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Gusevo - Groß Gnie

Nördlich von Klein Gnie Richtung Muldszen liegt Gusevo - Groß Gnie. Dieses Gut gehörte zu den landschaftlich schönsten Gütern in Ostpreußen. Erst 1887, als der Gutsbesitzer Carl Johann Heinrich Gutzeit (1826 – 1887) starb, wurde Groß Gnie zu einem selbständigen Rittergut mit einer Fläche einschließlich der Vorwerke von 1.140 ha, das der jüngere Sohn Walter Gutzeit (1860 – 1910) erbte, der seit 1887 mit Helga Steputat (1869 – 1930) aus Bokellen verheiratet war.

1897 entstand ein repräsentatives Herrenhaus anstelle des bisherigen Verwalterhauses. Während des 1. Weltkriegs, als die Familie Gutzeit geflohen war, logierte hier einige Tage der russische General Rennenkampf, bekocht von der zurückgebliebenen Küchenmamsell. 1921 übernahm der Sohn Horst Gutzeit (1889 – 1966) den Betrieb. Er war seit diesem Jahr mit Helga Kautz (1900 – 1985) aus Klein Schmückwalde im Kreis Osterode verheiratet, deren Familie mit der Familie Wien verwandt war, der der Nobelpreisträger Wilhelm Wien entstammt.

Nachdem der alte Getreidespeicher samt 200 Tonnen Getreide 1924 abbrannte, wurde ein moderner dreigeschossiger Speicher mit elektrisch betriebenen Elevatoren, mit Mahlwerk, Mehlkammer, Reinigungs- und Sortieranlagen für Getreide und Hülsenfrüchte neu gebaut. Dieser Speicher hat offenbar den Krieg und die Nachkriegszeit überlebt.

Aufgrund des Fluchtbefehls am 21. Januar 1945 durch Herrn Schwill aus Klein Gnie begann der Aufbruch. 84 alte Frauen und Frauen mit Kindern sollten mit der Bahn flüchten, was aber misslang. Die Treckwagen aus Groß Gnie setzen sich wie vorgesehen in Bewegung. Ein Teil wurde bereits bei Landsberg von der Roten Armee überrollt, der Rest bei Rügenwalde in Pommern. Alle erlebten die üblichen Gewalttaten der Soldateska. Horst Gutzeit wurde zwei Mal verhaftet und verhört, kam aber letztlich frei. Nur der 1. Gespannführer konnte mit drei Familien in die Gegend von Pinneberg entkommen. Von 335 Einwohnern in Groß Gnie fielen 7 bei der Wehrmacht, jedoch 40 verloren ihr Leben auf der Flucht, starben an Hunger oder Typhus bzw. wurden erschossen.

Das Gutshaus in Groß Gnie diente bis 1969 als Disco, stand danach ungenutzt, brannte ab und wurde mangels Verwendungszweck abgerissen. Überlebt haben dagegen etliche Wirtschaftsgebäude, Stallungen, der Speicher, Insthäuser und das Verwalterhaus.[1]

Details zum Gut Groß Gnie siehe Wulf D. Wagner „Kultur im ländlichen Ostpreußen“. Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gerdauen“, Husum Verlag 2008, S. 612 – 620



[1] Peter Gutzeit, Urlaub mit der Familie im Elternhaus, Oprbl. Nr. 10/04, S. 13

 
 
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