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Ljulino - Seerappen

Das kleine Dorf Seerappen wurde um 1400 als "Seraphim" gegründet und änderte seinen Namen im Laufe der bis zur heutigen deutschen Version. 1946 erfolgte die Umbenennung in das russische Ljulino.

Bereits 1865 erhielt Seerappen etwa ein Kilometer südlich den Anschluss an die ostpreußische Südbahn, also die Strecke zwischen Pillau und Königsberg, die bis nach Prostken verlängert wurde, sowie einen Bahnhof. Dieser wurde die auch von den Einwohnern von Großheidekrug beansprucht An der Straße zum Bahnhof wurde in den 1930er Jahren eine Schule gebaut

1938 gab es rd. 900 Dorfbewohner. Unter den Bauernhöfen ist das gutsähnliche Anwesen "Heisterhof" von Richard Wiemann, 1934 von Heinrich Lukas übernommen, hervorzuheben, das sich erfolgreich mit einer Warmblut-Pferdezucht befasste. Heinrich Lukas war 1951 - 1977 Vorrsitzender der Kreisgemeinschaft Fischhausen.[1]

Von Seerappen aus wurde einst ein Wanderweg zum nördlich gelegenen Wargen empfohlen, wobei man das Greibauer Mühlenfließ passierte. Dieses in wunderlichen Windungen in die Landschaft gebettete Gewässer war einst bedeutend für die Wasserversorgung Königsbergs.

Weithin bekannt wurde Seerappen durch den 1915 – 1917 erbauten Luftschiffhafen, der gleichzeitig die Zentrale des Marine-Luftschiffwesens für die östliche Ostsee beherbergte. Es gab eine riesige, 35 oder 50 Meter hohe Halle auf einer Fläche von 7.200 qm, 240 m lang, 60 m breit, die gleichzeitig bis zu drei Luftschiffe mit einer Länge von ca. 200 Metern aufnehmen konnte. Es gab ein extra Gaswerk für die Herstellung von täglich 12.000 m³ Wasserstoff, den man zur Füllung eines Zeppelins benötigte. In der Spitze waren über 450 Mann auf dem Flughafen beschäftigt.[2]

Hier war seit 2. 5. 1917 das 1916 in Dienst gestellte Luftschiff LZ 62 stationiert – 198 Meter lang mit fast 28 Meter Durchmesser, das als Marine-Luftschiff L 30 bei 10 Angriffen auf Englang rd. 23,5 Tonnen Bomben abwarf, aber mangels Sicht kaum Schäden anrichtete. Dieses erste Schiff mit Seitengondeln gilt als das erfolgreichste Luftschiff des ersten Weltkriegs. Es wurde bereits am 17.11.1917 in Seerappen wieder außer Dienst gestellt und im Jahre 1920 zerlegt als Reparationsleistung an Belgien ausgeliefert. Da man dort aber kein so großes Luftschiff unterbringen konnte, wurde es demontiert. Teile befinden sich heute im Musée de L´Air in Brüssel. In diesem Museum sind wie in keinem anderen Museum auf der Welt so viele Großexponate von einem Zeppelin-Luftschiff zu sehen.

In den nicht mehr benötigten Gebäuden richtete sich die Ostdeutsche Landwerkstätten Seerappen GmbH ein, die am 28.12.1920 den Flugbetrieb zwischen Königsberg und Berlin aufnahm. Heute ist der Fliegerhorst von Seerappen eine Kaserne.

Seerappen hatte aber auch eine unrühmliche Bedeutung in der Nazi-Zeit: hier befand sich ein Außenarbeitslager des Konzentrationslagers Stutthoff, in dem auch jüdische Häftlinge inhaftiert waren. Wer von ihnen 1945 noch lebte, wurde mit anderen Leidensgenossen zusammen über Königsberg in die winterliche Ostsee bei Palmnicken gejagt und erschossen.



[1] Hans-Georg Klemm, Seerappen, Unser schönes Samland, Herbst 2015, S. 16 f
[2] Hans-Georg Klemm, Erinnerungen an vergessene Orte im Samland - Seerappen-Luftschiffhafen, Unser schönes Samland, Winter 2015, S. 26 ff

Seerappen 2002 (G. Kosemund)
Seerappen vor dem Krieg (Familie Statnik)
Bahnhof Seerappen einst (Klemm)
Meßtischblatt-Ausschnitt
Ortsplan von Seerappen (Klemm)
Gelandetes Luftschiff (Sammlung Klemm)
Alte Postkarte Seerappen (Klemm)
 
 
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