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Die Kirche in Gr. Peisten

In der Nähe der Stadt Landsberg befand sich das adlige Gut Gr. Peisten, das die einzige Gutskirche und das jüngste Gotteshaus im Kreise besaß, wenn man von der erst 1936/37 neuerbauten Kirche in Stablack absieht.

Die Kirche stammte nicht wie alle anderen des Kreises aus der Ordenszeit, sondern war aus einer Guts–Kapelle hervorgegangen und wurde erst 1615 – 1618 von der Familie von Kreytzen erbaut. Diese Adelsfamilie war damals eine der bedeutendsten von Ostpreußen, und ihr gehörten ausgedehnte Besitzungen in Natangen; das Hauptgut allerdings war Gr. Peisten.

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Geschichte der Gutskirche Groß Peisten

Teil I

Von Wilhelm Strüvy dem letzten Patron der Kirche
Nach dem Kriege verfasst

In der Nähe der Stadt Landsberg befand sich das adlige Gut Gr. Peisten, das die einzige Gutskirche und das jüngste Gotteshaus im Kreise besaß, wenn man von der erst 1936/37 neuerbauten Kirche in Stablack absieht.

Die Kirche stammte nicht wie alle anderen des Kreises aus der Ordenszeit, sondern war aus einer Guts–Kapelle hervorgegangen und wurde erst 1615 – 1618 von der Familie von Kreytzen erbaut. Diese Adelsfamilie war damals eine der bedeutendsten von Ostpreußen, und ihr gehörten ausgedehnte Besitzungen in Natangen; das Hauptgut allerdings war Gr. Peisten.

Kirchort war damals Hanshagen, das auch zur Kreytzen’schen Besitzung gehörte. Da diese Kirche aber weit entfernt war, wurde nach dem Neubau Peisten zur Hauptkirche und Hanshagen zur Filia. Diese Einteilung bestand bis in die letzte Zeit und der Pfarrer von Peisten hielt regelmäßig Gottesdienste in der Hanshagener Kirche.

Die Kirche von Peisten war ein verputzter Bau aus Steinen und Ziegeln und erhob sich auf einem gestreckten achteckigen Grundriss, der sonst den einstigen hölzernen Landkirchen Ostpreußens eigentümlich war. An den Ecken waren leicht vorspringende, zierliche Pfeiler aufgeführt, und abgetreppte Fensterleibungen mit Bogenfenstern gliederten gleichfalls den Bau auf, der 26 m lang und 8,5 m breit war.

Auf dem westlichen Dach befand sich als Dachreiter ein hölzerner Turm mit einer runden Kuppel auf Säulen, deren Wetterfahne die Jahreszahl 1627 * aufwies.

An der Nordseite der Kirche war ein breiter Vorbau aus Feldsteinen mit Vorhalle und Gruft angebaut, in dessen Obergeschoß sich eine zum Kirchenschiff geöffnete Gutsloge befand.

An der Südseite war die Sakristei mit gemalter Decke angebaut, ein Bau aus der Zeit um 1730.

Das Innere der Kirche bot eine Besonderheit in Ostpreußen dar, denn es war im reinen Stil des Spätbarocks gehalten. Der erste Bau wurde 1684 durch ein Feuer teilweise vernichtet, danach erfolgte der Neubau mit der genannten einheitlichen Ausstattung.

Eine flache Decke aus Stuck breitete sich über den Raum; ihre Ecken füllten Stuckaturen aus, Bildnisse der vier Evangelisten. Das irdische Jerusalem, die Ausgießung des Heiligen Geistes und der Altar des Tempels Salomons waren die Motive von Deckengemälden.

Die Gutsloge hatte gleichfalls eine Stuckdecke und einen Kamin in Stuck.

Von kunsthistorischem Wert waren auch andere Stücke der Ausstattung. Prof. Dr. Ulbrich vermutete die Zeit um 1715 als Entstehungsjahre des reich dekorierten Altaraufsatzes, der in zwei Geschosse geteilt war. Im unteren standen je zwei korinthische Säulen um das Hauptbild „Christus am Kreuz“. Gewundene Säulen umgaben das obere Bild, eine Darstellung des Passahfestes. Engel, Prophetengestalten und eine Fülle von Rankwerk belebten Fries und Gesims. In der Bekrönung stand Gott-Vater mit der Weltkugel und der Heiland mit dem Kreuz, umgeben von Engeln und verklärenden, Wolken durchbrechenden Strahlen.

An der Kanzel waren über der Tür die Gestalten der Evangelisten Matthäus und Markus angebracht. Zwischen ihnen, gleichsam aus den Wolken niedergleitend, hielt ein Engel ein geöffnetes Buch.

Schöne Schnitzereien wies auch ein gleichaltriger Beichtstuhl auf.

Auf dem Gutsstand war das Wappen der Finck zu Finckenstein dargestellt; als Wappenhalter dienten auf dem Bodengebälk sitzende Engel. Auch an der Öffnung der Gutsempore befanden sich sechs Engelfiguren.

Den Eindruck des wirklichen Schwebens rief der pausbäckige, derbe Taufengel durch seine kühne Bewegung und durch die flatternde Gewandung hervor.

Die Doppelorgel soll der Überlieferung nach 1630 von Bartenstein übernommen worden sein. Musizierende Engel an den Emporen und geschnitzte Stoff- und Quastenbehänge waren ihr wirkungsvoller Schmuck

Die Glocken waren von 1671 und 1778; das Altargerät aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Künstlerischen Wert hatte auch ein großes Epitaph für Albert von Kreytzen (gest. 1612) sowie ein Grabstein des Obermarschalls Wolff von Kreytzen (gest. 1672) vor der Kanzel (s. Nachtrag).

In der Vorhalle erkannte man trotz ihrer Verwitterung durch Wasserschäden Familienbilder der Kreytzen, ebenso befanden sich solche in der Gutsloge. Ein Ölbild hinter dem Altar sollte angeblich den Stammvater des Geschlechtes, Melchior von Kreytzen, als Anführer einer Kämpferschar auf dem Schlachtfeld von Tannenberg 1410 darstellen. Doch stimmte diese Sage nicht mit der Wirklichkeit überein, denn Melchior von Kreytzen, geb. 1475 in Meißen, kam erst 1498 mit Friedrich von Sachsen nach Preußen. Er wurde der Hofmeister und Ratgeber des schon fürstlich auftretenden Hochmeisters und erhielt 1504 durch Einheirat den Besitz Domnau. Gr. Peisten besaß dieses Geschlecht seit 1547.

Die betende Gestalt eines Anfangs des 18.Jahrhunderts verstorbenen Angehörigen dieser Familie war auf einer Totenfahne abgebildet, die über der Kanzel der Kirche in Peisten hing.

Als literarische Zeugnisse einer beschaulichen, aber auch wundergläubigen Zeit sind zwei Bücher zu erwähnen, die zu den Schätzen der Kirche gehörten: Johann Arndts „Paradiesgärtlein“ (Lüneburg 1641) mit silbernem Beschlage. Laut Urkunde war es in einem silbernen Kasten von der Familie von Kreytzen bei der erwähnten Feuersbrunst gerettet worden.

Das andere Buch enthielt den Bericht eines Pfarrers von Rudau über ein Blutwunder, das sich an diesem Samländischen Ort zugetragen haben soll.

Die Kirche von Gr. Peistern, die äußerlich das Bild einer kleinen ostpreußischen Landkirche bot, wies mehr auf, als dies der fremde Besucher ahnen konnte. Er war überrascht, wenn er ihr Inneres betrat. Werke tüchtiger Bildhauerarbeit zeugten für die Gestaltungsfreude einer phantasiereichen und kraftbewußten Zeit, in der die kirchliche Kunst Ostpreußens einen hohen Stand erreichte. Die ansässigen Landgeschlechter wetteiferten darin, sie zu fördern, und es galt ihnen als Verpflichtung und auferlegtes Gebot, die Gotteshäuser zu schmücken.

Die Kirche Gr. Peisten, die unter dem Patronat der dortigen Gutsherren stand, war ein Musterbeispiel jenes Zeitalters.

Das Kirchspiel Gr. Peisten war nur klein und hatte eine ungünstige Lage; zu ihm gehörten die Orte Gr. Peisten, Grauschienen, Hoofe, Ludwigshof, Sienken und Hanshagen. Es zerschnitt das Kirchspiel Landsberg so, dass die beiden zu diesem gehörenden großen Dörfer Grünwalde und Glandau abseits lagen. Diese Einteilung ist auf die alten Besitzverhältnisse derer von Kreytzen zurückzuführen.

Liste der Pfarrer seit 1615 bis 1945 siehe „Der Kreis Preußisch - Eylau“ v. Horst Schulz 1983, S.529.

Nach schon älteren Berichten, vor allem von Osthaus aus dem Jahre 1957, soll die Kirche Gr. Peisten damals nur noch eine Ruine gewesen sein, deren Betreten lebensgefährlich war. Später ist sie dann abgebrochen worden und existiert nicht mehr.

aus H. Schulz, Der Kreis Pr. Eylau 1983

* Mit dem Kirchenneubau 1627 wurde Gr. Peisten zu einem eigenen Kirchspiel und die Kirche von Hanshagen mit den Ortschaften Hoofe, Sienken und Ludwigshof zur Filia; seit dieser Zeit wohnte auch der Pfarrer in Gr. Peisten. Das Kirchspiel hatte bis zum Ende des 2.Wetkrieges bestand.

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Teil II

Von Christian Maultzsch, Enkel v. W. Strüvy

Durch einen Brand des Pfarrhauses in Peisten am 2.8.1776 sind laut Bericht des damaligen Pfarrers alle Kirchenbücher und Aufzeichnungen von vor dieser Zeit verloren gegangen.

Lt. Grundbuch (s. dort) von Kl. Peisten mußte dieses Gut die Naturalabgaben an die „Pfarre“ und „Organistei“ von Gr. Peisten aufgrund eines Gesetzes seit 5.November 1869 in barem Gelde gemessen an Marktpreisen abgeben.

Nach der Übernahme des Gutes von seinem verstorbenen älteren Bruder Alwin, 1905, ließ Kurt Strüvy, der Vater des letzten Besitzers, im Inneren der Kirche die Orgel, die Kanzel und den Altar renovieren und teilweise neu vergolden. Dieser Status spiegelt sich in den geretteten Photos.

Zwei Gemälde aus der Kirche hängen angeblich im Museum in Mohrungen, nämlich ein Herr v. Kreytzen, der einen Ring an einer Kette trägt und eine (unbekannte) Dame.

Soweit bekannt hat sich nur eine Altarbibel, Neues Testament, Tübingen 1729, in das Evangelische Zentralarchiv in Berlin gerettet.

In der Gruft waren u. a. beigesetzt Wilhelm (I) Strüvy und seine Frau Hulda, ihr Sohn Alwin, der Onkel des letzten Besitzers, sowie Carl Strüvy gest. 1933. Wer sonst aus der Familie und aus früheren Geschlechtern noch dort zur letzten Ruhe gebettet war, ist mir derzeit nicht bekannt; Ausnahme ist Wolff von Kreytzen, mit seinen zwei Frauen und seinen Eltern, sowie einer kleinen Schwester. (siehe unten)

Angeblich wurde die barocke Ausstattung, vor allem der Altar (ca. 1945), von einem kunsthistorisch interessierten russischen Soldaten auf Stroh gebettet und abtransportiert.

Ein Brand, wohl erst nach dem 2. Weltkrieg zerstörte dieses barocke Kleinod endgültig. Die Ruinen wurden wohl erst ca. 1957 weggeräumt. Bei einem Besuch im Jahre 2012 fanden sich neben einer Erhöhung, unter der wohl die Reste der Kirche liegen, die vollkommen überwucherten Reste des Friedhofes und ein großer Stein. Weiterhin Reste eines schmiedeeisernen Gitters und ein Kreuz aus Metall sowie diverse steinerne Grabumrandungen.

Zur 600-Jahrfeier von Gr. Peisten im Jahre 2014 war der Friedhof komplett vom Unterholz befreit und alle noch vorhandenen Grabumrandungen gesäubert und geschmückt. Ein neues Holzschild mit der Inschrift „CMENTARZ“, weist den Friedhof nun als solchen aus.

Der Große Stein / Grabplatte war gereinigt und die Inschrift wieder lesbar gemacht. Nach obigen Aufzeichnungen und der nun lesbaren Inschrift handelt es sich wohl ohne Frage um den Grabstein (s. Bild) des Wolff von Kreytzen, (geb. 15.08. 1598 in Peisten) gest.29.05.1672 (in Königsberg), der wohl im Inneren der Kirche vor der Kanzel gelegen hat.

Christian Maultzsch
Stand Mai 2016

Steininschrift

Die drei Wappen oben auf dem Stein sind bisher nicht identifiziert.

Es könnten aber links das Eylenburgische, in der Mitte das Kreytzensche und rechts das Waldtburgsche Wappen sein

Die Umschrift lautet:

„WELDT SIND ENI_ACE_“ „IESUS CHRISTUS IST DAS LAMM GOTTES“

Die Grabsteininschrift lautet:

EUPHEMIA FREYFRAVW ZU EYLENBURG 1608 bis 1648
WOLFF VON KREYTZEN
ROSINA FREYFRAVW ZU WALDTBURG

WEYLANDT SEINER CHURFURST-
LICHEN DURCHL. ZU BRANDENBURG
PREYSCHER OBERRATH UND OBERMAR-
SCHALL ERBHERR DER PEISTISCHEN UND
SILGINSCHEN GUTTER SO SEELIG ENT-
SCHLAFFEN DEN 29 MAY ANNO
MD CL XX II RUHET ALHIER IN
GOTT SAMBT SEINEN ZWEYEN FRAVWEN
SEELIGEN HERRN VATER FRAVW MUTTER
UND SEINER IUNGSTEN SCHWESTER
IUSTINCHEN SO IN DEN KINDERJAHREN
VERSTORBEN

Christian Maultzsch
Stand Mai 2016

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Kirche in Gr. Peisten (Wilhelm Strüvy)
Gutspark und Kirche (Maultzsch)
Kirchenruine vor 1956 (Maultzsch)
Altar der Kirche (Wilhelm Strüvy)
Altar der Kirche (Wilhelm Strüvy)
Epitaph für Albert von Kreytzen und Ehefrau (Wilhelm Strüvy)
Kanzel und Orgel (Wilhelm Strüvy)
Gutsstand und Gutsempore (Wilhelm Strüvy)
 
 
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