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Die Familie Kollo

Der Komponist Walter Kollodzieyski (28. 1. 1878 – 30. 9. 1940) ist ein Sohn der Stadt Neidenburg, der später in Berlin seinen Namen zu Walter Kollo verkürzte. Die Mutter entstammte einer Arztfamilie und war Konzertpianistin.[1] Sein Vater besaß ein kleines Gut in der Nähe von Neidenburg mit einer Dampfmühle und betrieb in der Stadt einen Kolonialwarenladen. Dieser sollte von Sohn Walter eigentlich fortgeführt werden, aber der entwickelte starke künstlerische Ambitionen und als das Friedrichskolleg in Königsberg, das er besuchte, sein Talent bestätigte, gab der Vater schließlich seinen Widerstand auf und ließ den Sohn auf dem Konservatorium in Sondershausen in Thüringen Musik studieren.

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Der Komponist Walter Kollodzieyski (28. 1. 1878 – 30. 9. 1940) ist ein Sohn der Stadt Neidenburg, der später in Berlin seinen Namen zu Walter Kollo verkürzte. Der Ursprung der Familie begann mit Johann Kollodzieyski, der 1795 in Wartenburg, Kreis Allenstein, geboren wurde und nach Neidenburg zog. Die Mutter entstammte einer Arztfamilie und war Konzertpianistin.[1] Sein Vater besaß ein kleines Gut in der Nähe von Neidenburg mit einer Dampfmühle und betrieb in der Stadt einen Kolonialwarenladen. Dieser sollte nach dem Willen des Vaters von Sohn Walter eigentlich fortgeführt werden, aber der entwickelte starke künstlerische Ambitionen und als das Friedrichskolleg in Königsberg, das er besuchte, sein Talent bestätigte, gab der Vater schließlich seinen Widerstand auf und ließ den Sohn auf dem Konservatorium in Sondershausen in Thüringen Musik studieren.

Walter Kollodzieysjkui begann seine Karriere als Korrepetitor im Luisentheater in Königsberg. Bei einem Engagement als 2. Kapellmeister in Stettin machte er die Bekanntschaft des Komponisten Paul Lincke, und er lernte seine spätere Ehefrau Marie Preuss kennen, die sich Mizzi Josetti nannte. Als der Vater der Heirat der Beiden nicht zustimmte, floh das Paar nach Berlin, wo Walter zunächst als Kapellmeister wirkte. Später machte er sich als Komponist selbständig und wurde Hauskomponist am Admiralspalast am S-Bahnhof Friedrichstrasse von Berlin. Mit seinen Schlagern, dann aber auch mit Operetten, Revuen und Singspielen erntete er große Erfolge. Er schrieb Lieder für die Künstler des Kabaretts, so für Claire Waldoff, machte nach dem 1. Weltkrieg auch Musik für Stummfilme, war befreundet mit vielen führenden Theaterleuten, Musikern und Künstlern, aber auch mit dem sozialkritischen Zeichner Heinrich Zille. Er setzte sich für die künstlerischen Verwertungsrechte seiner Kollegen ein und schuf damit die Grundlagen für die spätere GEMA, die Gesellschaft zum Schutz musikalischer Urheberrechte. Außerdem gründete er einen eigenen Musikverlag, den er zwar später aufgeben musste, den sein Sohn Willi jedoch 1960 zurückkaufen konnte.

Neben einer Vielzahl von Operetten wie z. B. „Wie einst im Mai“ (1913), „Der Juxbaron“, „Marietta“ u. a. gelangen dem „gelernten Berliner“ so berühmte Lieder wie die Berliner Nationalhymne „Solang noch untern Linden die alten Bäume blüh’n“, aber auch „Was eine Frau im Frühling träumt“ , „Warte, warte noch ein Weilchen“ , „Es war in Schöneberg im Monat Mai“, „Immer an der Wand lang“, „Kleine Mädchen müssen schlafen gehen“, „Das war sein Milljöh“, „Max, du hast das Schieben raus“ und ....und ...und

Die Texte zu vielen dieser Lieder stammen von seinem Sohn Willi Kollo (1904 - 1988). Der schrieb bereits als Primaner in einem Internat am Harz Gedichte und Novellen. Mit 20 Jahren war er bereits ein anerkannter Textdichter. So schrieb er die Texte für die Operette „Marietta“ seines Vaters mit so bekannten Liedern wie „Was eine Frau im Frühling träumt“ und „Warte, warte nur ein Weilchen“, außerdem für „Die Frau ohne Kuss“ und „Drei arme Mädels“.[2] Er trat aber ebenfalls als Komponist in Erscheinung: (Schminke (1935), Besuch am Abend (Hamburg, 1938), Die hellgelben Handschuhe (Hamburg, 1949). Seine Tochter Marguerite hat die autobiographischen Aufzeichnungen von Willi Kollo mit lesenswerten Kommentaren zur Kunst- und Politikszene der Zwanziger Jahre, aber auch mit Reflektionen über den dominanten Vater Walter Kollo, zu einem Buch komprimiert: „Als ich jung war in Berlin…“

Walter Kollo starb am 30. 9. 1940 und wurde auf dem Sophienfriedhof in Berlin-Mitte in der Nachbarschaft von Albert Lortzing und C. Bechstein und nicht weit von Moses Mendelssohn begraben. Sein Enkel René Kollo ist ein berühmter Opernsänger unserer Tage, insbesondere Wagner-Interpret: Er engagierte sich als Intendant des Metropol-Theaters in Berlin - leider nicht mit nachhaltigem Erfolg - und seine Tochter Nathalie Kollo (geb. 17. 7. 1967 in Locarno/Schweiz), die Urenkelin, hat sich bereits als Schauspielerin und Sängerin für Jazz, Pop, Soul und Gospel einen Namen gemacht. Außerdem gründete sie die Stiftung „Kollo Kids e.V.“, die vor allem sexuell missbrauchten Kindern hilft. Vater und Tochter Kollo treten auch gemeinsam auf und singen Lieder des Großvaters und Urgroßvaters.

Die Schwester von René Kollo, Marguerite Kollo (geb. 20.7.1935 ), ist dem Musikleben ebenfalls eng verbunden. Von 1973 – 1996 war sie, die ebenfalls Gesang studiert hatte und darüber hinaus Tanz- und Schauspielunterricht erhielt, die Managerin ihres Bruders René Kollo. Jetzt ist sie Musik- und Bühnenverlegerin sowie Agentin für Musiktheater im In- und Ausland.

Eine Familie mit einer solchen musikalischen Erfolgsserie über die Generationen hinweg wie bei den Kollos aus Neidenburg in Ostpreußen findet so schnell nicht ihresgleichen.

Detaillierte Informationen findet man unter den Internet-Adressen

Walter Kollo - https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kollo

Willi Kollo - https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Kollo

René Kollo - https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Kollo

Marguerite Kollo - http://www.kollo.com/kollographie/marguerite-kollo/1/

Nathalie Kollo - https://de.wikipedia.org/wiki/Nathalie_Kollo



[1]M.H., Walter Kollo, Neidenburger Heimatbrief, Pfingsten 2003, S. 29; Frank Jurk, Heimattreffen 2018, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachtren 2018, S. 24
[2] Unvergessene Melodien, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 1988, S. 37 Quelle: Oprbl., 19. 3. 1988

Marguerite Kollo
 
 
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