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Gebäude und Institutionen in Memel

Am 27. 7. 1258 wurde die Nikolauskirche in Memel, die für die Landgemeinden zuständige spätere Jakobuskirche, zur Mutterkirche und die Johanniskirche zur Pfarrkirche bestimmt.

Die Landkirche, bis zum 1. Weltkrieg St. Nikolai geweiht, wurde nach der Abtrennung des Memellandes zur Jakobuskirche. Als Landkirche wurde sie 1686 in die Friedrich-Wilhelm-Strasse verlegt und 1681 - 1687 neu gebaut. Obwohl es Bemühungen der zurückgebliebenen Memelländer gab, die Kirche, die im Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war, wieder herzurichten, schuf das sowjetische Militär einfach Tatsachen, indem es die Wände des Kirchenschiffs von Panzern einreißen ließ.[1] (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Nikolauskirche)

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Am 27. 7. 1258 wurde die Nikolauskirche in Memel, die für die Landgemeinden zuständige spätere Jakobuskirche, zur Mutterkirche und die Johanniskirche zur Pfarrkirche bestimmt.

Die Landkirche, bis zum 1. Weltkrieg St. Nikolai geweiht, wurde nach der Abtrennung des Memellandes zur Jakobuskirche. Als Landkirche wurde sie 1686 in die Friedrich-Wilhelm-Strasse verlegt und 1681 - 1687 neu gebaut. Obwohl es Bemühungen der zurückgebliebenen Memelländer gab, die Kirche, die im Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war, wieder herzurichten, schuf das sowjetische Militär einfach Tatsachen, indem es die Wände des Kirchenschiffs von Panzern einreißen ließ.[1] (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Nikolauskirche)

Die Stadtkirche St. Johannis erhielt ihre Weihe am 27. 7. 1258. Am 1. 2. 1290 trat der Bischof von Kurland seinen drittel Anteil an der Johanniskirche an das Kurländische Domkapitel ab und dieses überließ die Kirche 1298 dem Orden im Tausch gegen die Pfarrkirche in Windau. Nach dem Schwedeneinfall von 1696 verlegte man die Kirche von der Memelburg, wo sie zu nahe an den Befestigungsanlagen an der Dange lag, in die Marktstrasse. Mit dem Bau der Johanniskirche begann man 1696, ihre Einweihung erfolgte am 18. 1. 1706 und der Turm folgte 1710. Für die Einrichtung übernahm man das Mobiliar der 1540 erbauten Kirche mit dem massiv vergoldeten Altar, den einst ein polnischer Großgrundbesitzer aus Litauen gestiftet hatte. Auch die 1620 in Elbing gegossenen Glocken wurden übernommen.

Die Johanniskirche wurde 1856 – 1858 unter Leitung des Hafenbauinspektors Bleek zur dreischiffigen gewölbten Hallenkirche ausgebaut. Der 75 Meter hohe Turm kam 1864 aufgrund der Spende eines Gemeindemitglieds hinzu. Friedrich Wilhelm IV. stiftete das Altargemälde, ein Werk von Bouterwieck „Christus auf dem Ölberge“. Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche von Bomben getroffen und von den Sowjets später abgerissen. Das Gelände wurde zum Industriegebiet mit Müllhalde. Nach litauischem Recht könnte nach der Wiederentdeckung der Fundamente das Grundstück der evangelischen Kirche zurückgegeben werden.[2] Eine Hecke symbolisiert heute den Grundriß der Kirche. Über den Wiederaufbau der zerstörten und beseitigten Johanniskirche in Memel streitet man, weiß aber nicht mal, woher das Geld kommen sollte. (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Johanniskirche). Während der 760- Jahr-Feier der Stadt Memel legte man am 1. August 2012 den Grundstein für den Bau der neuen Johanniskirche, maßgeblich herbei geführt von der Initiativgruppe zum Wiederaufbau der Johanniskirche unter ihrem Leiter Jurgies Ausra. Über der Stelle, an der der Grundstein eingemauert wurde, erinnert ein großer Gedenkstein an die Grundsteinlegung.[8]

Archäologen haben in Memel auf dem Areal der ehemaligen Konditorei am Ende der Marktstrasse die Fundamente der alten, fast schon vergessenen Johanniskirche und eine Krypta freigelegt. Vielleicht soll auf dem Gelände auch ein Hotel entstehen. Der Grabungsleiter vom Institut für Baltische Geschichte und Archäologie, Ginautas Zabiela, legte bisher 59 Gräber frei, und das muss nicht das Ende sein.

Die älteste Kirche der Stadt war die Burgkirche St. Marien, erstmals urkundlich erwähnt 1291. Sie brannte 1679 beim Einfall der Schweden ab. (Details siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Marienkirche)

Eine Reformierte Gemeinde gab es in Memel seit dem Beginn des 17. Jhs. 1681/83 ließen sie ein Gotteshaus errichten. Diese baufällig gewordene Reformierte Kirche riß man 1775 ab und errichtete bis 1794 einen massiven Neubau. Nach dem großen Stadtbrand von 1854, dem auch die Reformierte Kirche zum Opfer fiel, entstand 1859/60 ein Neubau. Die Sowjets ließen sie nach dem Krieg abreißen. (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Reformierte_Kirche)

Der Zuzug katholischer Arbeiter aus Schamaiten machte eine entsprechende seelsorgerische Betreuung erforderlich. Deshalb entstand 1782 - 1784 eine Katholische Kirche als Holzbau, deren Turm den Schiffern als Landmarke vertraut war und deshalb, nachdem der alte Turm 1799 abgetragen werden musste, 1812 erneut entstand. (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Katholische_Kirche)

Zeitweilig existierte eine "English Church", die 1900 von der evangelischen Gemeinde als Filiale von St. Johannis für die Hafengegend übernommen wurde. Sie wurde am 2. 8. 1863 eingeweiht, als die meisten englischen Familien bereits wieder fortgezogen waren oder sich assimiliert hatten. Auch die englischen Seeleute wurden dank immer kürzerer Liegezeiten der Dampfer weniger. Nach 20 Jahren war die Kirche verwaist und ging an die Evangelischen. (Details und Bilder siehe unter http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Englische_Kirche)

1851 wurde die Baptistenkapelle im Neuen Park eingeweiht. Beim großen Brand 1864 blieb die Kapelle unbeschädigt. (Siehe auch http://wiki-de.genealogy.net/Memel/Baptistengemeinde)

Die altehrwürdige Zellulosefabrik, deren Maschinenanlage veraltet und unbrauchbar war, begann man, abzubrechen. Doch bevor sie ganz von der Bildfläche verschwinden konnte, haben Einsprüche dem Abriss ein Ende bereitet. Als Denkmal soll ein Teil des Schornsteins und mindestens ein Gebäude erhalten bleiben.[3]

1845 erwarb die Stadt das ehemaligen Consentiussche Anwesen in der Börsenstrasse, in dem 1807 das Königspaar gewohnnt hatte, für 13.000 Taler und richtete es als Rathaus her. 1876 wurde das Gebäude ausgebaut sowie Dach und Fassaden stark verändert. Das Kreishaus wurde am 27. 10. 1894 eingeweiht.

Der Neubau des Kreisgerichts in der Holzstrasse begann 1860. Vorher hatte es im Kommandantenhaus der Festung getagt und dort z. B. 1851 das erste Todesurteil gegen Marinke Kurschus (warum?) gefällt. 1885 erhielt Memel auch ein Landgericht.[4]

Das Schützenhaus mit großem Festsaal und Garten der nach dem Siebenjährigen Krieg eingegangenen und 1838 neu ins Leben gerufenen Schützengilde, einst die größte Deutschlands, wurde um die Wende zum 20. Jh. gebaut.

Ab 1900 Bau von Wasserleitung und 1915 Bau der Kanalisationsanlagen. 1902 Bau des Städtischen Krankenhauses, Es hatte vor der Räumung der Stadt 1945 350 Betten und sechs Fachabteilungen. Einweihung des Wasserwerks am 2. 8. 1902[5] Die 1904 eingeführte Straßenbahn wurde 1934 durch Busse abgelöst. Die Straßenbahnschienen wurden entfernt und die Strasse neu gepflastert. Das Rot-Kreuz-Krankenhaus, in der Bahnhofstrasse erbaut in litauischer Zeit, hat den Krieg überstanden.

Die Auguste-Victoria-Schule wurde als Mädchenschule am 24. 10 1911 eingeweiht. Sie war damals die modernste Schule in Deutschland mit Zentralheizung, automatischer Temperaturregelung und zentraler Lüftungs- und Entstaubungsanlage, großer Aula, großer Turnhalle. Zuletzt Lazarett und unter den Sowjets ebenfalls als Schulgebäude genutzt.

Weitere Schulen waren das Luisengymnasium als gelber Backsteinbau sowie die Altstädtische Knabenmittelschule mit geräumiger Aula, Werkraum für Holzarbeiten mit Hobelbänken, Drehbank etc und Raum zum Erlernen des Maschinenschreibens, was recht fortschrittlich war. Die Kantschule als Prunkstück städtischer Schulbauten, die auch zur Sowjetzeit als Repräsentationsbau galt, hat überlebt. Die Simon-Dach-Mädchenschule am Neuen Park wurde irgendwann erheblich neu- und ausgebaut. Das Vytautasgymnasium in der Bahnhofsgegend, erbaut in litauischer Zeit, überstand den Krieg.

Das heute noch existierende Postgebäude wurde 1893 neugotisch in der damaligen Alexanderstrasse errichtet und löste die Alte Post von 1816 ab.

Seit 1996 existiert das Simon-Dach-Haus in der Juros g 7 (LT-92127 Klaipeda; www.vdd.lt) am Rande der Altstadt in Memel mit Bibliothek mit deutschen Büchern, Vorführraum, Schulungsräumen und Büros. Dort haben der „Verein der Deutschen in Klaipeda“, der deutsche Verein „Edelweiß-Wolfskinder“ und die Redaktion der Deutschen Nachrichten für Litauen ihren Sitz.

Der Verein der Deutschen in Klaipeda wurde 1989 als Deutsch-Litauischer Kulturverein gegründet. 1993 änderte man dann den Namen in „Verein der Deutschen in Klaipeda“. Der ist heute Mittelpunkt der Deutschstämmigen in Memel und Umgebung und zählt 2009 rd. 400 Mitglieder. Auf Initiative des Vereins wurde 1992 die Hermann-Sudermann-Schule gegründet, anfangs mit je einer Klasse 1 – 4. Heute sind es 24 Klassen mit über 540 Schülern und 60 Lehrkräften. Es ist eine litauische staatliche Schule für die deutsche Minderheit, die einzige deutsche Volksgruppenschule in Litauen.[6]

Der Simon-Dach-Brunnen mit der Figur des Ännchen von Tharau von Alfred Künne vor dem Theater wurde 1939 vom Theaterplatz auf den Hindenburgplatz in der Bahnhofstrasse verlegt, weil der Theaterplatz auf Aufmarschgelände vorgesehen war.

Ein Theater gab es in Memel seit 1775. Den alten Packhof an der Dange baute man 1803 zum Schauspielhaus um. 1814 verkaufte man das Haus und es entstand ein Theaterneubau am Exerzierplatz, dem späteren Neuen Markt, der am 1. 1. 1820 eingeweiht wurde. Bald nach der Ankündigung des Stücks "Spielt nicht mit dem Feuer" zerstörte ein Großbrand am 4. Oktober 1854 auch das Theatergebäude. Das wieder aufgebaute Schauspielhaus wurde 1860 für Theateraufführungen frei gegeben. Als das Haus 1904 von der Stadt Memel übernommen wurde, erfolgte eine gründliche Renovierung.

Der Memeler Friedhof mit seinen alten Bäumen dehnte sich im Laufe der Zeit bis zu den Städtischen Betriebswerken am Dreiblatt aus. Zwischen Straße und Friedhof wurde ein kleine Anlage geschaffen, wo die Friedhofskapelle ihren Platz erhielt. Kämmereihof, Stadtgärtnerei und Friedhof bildeten eine organische Einheit. Der Hindenburghain gegenüber dem Exerzierplatz war ein Heldenfriedhof für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Das granitene Ehrenmal war noch 1967 zu sehen.

Eine der schönsten Bürgervillen Memels wurde nach 1936 nach gründlicher Renovierung ein Heim für die Memeler Stadtbücherei mit Lesesaal, Zeitschriftenzimmer und Ausleihe.

Nach dem Fürstenschloss in der Hauptstadt Vilnius (Wilna), das 200 Jahre nach seiner Zerstörung neu ersteht, bildet die Memelburg das zweite spektakuläre Wiederaufbau-Projekt. Von 2009 an soll sie in der Gestalt des 17. Jahrhunderts nachgebaut und bis zum Jahr 2013 fertig gestellt werden. Es wird mit Kosten von 42 Mio. € gerechnet. Offizielle Abbildungen zeigen eine kastellartige Anlage mit fünf runden Ecktürmen, vier Bastionen, hoher Böschung und Wassergraben. Es sollen neben dem Konferenzzentrum ein Museum für die Geschichte Kleinlitauens, ein Zentrum für historisches Handwerk, Bildungseinrichtungen sowie die Tourismuszentrale einziehen. Die schönsten Räume bleiben der Stadt für Repräsentationsveranstaltungen vorbehalten. Die Eröffnung ist im Rahmen der litauischen EU-Präsidentschaft 2013 geplant.[7]

Seit 2002 steht am Bahnhof aus Anlass des 750jährigen Stadtjubiläums die Skulptur „Abschied“, die eine Mutter mit ihrem Kind an der Hand und kleinem Gepäck zeigt und symbolisch auf das Verlassen der Heimat 1945/45 hinweist. Getiftet wurde diese Figurengruppe von der Arbeitsgemeinschaft Memellandkreise. Der Entwrf stammt von Janischowski und Partner, Steinfurt, und gegossen wurde sie von Butzon + Becker in Kevelaer.[9]

Viele Informationen über die Gebäude in Memel finden sich bei Heinrich A. Kurschat, Das Buch vom Memelland, 2. Aufl. 1990.



[1] Heinrich A. Kurschat, Das Buch vom Memelland, 2. Aufl. 1990, S. 459
[2] BK, St. Johannis in Memel freigelegt, Oprbl. Nr. 43/06, S. 13
[3] Viktor Kittel aus Sylt, oprforum, 31. 8. 2007
[4] Heinrich A. Kurschat, Das Buch vom Memelland, 2. Aufl. 1990, S. 312
[5] Heinrich A. Kurschat, Das Buch vom Memelland, 2. Aufl. 1990, S. 314
[6] PAZ, Geldsorgen in Memel, Oprbl. Nr. 18/09 (2.Mai), S. 13
[7] Die Welt online, 29. 12. 2008
[8] Karin Gogolka, "Auf eine glückliche Zukunft", Oprbl. Nr. 34/2012 (25. August), S. 13
[9] Brigitte Stramm, Im Heimatkreis Juli 2018 und die Sommerreise, von tohus, Winter 2018, S. 60)

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Memel Altstadt (Arne Woest, 2016)
Memel Stadtbild (A. Woest, 2016)
Memel Stadtbild (A. Woest, 2016)
Memel Altstadt (Arne Woest, 2016)
Memel Altstadt (Arne Woest, 2016)
Haus nahe der Dange 2002
Hotel Memel (Arne Woest, 2016)
Memel Tomo Gatve (Arne Woest, 2016)
 
 
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