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Mosyr - Klein Gnie und Gusevo - Groß Gnie

Der Ort Gnie entstand erst im Laufe des 16. Jhs. auf dem Gebiet des Waldes „Gnye“, einem Teil der Wildnis, und wurde 1567 als Gnye erstmals urkundlich erwähnt. Durch Teilung entstanden 1627 die Güter Groß Gnie und Klein Gnie, wobei Groß Gnie lange Zeit ein Vorwerk von Klein Gnie war.

Mozyr - Klein Gnie gehörte anfänglich zum Güterkomplex Wandlacken der Familie von Schlieben. Durch Heirat von Maria Catharina von Schlieben (1698 – 1738) gelangte Klein Gnie an die Familie Rollas du Rosey und Maria Rollas du Rosey (1738 – 1813) verkaufte Klein Gnie 1770 an den Leutnant Jacob Friedrich von Hoffmann (ca. 1726 – 1773), Enkel des Bürgermeister vom Löbenicht. Nach dem Tod des Leutnants von Hoffmann erbte das Gut dessen Neffe, der Kriegsrat Friedrich Farenheid (1747 – 1834), einziger Sohn des Königsberger Großkaufmanns Reinhold Farenheid (1702/03 – 1781), bis zur Napoleonzeit reichster Adliger der Provinz[1] und Großvater von Fritz von Fahrenheid (1815 - 1888), der das Museumsschloß in Klein Beynuhnen im Kreis Angerapp errichten ließ.

Zur Konsolidierung seines durch die Napoleonzeit geschädigten Besitzes wurde u. a. 1830 auch Klein Gnie verkauft. Käufer mit 95.000 Rtlr. war der Amtmann Carl Gutzeit (1789 – 1852), Sohn eines Lehrers und bis dahin erfolgreicher Inspektor auf Eiserwagen, einem Gut Friedrich von Farenheids im Kreis Wehlau. Finanziert wurde der Kauf vom jüdischen Getreidehändler Adolph Meyer Sillmann aus Königsberg und die Verbindlichkeit wurde durch Holzeinschlag abgegolten. Carl Gutzeit wirtschaftete sehr geschickt und konnte es sich leisten, 1842 ein neues spätklassizistisches Gutshaus zu beziehen.

Unter dem Sohn und Erben Carl Johann Heinrich Gutzeit (1826 – 1887) wurde Klein Gnie an das Eisenbahnnetz der Linie Insterburg – Gerdauen angeschlossen und erhielt einen Bahnhof. Damit wurde das Gut ein wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt.

1887 erbte der Sohn Karol Gutzeit (1857 – 1916) das Gut. Es hatte 1913 eine Fläche von 3.833 ha. 1897 wurde Klein Gnie Kirchspielort und erhielt eine Kirche, die 1901 eingeweiht werden konnte.

Da der Sohn von Karol Gutzeit keine direkten Nachkommen hatte, vermachte er bei seinem Tod 1938 testamentarisch Klein Gnie seinem Oberinspektor Fritz Schwill, der das Gut bereits mit großem Geschick durch die wirtschaftlichen Turbulenzen der Zwischenkriegszeit gebracht hatte. 1939 wurde Klein Gnie von der Landwirtschaftskammer Königsberg als Musterbetrieb ausgezeichnet.

Das Gut Klein Gnie gehörte zuletzt mit über 2.000 ha zu den größten landwirtschaftlichen Wirtschaftsbetrieben im Kreis Gerdauen. Zum Wald gehörte ein ca. 2 ha großer 150jähriger Lärchenbestand japanischer Herkunft. Am Mühlenteich stand eine vorzüglich ausgestattete Roggen- und Weizenmühle, die bereits im 18. Jahrhundert angelegt worden war. Weiterhin gab es eine Ziegelei und ein Sägewerk.

Für den 21. Januar 1945 wurde die Flucht angeordnet. Fritz Schwill führte einen großen Treck bis nach Mecklenburg. Als die Sowjets zwei oder drei Tage später kampflos in Klein Gnie einmarschierten, brannten das Gutshaus, das Pfarrhaus, das Geschäftshaus und drei Landarbeiterhäuser ab. Ansonsten sind einige Bauten im Dorf erhalten geblieben, so auch die Post.

Aufgrund des beachtlichen Bevölkerungswachstums im 19. Jh. gliederte man mehrere Gemeinden aus den Kirchspielen Nordenburg und Muldszen aus und bildete daraus 1897 das Kirchspiel Klein Gnie.[2] Die neogotische Kirche entstand nach Entwürfen des Architekten Bergmann aus Rastenburg und wurde am 18. 8. 1901 eingeweiht. Nach dem 2. Weltkrieg nutzte eine Schule die Räumlichkeiten als Turnhalle und man baute Räume für eine Grundschule an. Die Glocken verkaufte man nach Litauen. 1965/66 entfernte man das hohe Spitzdach und ersetzte es durch ein flaches Satteldach, das mit Asbestzementplatten belegt wurde. Die Kirche ist offenbar immer noch Sporthalle.

Details zum Gut Klein Gnie siehe Wulf D. Wagner „Kultur im ländlichen Ostpreußen“. Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gerdauen“, Husum Verlag 2008, S. 621 – 644



[1] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 625

[2] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 144

 
 
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