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Lipowiec - Lipowitz/Lindenort

Lindenort gilt als das älteste Schatulldorf der hiesigen Gegend, angelegt 1666. In einer unter dem Großen Kurfürsten ausgegebenen Urkunde heißt es, man hätte „dem preußischen Untertan Woytek Kowal ungeräumtes Wildnisland (40 Huben) in Gnaden eingeräumt und übergeben mit der Weisung, ein Dorf anzulegen......“[1]. Am 18. Juni 2016 feierte man in Lipowiec zusammen mit ehemaligen Einwohnern und einem umfangreichen Festprogramm das 350jährige Bestehen des Ortes.

In den nächsten 2 Jahrhunderten lebte man hier wie auch in der ganzen Gegend äußerst bescheiden. Das von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 - 1888) entwickelte System ländlicher Genossenschaften wurde in Lipowitz durch die Gründung der Darlehnskasse 1900, des landwirtschaftlichen Vereins und der Raiffeisen-An-und-Verkaufsgenossenschaft sehr früh realisiert und führte zu einer spürbaren Prosperität der Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten. Handwerker und Kaufleute ließen sich nieder und es entstand ein Sägewerk.

Die neogotische Pfarrkirche samt Pfarrhaus wurde 1905 gebaut - bis dahin musste die Kirche in Nachbargemeinden aufgesucht werden.

Das vierklassige Schulgebäude entstand 1932/33.

In der Nähe von Lipowitz steht oder stand ein Wacholderbusch, den mit 12 m Höhe als der Größte Europas galt. Der Wacholderstrauch, ostpreußisch „Kaddig“ genannt, ist eine sehr anspruchslose Pflanze aus der Familie der Zypressengewächse, die auf magerem Sandboden gedeiht und meist um 5 Meter hoch, mitunter auch 12 oder gar 15 Meter hoch wird. Er bildet vielfach das Unterholz in den weiten ostpreußischen Wäldern. Es gibt männliche und weibliche Pflänzlinge, Die weiblichen Früchte sind zunächst ein Jahr lang unansehnlich grün, saftlos und wenig angenehm schmeckend. Sie reifen nach zwei Jahren, verfärben sich schwarz und erlangen eine gewisse Süße. Maßgeblich für den unverwechselbaren Geschmack und Duft sind ätherische Öle.

Einst hatte der Kaddig für Ostpreußen erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Meist der ärmere Teil der Bevölkerung sammelte die Beeren meist in der Zeit der Kartoffelernte. Dabei wurde mit einem Knüppel auf den Strauch eingeschlagen und die Beeren fielen in ein bereitgestelltes breites Sieb. Eine fleißige Sammlerin brachte es auf ca. 20 Liter/Tag.

Wacholderbeeren brauchte man als Gewürz für die Küche und den Branntwein, nutzte es als Blutreinigungsmittel für Menschen und für die Pferde, denen man kleinere Mengen unter das Futter mischte. In der Küche dienen die Beeren als Gewürz bei Einmachen von z. B. Sauerkohl, beim Garen von Wildgerichten und –soßen, von Sauer- und Schmorbraten, bei Füllungen von Gänsen und Enten und auch beim Räuchern von Schinken, der so einen edleren Geschmack erhält. Durch Übergießen der unvergorenen Wacholderbeeren mit Alkohol gewinnt man durch anschließende Destillation einen Wacholderextrakt. Dieser wird für die Herstellung verschiedener Wacholder-Schnäpse verwendet wie Steinhäger, Doornkat, Bommerlunder, Machandel, Genever, Gin. Eine Besonderheit für Ostpreußen war seinerzeit das sehr durstlöschende „Kaddigbier“, das man hauptsächlich in den Walddörfern der Johannisburger Heide aus Hopfen, Hefe und Honig unter Zusatz von Wacholderbeeren herstellte. Das Holz des Kaddigs fand vielfache Verwendung. Es ist fest und hart und man fertigte daraus z. B. Zinken für Eggen und Harken oder Stiele für landwirtschaftliche Geräte, aber auch Tabakpfeifen, Eierbecher und Löffel sowie das berühmte Heiligenbeiler Spielzeug.[2]



[1] Dr. Max Meyhöfer, Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg, Kommissionsverlag Gerhard Rautenberg, Leer, 1984, S. 181 f.
[2]G[ünter Schiwy, Wacholder – auch Kaddig genannt, Masurische Storchenpost, Nov. 2008, S. 39 f: Heinz Baranski aus Lötzener Heimatbrief, wiedergegeben im Heimatblatt der Kreises Heiligenbeil, Mai 2016, S. 103 f

 
 
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