Zivilisten zu erschießen, die Bahnbrücke zu sprengen, mehrere Scheunen und Speicher anzuzünden und etliche Bagage mitzunehmen. Bei einem zweiten Einmarsch in Ostpreußen kamen die Russen nur noch bis 6 km an Angerburg heran, bevor sie von Hindenburg in der Winterschlacht endgültig aus dem Land gedrängt wurden. Nunmehr konnte sehr bald der Wiederaufbau und die Schadensbeseitigung beginnen.
  • 1922 entstand hier Ostpreußens größte Fischzuchtanstalt. Zwischen den Kriegen entwickelte sich Angerburg zu einem Eissegel- und Segelsportzentrum.
  • 1925 Elektrifizierung Angerburgs
  • 1930/31 Installation eines Kanalisationssystems
  • im 2. Weltkrieg wurde Angerburg zu 80 % zerstört

[1] Malgorzata Jackiewicz-Garniec/Miroslaw Garniec, Burgen im Deutschordensstaat Preußen, Olsztyn 2009, S. 433
[2] Malgorzata Jackiewicz-Garniec/Miroslaw Garniec, Burgen im Deutschordensstaat Preußen, Olsztyn 2009, S. 436
[3] Malgorzata Jackiewicz-Garniec/Miroslaw Garniec, Burgen im Deutschordensstaat Preußen, Olsztyn 2009, S. 438
[4] Horst Schulz, Der Natanger Kreis Preußisch Eylau, 1972, S. 187
[5] Katarzyna Danilewska, Georg Andreas Helwing – evangelischer Priester aus Angerburg, Masurische Storchenpost, August 2017, S. 14/15

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