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Öffentliche und gewerbliche Gebäude und Einrichtungen

Das ordenszeitliche Rathaus brannte bereits 1664 ab, als ein Stadtbrand den größten Teil aller Häuser vernichtet hatte. Das heutige klassizistische Aussehen stammt von 1842. Nach den Zerstörungen des 1. Weltkriegs baute man das Gebäude wieder auf, wobei eine größere Dollarspende durch Freunde des Bürgermeisters Dr. Berthold Frost erheblich half, und so steht es heute noch, seit 1959/60 allerdings etwas erweitert.

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Das ordenszeitliche Rathaus brannte bereits 1664 ab, als ein Stadtbrand den größten Teil aller Häuser vernichtet hatte. Das heutige klassizistische Aussehen stammt von 1842. Nach den Zerstörungen des 1. Weltkriegs baute man das Gebäude wieder auf, wobei eine größere Dollarspende durch Freunde des Bürgermeisters Dr. Berthold Frost erheblich half, und so steht es heute noch, seit 1959/60 allerdings etwas erweitert.

Ein erstes Krankenhaus in Neidenburg bauten die Johanniter 1868 – 1871. Es umfasste zunächst 36 Betten, wurde aber in den Folgejahren bereits erweitert. Die Krankenpflege übernahmen zwei Diakonissen aus Berlin, ab 1879 die Diakonissen aus Königsberg.

Nachdem das Krankenhaus zu klein geworden war, machte man das Gebäude zu einem Armen- und Siechenhaus und errichtete für die Krankenpflege einen Neubau mit 102 Betten unter der Leitung des Regierungsbaumeisters Otto Lindemann und mit erheblicher Unterstützung durch den Johanniterorden. Dieses Kreiskrankenhaus wurde zu einem Musterbau für die Provinz Ostpreußen, an dem sich andere ostpreußische Kreisverwaltungen ein Beispiel nahmen. Es wurde durch das Oberhaupt des Johanniterordens, Herrenmeister Prinz Eitel Friedrich Prinz von Preußen, am 28. 10. 1911 eingeweiht. Das bronzene Samariterrelief über dem Hauptportal schuf Professor Stanislaus Cauer, die Samaritertätigkeit der Johanniter darstellend. Chefarzt von 1901 bis 1935 war der Stabsarzt Dr. Richard Gutzeit, als Kriegsgefangener der Russen bis 1917 in einem Militärhospital in Irkutsk tätig.[1] Alle nicht gehfähigen Patienten des Johanniter-Krankenhauses erreichten 1945 auf dem Hilfskreuzer „Kanonier“ die Stadt Kopenhagen[2]

Das neue Kreishaus nahe dem Krankenhaus entstand ebenfalls 1911. Das alte Kreishaus, ehemals die Wohnung des Landrats, baute man zum Verwaltungsgebäude um.

Das Klösterchen und der benachbarte Salzspeicher an der Südostecke der Altstadt an der Stadtmauer, ursprünglich um 1400 gebaut und im letzten Krieg beschädigt, wurden 1967 - 1988 wieder hergerichtet und der öffentlichen Nutzung als Filiale des Staatlichen Archivs in Allenstein zugeführt.

Von der Stadtmauer aus der Zeit der Stadtgründung, die man weitgehend um 1840 abriß, sind im Osten, wo die Sicherung der Stadt wichtiger war als in der zum Sumpf gelegenen Westseite, noch einige Elemente erhalten.

Am 11. Juli 1862 wurde der Grundstein für ein neues Schulgebäude in der Bergstrasse gelegt, das zunächst drei Vorschulklassen, fünf Klassen der gehobenen Knabenschule und drei Klassen der höheren Töchterschule aufnehmen sollte. Ab 1929 war es Heimstätte des Realgymnasiums, später umgewandelt in Oberschule für Jungen. Als hier auch die Mädchen der höheren Mädchenschule einziehen sollten, wurde eine Vergrößerung der Schule geplant, aber durch die Kriegszeiten nicht mehr realisiert. Als 1945 die Sowjets in Ostpreußen vordrangen, gelang dem stellvertretenden Schulleiter Buser die genehmigte Evakuierung der Schüler nach Schloss Poehl bei Plauen, Vogtland, denen so die fürchterlichen Erlebnisse der Eroberung und der Flucht erspart blieben. [3]

Im Stadtwald gab es die Försterei, die ein beliebter Zielpunkt für Ausflüge war. Sie brannte am 17. 10. 1930 ab und wurde ein Jahr später wieder aufgebaut. Das Haus verfiel im Laufe der Zeit zunehmend, doch zu Beginn des 21. Jhs. erwarb es der polnische Verlag in Warschau, der u. a. die Zeitung „Polityka“ herausgibt, renovierte es und stattete es mit Hotelzimmern, Suiten und Ferienwohnungen aus. Jetzt ist das alte Forsthaus Seminargebäude und Feriendomizil für die Mitarbeiter des Verlags – leider nicht mehr öffentlich zugänglich, dafür aber saniert.[4]

Neidenburg erhielt 1912 eine zentrale Wasserversorgung. Davon zeugt noch ein Gebäude auf dem Wasserberg, in dem ein Wasserkessel untergebracht war. Mit der Vergrößerung der Stadt und steigenden Einwohnerzahlen wurde ein zweites Wasserwerk benötigt, das 1939 auf dem Gelände hinter dem Schlossgut an der Straße nach Robertshof seinen Platz fand. Zahlreiche Kanaldeckel in den Straßen von Neidenburg zeugen noch heute von der Wasserversorgung de Stadt in deutscher Zeit.[5]

Die Brauereigerechtigkeit in Ostpreußen, die jahrhundertelang das Bierbrauen regelte, wurde 1806 abgeschafft. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit entstanden mehrere Brauunternehmen, die aber langfristig meist nicht überlebten. In Neidenburg setzte sich die 1868 gegründete Brauerei Hoehl durch.Sie produzierte zunächst nur Braunbier. 1902 wurde aus dem Privatbetrieb eine Genossenschftsbrauerei, die ab 1903 als Schlossbrauerei Neidenburg eGmbH firmierte. Sie wurde ständig modernisiert und ausgebaut und begann um 1928 mit dem Abfüllen von Selters und Limonaden. Nach dem Krieg wurde die Brauerei sehr schnell wiedereröffnet, stellte jedoch 1958 den Braubetrieb ein. Nachfolger wurde ein Wein- und Metherstellungsbetrieb und die Gebäude zeigen sich heute wieder sehr ansehnlich.[6]


[1] Hans-Georg Tautorat, Zur Geschichte des Johanniter-Kreiskrankenhauses in Neidenburg, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 1996, S. 22 ff
[2] Heinz Lipka, Der letzte Heimaturlaub 1944 in Dietrichsdorf, Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2009, S. 35
[3] Neidenburger Heimatbrief, Pfingsten 2010, S. 54/55
[4] Neidenburger Heimatbrief, Weihnachten 2004, S. 18
[5] Jürgen Szepanek, Neidenburger Wasserleitung 100 Jahre alt, in Neidenburger Heimatbrief, Pfingsten 2012, S. 28 f
[6] Dr. Wieslaw Gogan, Bier und Brauereien in Osspreußen damals und heute, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, abgedruckt im Neidenburger Heimatbrief Weihnachten 2018, S. 34 ff

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Wasserkesselhaus 2012 (Neidenburger Heimatbrief)
Wasserturm und Wasserwerk I (Neidenburger Heimatbrief)
Wasserwerk II (Neidenburger Heimatbrief)
 
 
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