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Umgebung von Schirwindt: Dwarischken/Löbelshorst; Kudirkos Naumiestis - Wladislawow/Neustadt-Schirwindt

Dwarischken, etwa 5 km nördlich von Schirwindt, war die östlichste Landgemeinde Preußens. Das hiesige Gut erwarb Adam Gottfried Plehwe, der später geadelt wurde. Joachim von Plehwe war nach 1740 Bürgermeister von Pillkallen und Kommandeur einer Landmiliz im Siebenjährigen Krieg. Sein vierter Sohn Ernst Albrecht wanderte nach Russland aus und wurde der Stammvater der dortigen Linie der Familie von Plehwe.

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Dwarischken, etwa 5 km nördlich von Schirwindt, war die östlichste Landgemeinde Preußens. Das hiesige Gut erwarb Adam Gottfried Plehwe, der später geadelt wurde. Joachim von Plehwe war nach 1740 Bürgermeister von Pillkallen und Kommandeur einer Landmiliz im Siebenjährigen Krieg. Sein vierter Sohn Ernst Albrecht wanderte nach Russland aus und wurde der Stammvater der dortigen Linie der Familie von Plehwe. Ihrer Mitglieder entstammten zwei hohe Beamte, ein General der Kavallerie der Kaiserlich-Russischen Armee sowie der Minister des Inneren Wjatscheslaw Konstantinowitsch von Plehwe, der am 15. Juli 1904 in St. Petersburg einem Bombenattentat von russischen Sozialrevolutionären zum Opfer fiel. Die deutsche Linie stellte hohe Beamte und vier Generäle. Carl Siegfried von Plehwe beherbergte 1856 König Friedrich Wilhelm IV. anlässlich der Einweihung der neuen Immanuelkirche. Dr. Carl Ludwig von Plehwe war Kanzler in Preußen und Oberlandesgerichtspräsident und half nach dem 1. Weltkrieg beim Wiederaufbau Schirwindts.[4].

Im Jahr 1561 wurde auf der heute litauischen, früher polnischen bzw. russischen Seite der Schirwindt eine Siedlung erwähnt. Der Ort Kudirkos Naumiestis - Wladislawow/Neustadt, wurde 1640 vom polnischen König Wladyslaw IV. Wasa gegründet und erhielt 1643 das Stadtrecht. Der Name der Stadt Wladislawow wurde im Laufe der Zeit von dem Namen Naumiestis abgelöst, was übersetzt „Neustadt“ heißt. Im Jahr 1934 erhielt dieser Name den Zusatz „Kudirkos“ zu Ehren des Dichters und Publizisten Vincas Kudirka (19. 12. 1858 – 4. 11. 1899), der hier von 1895 bis zu seinem Tod lebte und die litauische Nationalhymne verfasst hatte. Der Ort wurde im ersten und zweiten Weltkrieg zerstört, aber wieder aufgebaut und existiert im Gegensatz zu Schirwindt heute noch. Es gibt eine barocke Kirche mit zwei Türmen von 1781, die 1869/70 zu ihrem heutigen Aussehen umgebaut wurde. Beide Städte sind seit 1882 durch eine Eisenbrücke über die Schirwindt verbunden. Rathaus von 1803, erste Schule, eine Kirchenschule, von 1674.

Während man bis ins 17. Jahrhundert den Zuzug von Juden verhinderte, änderte man diese Einstellung nach der Großen Pest anfangs des 18. Jahrhunderts, damit die Juden die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt förderten. Im Jahr 1733 zählte man bereits 11 jüdische Familien in der Gemeinde, die auch schon eine Synagoge errichteten, um 1800 waren es 1.115 Juden (von insgesamt 2.074 Einwohnern) und um 1900 wohnten 4.936 Juden (von insgesamt 6.176 Einwohnern) in Naumiestis. Sie bauten zwei weitere Synagogen, richteten 1879 eine jüdische Bibliothek ein und eröffneten 1880 eine jüdische Schule. Doch dann nahm die jüdische Bevölkerung stark ab, vermutlich aufgrund der vor allem seit Beginn des 20. Jhs. grassierenden Progrome in Russland. 1923 wohnten in Naumiestis noch 991 Juden (von insgesamt 3.642 Einwohnern). Bis 1940 stieg ihre Zahl noch einmal auf 1,327 Juden[1], doch mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war das Schicksal der Juden besiegelt. Kudirkos Naumiestis wurde sofort von den Deutschen besetzt.

Bereits im August 1941 wurde ein Lager für Gefangene eingerichtet, in dem nach offiziellen Angaben 11.450 sowjetische Kriegsgefangene bis 1944 ums Leben kamen.[2] Gleich Anfang Juli 1941 wurden von Beteiligten der deutschen Sondereinsatzkommandos der SS 192 jüdische Männer auf dem jüdischen Friedhof erschossen. Dieser Friedhof wurde im September 1941 zerstört. In derselben Zeit, am 16. 9. 1941, wurden in einem Wald in der Nähe von Kudirkos Naumiestis etwa 650 jüdische Frauen, Kinder und Männer erschossen.[3] Aber auch dieses Massaker war noch nicht das Ende des Mordens. Beim Rückzug der Deutschen 1944 wurden die Synagogen der Stadt zerstört. Im November 1944 gab es in der Stadt noch 317 Einwohner und keinen einzigen Juden mehr. Heute leben hier wieder etwa 1.900 Menschen.



[1] Julia Larina, Stadtuntergang – Schirwindt, das es nicht mehr gibt, S.152 f
[2] Julia Larina, Stadtuntergang – Schirwindt, das es nicht mehr gibt, S.116
[3] Julia Larina, Stadtuntergang – Schirwindt, das es nicht mehr gibt, S. 153
[4] Julia Larina, Stadtuntergang – Schirwindt, das es nicht mehr gibt, S. 49 ff

 
 
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