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Kalki - Sechserben

Im Zuge der gutsherrlich-bäuerlichen Regulierung nach der Bauernbefreiung wurde Scheserben am 10. März 1823 erstmals urkundlich als neues Vorwerk von Birkenhof genannt. Der Name ging auf die sechs Erben zurück, die nach dem Tod des Reichsgrafen Adolf von Schlieben (1792 – 1815) die Birkenfelder Güter geerbt hatten und sich zunächst den Besitz teilen mussten. Bis 1824 gehörte das Gut den Grafen von Schlieben, danach der Familie Totenhoefer-Birkenfeld. Am 14. April 1897 wurde Sechserben samt Vorwerken mit einer landwirtschaftlichen Fläche von 995 ha ein selbstständiger Gutsbezirk und an Dr. jur. Alfred Totenhoefer (1860 – 1902) übertragen. In seiner Zeit wurde vermutlich das große, dreizehnachsige Herrenhaus im Neorenaissance-Stil gebaut.

In der gleichen Zeit entstand am Südrand des Parks ein reich mit Holzwerk versehener Backsteinbau im Stil von Ostsee-Villen, die „Villa“, als Alterruhesitz.

Im 1. Weltkrieg kam es am 9. September 1914 am Ortsrand von Sechserben zu heftigen Gefechten der Deutschen mit Einheiten der Rennenkampff-Armee, die den Tod und die Verwundung etlicher Soldaten und die Zerstörung des Gutskomplexes zur Folge hatten. Das Herrenhaus wurde bis 1920 unter Einbeziehung der übrig gebliebenen Außenmauern neobarock wieder aufgebaut

Letzter deutscher Eigentümer war Rudolf Plock (1883 – 1980), Sohn eines Bergwerkdirektors in Andalusien, der durch die Hochzeit mit seiner Frau Ilse (1895 – 1985), Tochter von Karl Julius Totenhoefer (1864 – 1929) in die Familie Totenhoefer eingeheiratet hatte, die seit 1731 in der Gegend ansässig war. Das Gut umfasste 1.125 ha, davon 350 ha Mischwald. Wesentliches Anliegen dieses letzten Besitzers war die Zucht und Aufzucht von Trakehner Hengsten.

Der Gutstreck begab sich am 23. Januar unter Leitung von Rudolf Plock auf die Flucht, wurde aber bereits im Kreis Pr. Holland von den sowjetischen Truppen überrannt. Ilse und Rudolf Plock konnten zu Fuß entkommen und gelangten über Dänemark auf das Gut bei Korbach, wo Rudolf Plock seine Jugendjahre verlebt hatte.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm das Haus ein staatliches Genossenschaftsgut in Besitz, richtete Wohnungen für seine Angestellten ein und nutzte einen Teil der Räume als Begegnungsstätte. Einige Wandtäfelungen blieben im Innern erhalten. Um 1996 erwarb Andrzej Bilip, Geschäftsmann aus Warschau, den Gutskomplex Sechserben. Es ist beabsichtigt, hier eine Pension einzurichten.

Das alte hölzerne Gutshaus, die Villa, fiel 1981 einem Brand zum Opfer.

Der Gutspark ist zwar verwildert, aber der Baumbestand aus erstklassigen Eichen, Linden, Buchen, Tannen und Kiefern blieb im Wesentlichen erhalten. Auch die Wirtschaftsgebäude sind noch gut intakt und sind zusammen mit dem Gutshaus in der Struktur seit den 1920er Jahren ziemlich unverändert geblieben, was recht selten vorkommt.

Im ersten Weltkrieg fiel bei Sechserben am 9. 9. 1914 Philipp Graf v. Kageneck, Leutnant im 5. Thüringischen Regiment Großherzog von Sachsen, und wurde auf dem Schlachtfeld beigesetzt.  Im  2. Weltkrieg wurde der letzte deutsche Obermelker, dessen Familie seit 3 Generationen hier ansässig war, noch 8 Tage vor dem Beginn der Flucht zum Volkssturm eingezogen und fiel, wobei er seine Frau mit neun Kindern hinterließ.
 
In Sechserben gibt es einen größeren Soldatenfriedhof, um den sich nach dem zweiten Weltkrieg niemand mehr kümmerte. Durch Initiative von Hans-Henning Plock konnte er jedoch vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. wieder in einen würdigen Zustand versetzt werden.[1]
 
Details zu Sechserben siehe Wulf D. Wagner „Kultur im ländlichen Ostpreußen – Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gerdauen“,  Band II, Husum Verlag 2008, S. 1105 - 1117


[1] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 186

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Gutshaus in Sechserben 2013 (Frederik Blattgerste)
Wirtschaftsgebäude 2013 (Frederik Blattgerste)
Wirtschaftsgebäude 2013 (Frederik Blattgerste)
Wirtschaftsgebäude 2013 (Frederik Blattgerste)
 
 
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